Coronavirus-Ausbruch: Antwort der EIB-Gruppe auf die Pandemie

Die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) wird von einem neuartigen Coronavirus verursacht. Sie wurde erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan festgestellt.

Im Januar 2020 traten erste isolierte Fälle in der Europäischen Union auf. In Norditalien stieg die Zahl der COVID-19-Fälle bis Ende Februar 2020 sehr stark an. Seitdem haben alle EU-Länder Fälle gemeldet, die Zahl der Infizierten nimmt weiter zu. Die schnelle Ausbreitung des Virus belastet die öffentliche Gesundheit und die Wirtschaft enorm.

Welche Folgen hat das Virus für die Wirtschaft?

Die Ausbreitung des neuen Virus wirkt sich bereits erheblich auf die Wirtschaft in der EU aus. Diese Situation wird sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich noch verschärfen. Die Gründe dafür sind:

  • ein dramatischer Einbruch der Kundennachfrage in einigen Sektoren, der zu Cashflow-Problemen führt
  • Unterbrechungen der Lieferkette, insbesondere bei Unternehmen, die auf Lieferungen internationaler Partner angewiesen sind
  • Arbeitskräftemangel, da Beschäftigte zu Hause bleiben müssen und nicht die gleiche Leistung bringen können; in einigen Sektoren ist dies aufgrund der erhöhten Nachfrage besonders kritisch (z. B. Lebensmittel, Hygienematerial und Medizinbedarf)

Wer wird unter den wirtschaftlichen Folgen leiden?

Am stärksten gefährdet sind kleine und mittlere Unternehmen, sie beschäftigen die meisten Arbeitskräfte des Privatsektors in der EU. Kleinere Unternehmen sind in der Regel stärker auf Personal angewiesen und damit anfällig für Unterbrechungen, wenn die Beschäftigten nicht arbeiten können. Meist haben sie auch weniger Rücklagen, weniger Finanzierungsmöglichkeiten und weniger Vermögenswerte, die sie verkaufen können. Deshalb können sie Liquiditätsengpässe nur schwer überbrücken.

Derzeit scheinen die Reise- und Tourismusbranche, das Hotel- und Gaststättengewerbe, der Einzelhandel und die Sport- und Unterhaltungsbranche am stärksten betroffen zu sein. Die indirekten Folgen werden wahrscheinlich aber auf die gesamte Wirtschaft ausstrahlen.

Was müssen die Banken jetzt für die betroffenen Unternehmen tun?

Sie müssen ihnen:

  • längere Zahlungsaufschübe und tilgungsfreie Zeiten für den Zins- und Kapitaldienst für bestehende Verbindlichkeiten gewähren
  • den Zugang zu neuer finanzieller Unterstützung erleichtern: Produkte zur Sicherung des Betriebskapitals einschließlich Factoring, Rechnungsdiskontierung, Kontokorrentkredite und Kreditlinien (kurz- und mittelfristig)

Besonders wichtig: Die Unternehmen brauchen diese Unterstützung sofort. Deshalb konzentriert sich die EIB-Gruppe auf Maßnahmen, bei denen sie vorhandene Instrumente ohne Änderung der Rechtsgrundlage nutzen kann. Parallel arbeitet sie schon an neuen Initiativen, um Unternehmen mit mehr Liquidität auszustatten und Risiken gemeinsam mit Banken zu schultern.

Welchen Beitrag leisten die EIB-Gruppe und die Europäische Kommission?

Wir wollen bis zu 40 Milliarden Euro für betroffene KMU mobilisieren. Dafür stellen wir unseren Finanzpartnern (Geschäftsbanken, nationale Förderbanken, Garantieinstituten) umgehend verschiedene Produkte bereit. Auf drei Bausteine setzen wir dabei (wobei einige Produkte durch Garantien der Europäischen Kommission besichert sind):

Wir werden erstens spezielle Garantiesysteme für Banken einrichten, die auf bestehenden Programmen basieren und mit sofortiger Wirkung Finanzmittel in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro mobilisieren, um betroffene Unternehmen zu unterstützen.

Wir werden zweitens unsere Durchleitungsprogramme und Rahmendarlehen beschleunigen und umwidmen, damit Banken in ganz Europa betroffenen Unternehmen gezielt unter die Arme greifen können. Diese Mittel der EIB belaufen sich auf 5 Milliarden Euro und sollen 10 Milliarden Euro für Unternehmen anstoßen.

Wir werden drittens einige EFSI-Mittel neu priorisieren und bei Banken Asset-Backed Securities in Höhe von 2 Milliarden kaufen, um denen Betriebskapital bereitzustellen, die es am dringendsten benötigen. Die Banken können auf diese Weise Risiken aus bestehenden KMU-Krediten auf die EIB umlegen und Kapital für neue Kredite freisetzen. Damit wollen wir weitere 10 Milliarden Euro mobilisieren.

Welche Änderungen sind dazu nötig?

Wir passen derzeit gemeinsam mit der Europäischen Kommission die Merkmale vorhandener Produkte an und richten schnelle Genehmigungsverfahren ein. Wir legen Kriterien fest, damit wir wirklich die Unternehmen erreichen, die unter den Folgen des Virus leiden.

Was kann die Europäische Investitionsbank noch gegen COVID-19 tun?

Wir prüfen derzeit die Ausweitung der Venture-Capital- und Venture-Debt-Finanzierungen der EIB-Gruppe für Unternehmen in der risikoreichen Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, Therapien, Medikamenten und Diagnosen. Diese Projekte sollen im Schnellverfahren über die EIB abgewickelt werden, wobei wir EU-Programme und -Mandate heranziehen können. Derzeit haben wir Gesundheitsprojekte von rund 5 Milliarden Euro in der Pipeline. Wir bauen diese Pipeline aus und berücksichtigen dabei, wie sich der Bedarf dieses so wichtigen Sektors ändert. Dabei kooperieren wir eng mit der Weltgesundheitsorganisation auf Basis einer Absichtserklärung. Gemeinsam mit unseren Beratungsdiensten ermitteln wir weiter weltweit Gefährdungen und sorgen für die Mobilisierung ausreichender Mittel, um die Abwehrbereitschaft gegen die Pandemie zu erhöhen.

Die EIB kann darüber hinaus bereits genehmigte Darlehen für den Infrastruktur- und Ausrüstungsbedarf der EU-Länder (einschließlich ihrer Gesundheitsbehörden) rasch modifizieren, falls sich ihr Bedarf durch die Ausbreitung des Virus ändert. 

Mittel- bis langfristig könnten wir KMU und Midcap-Unternehmen auch eine breitere Palette von Instrumenten zur Verfügung stellen.

Für KMU und Midcap-Unternehmen, die eine Finanzierung benötigen

Wir werden die Liste der EIF-Finanzpartner für finanzielle Unterstützung im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie auf einer eigenen Webseite des EIF veröffentlichen, sobald die entsprechenden Finanzierungsvereinbarungen vorliegen.

In der Zwischenzeit können Sie hier das aktuelle Netz der EIF-Finanzpartner in Ihrem Land abrufen.

Für Finanzinstitute, die mit der EIB-Gruppe zusammenarbeiten möchten

Bitte informieren Sie sich auf den entsprechenden Seiten über die wichtigsten Finanzierungsprodukte:

  • Darlehen/Finanzierungsprodukte: EIB
  • Garantien/Risikoteilung: EIB – EIF
  • Eigenkapital: EIB – EIF

Aufforderungen zur Interessenbekundung für Intermediäre, die im Rahmen der EU-Programme COSME LGF und InnovFin SMEG an Kreditportfolio-Garantien interessiert sind, werden in Kürze auf der Website des EIF veröffentlicht. Bitte beachten: Diese Informationen werden laufend aktualisiert.

Die Garantien des EIF sind durch die EU-Haushaltsgarantie im Rahmen des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) besichert.

Wir unterstützen Projekte, die die Ausbreitung der COVID-19-Infektion aufhalten oder eine Behandlung oder einen Impfstoff entwickeln. Wir finanzieren auch dringende Infrastrukturverbesserungen und dringend benötigte Ausstattung im Gesundheitssektor; dazu können wir vorhandene Rahmendarlehen oder noch nicht ausgezahlte Beträge aus laufenden Gesundheitsprojekten nutzen.

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Als Bank der EU fördern wir Projekte mit dem Ziel, den Menschen überall Zugang zu einer hochwertigen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung zu bieten. Lesen Sie, was wir mit unserer Arbeit bewegen