Zwei innovative schwedische Batteriehersteller wollen sauberen Strom für Heim und Auto liefern

An windigen und sonnigen Tagen erzeugen Wind- und Solarparks erneuerbare Energie. Aber der Wind weht nicht immer, und die Sonne scheint auch nicht immer dann, wenn wir gerade Strom brauchen. Deshalb ist die Batterietechnologie für eine grüne Zukunft so wichtig. Nilar und Northvolt aus Schweden produzieren Batterien, die saubere Energie speichern und grünen Strom nach Bedarf liefern.

Nilar entwickelt seit über 15 Jahren neue großformatige Batterien auf Nickelbasis und ist seit 2019 kommerziell damit am Start. Die Nickel-Metallhydrid-Akkus sind für den Einsatz daheim und im gewerblichen, kommunalen und industriellen Umfeld gedacht. Für Elektrofahrzeuge sind sie nicht geeignet, weil Nickel schwerer ist als Lithium, das dafür verwendet wird. Die Hydridbatterien von Nilar sind jedoch sicher für die Verwendung in Gebäuden, da sie nicht entflammbar sind. Außerdem haben sie eine Lebensdauer von zwanzig Jahren, und es lohnt sich, sie zu recyceln.

Die Batteriekosten sinken. Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge sind seit 2010 fast 90 Prozent billiger geworden, die Kosten für stationäre Speicher auf Nickelbasis um rund zwei Drittel zurückgegangen. Aber fast alle modernen Batterien werden derzeit in die Europäische Union importiert. Jetzt, wo die Batterien günstiger werden, muss eine Fertigung in Europa aufgebaut werden, denn dort wächst der Markt für saubere Energie rasant. Der Haken ist nur: Die Batterieentwicklung ist ein langer, kostspieliger und mit Unwägbarkeiten gepflasterter Weg. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss große Mengen produzieren. Das macht es für junge Unternehmen schwierig, kommerzielle Investoren zu finden und Bankkredite zu erhalten.

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©Nilar

Schwedische Batteriehersteller und die Bank der EU

Nilar ist so ein Unternehmen, das noch keinen Markterfolg vorweisen kann und deshalb auf Fördergelder von der Europäischen Investitionsbank (EIB) angewiesen ist. Sie unterstützt als Bank der EU die Forschung zu innovativen Produkten und den Aufbau einer Massenfertigung, damit Nilar für private Investoren attraktiver wird.

„Die Europäische Investitionsbank ist enorm wichtig, wenn es darum geht, Innovationen bei kleinen Unternehmen mit brandneuen Technologien schnell voranzubringen“, weiß Nilar-Chef Michael Obermayer.

Technologieunternehmen mit innovativen Projekten, die an der kapitalintensiven Scale-up-Hürde scheitern, können nicht wachsen und ihre Ideen auf den Markt bringen. „Die EIB-Kredite helfen Nilar bei der Markteinführung seiner Technologie entscheidend weiter“, so Obermayer.

Nilars Batterien werden zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Quellen verwendet, aber auch für eine gleichmäßige Stromversorgung in gewerblichen Gebäuden und zum Schnellaufladen von Elektrofahrzeugen. So kann lokal erzeugte Energie vor Ort gespeichert und verbraucht werden. Bleibt Strom übrig, können die Erzeuger ihn an das Netz verkaufen. Das gilt im Kleinen für den Solarstrom sogenannter „Prosumenten“, die sowohl Energie erzeugen als auch verbrauchen, wie auch im Großen für Strom aus Wasserkraftwerken, Solar- oder Windkraftanlagen. Damit ist sauberer Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar, wenn er gebraucht wird – und nicht nur dann, wenn das Wetter stimmt.

Batterien der nächsten Generation spielen eine zentrale Rolle für das Ziel der Europäischen Kommission, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Sie machen Europa zudem in der Energieversorgung unabhängiger und erhöhen damit unsere Energiesicherheit.

Grüner Strom für saubere Autos

Die Batterien von Northvolt liefern ebenfalls grünen Strom. Aber im Gegensatz zu den Produkten von Nilar sind die Lithium-Ionen-Batterien von Northvolt hauptsächlich für Elektrofahrzeuge gedacht.

Für E-Autos reichen einzelne Batterien wie für Telefone nicht aus. Hier werden Akkublocks verbaut, die aus Tausenden einzelner Lithium-Ionen-Zellen bestehen. Laden wir das Auto auf, wird elektrischer Strom chemisch in den Batteriezellen gespeichert. Sobald es fährt, versorgt die Batterie den Motor mit Strom, ohne dass CO2 freigesetzt wird. So können wir von umweltschädlichen Autos auf saubere E-Fahrzeuge umsteigen und die ökologische Wende schaffen.

Nilar und Northvolt haben Kredite von der EIB erhalten. Diese stammen zum Teil aus dem InnovFin-Programm, mit dem die Europäische Kommission innovative Demonstrationsprojekte zur Energiewende fördert, unter anderem auf dem Gebiet der Energiespeicherung.

Mit dem EIB-Kredit über 46 Millionen Euro will Nilar jetzt seine Produktion von einer auf acht Fertigungsstraßen ausbauen. Freuen können sich darüber Hausbesitzer, Gewerbe- und Industriebetriebe mit Solaranlagen, aber auch Betreiber kleiner regenerativer Kraftwerke. Sie können mit den Batterien grüne Energie speichern und überschüssigen Strom verkaufen.

Die Nachfrage nach stationären Energiespeichern steigt, weil die Strompreise Prosumenten und Produzenten bislang keine Anreize bieten, Strom ins Netz einzuspeisen. Daher ist es wirtschaftlich sinnvoll, Energie zu speichern.  Mit Batterien zur stationären Energiespeicherung können die Erzeuger ihren Strom selbst nutzen – oder bei Nachfragespitzen verkaufen, wenn die Preise für grüne Energie höher sind.

„In der Batterieproduktion spielen Größe und Menge eine wichtige Rolle“, so François Gaudet, der im Team der EIB an der Finanzierung beteiligt war. „Bei Nilar ging es darum, die Produktion so auszubauen, dass sie wettbewerbsfähig und wirtschaftlich tragfähig wird. Mit unserer Beteiligung ist das jetzt in einem Rutsch möglich. Wenn Sie mehr Batterien verkaufen wollen, müssen Sie zeigen, dass Sie zuverlässig liefern können. Nilar muss expandieren, um in die Gewinnzone zu kommen. Sonst bleibt die Technologie am Ende vielleicht im Regal oder wird aufgekauft, womöglich von Wettbewerbern außerhalb der EU.“

Scale-up schwedischer Batteriehersteller

Auch bei Northvolt ging es um den Ausbau der Produktion.

Mit einem InnovFin-geförderten Kredit der EIB baute das Unternehmen in Västerås, unweit von Stockholm, eine Demonstrationsanlage für die Fertigung von Batterien für E-Autos. Ende 2019 lief die Produktion an.

Mittlerweile ist Northvolt noch einen Schritt weiter: In Skellefteå im Nordosten Schwedens entsteht eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien, die bis 2023 eine Fertigungskapazität von 32 Gigawattstunden erreichen und 1 400 Jobs schaffen soll. In den Jahren danach will Northvolt die Produktion sogar auf 40 Gigawattstunden hochfahren.

An der Fabrik in Skellefteå beteiligt sich die EIB mit einem weiteren Kredit über 350 Millionen US-Dollar. Diese Finanzierung ist über die Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen abgesichert, der Teil der Investitionsoffensive für Europa ist. Northvolt-CEO Peter Carlsson ist überzeugt: „Die Speicherung von erneuerbarer Energie ist der Schlüssel zu einer klimaneutralen Gesellschaft, und dafür brauchen wir Batterien.“