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  • EIB und Belgische Nationalbank präsentieren in virtueller Konferenz Ergebnisse von EIB-Investitionsbericht und ‑Investitionsumfrage für Europa und Belgien
  • Investitionen in Belgien litten unter Coronakrise, ungewisser Ausblick ist größtes Investitionshemmnis
  • Belgische Unternehmen stehen bei Innovationen und Digitalisierung gut da, müssen aber mehr für kohlenstoffarme Zukunft tun, um wettbewerbsfähiger zu werden und zu anderen EU-Unternehmen aufzuschließen
  • EIB-Vizepräsident Kris Peeters bestätigt EIB-Unterstützung für wirtschaftliche Krisenfestigkeit, grüne und digitale Erholung

Das Belgian Financial Forum der Belgischen Nationalbank (BNB) und die Europäische Investitionsbank (EIB) haben am Freitag, 30. April 2021, gemeinsam ein Webinar zum Thema „Investitionen in eine nachhaltige Erholung Belgiens“ veranstaltet. 700 Vertreterinnen und Vertreter aller Sektoren und der Finanzwelt diskutierten über die kurz- und langfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen belgische Unternehmen stehen.

Ausgangspunkt war die Investitionsumfrage der EIB (EIBIS) für Belgien. Darin werden die Stärken, Schwächen und Herausforderungen belgischer Firmen auf dem Weg aus der Pandemie herausgearbeitet. Bei einer Podiumsdiskussion tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmens- und Finanzkreisen sowie Fachleute über Investitionsdynamik und Investitionsbedarf in Belgien aus.

Die Pandemie hat die Investitionstätigkeit in dem Land stark beeinträchtigt. Viele Firmen müssen erhebliche Einnahmenverluste bewältigen, die sich negativ auf ihre Investitionsstrategien ausgewirkt haben. Entscheidend für eine rasche und solide Erholung ist, den Bedarf der Unternehmen zu bestimmen und Prioritäten zu setzen.

Bei der Eröffnung der Veranstaltung gemeinsam mit BNB-Gouverneur Pierre Wunsch erklärte EIB-Vizepräsident Kris Peeters: „Die aktuellen Nachrichten zur Gesundheitslage stimmen zwar zuversichtlich, und wir wissen, dass eine rasche wirtschaftliche Erholung angesichts der Natur der Krise möglich ist – dennoch herrscht weiter große Ungewissheit. In der EIB-Investitionsumfrage wurde Unsicherheit über die Zukunft in Belgien häufiger als größtes Investitionshindernis genannt als in der EU. Zeichen der Erholung sind also zu sehen, sie bleiben aber noch unter dem Vorkrisenniveau. Ich möchte betonen, dass die EIB als Partner des Vertrauens bereitsteht, um belgischen Unternehmen und Behörden in diesen schwierigen Zeiten bei der Umsetzung ihrer Programme und Investitionsprojekte zu helfen.“

Ergebnisse weisen vor allem auf steigenden Investitionsbedarf in der Zukunft hin – dringender Bedarf an digitalen Technologien

Für Unternehmensinvestitionen ist der Ausblick sehr unsicher. 2020 war die belgische Wirtschaft stark vom Ausbruch der Coronapandemie betroffen. Die Binnennachfrage litt unter den Einschränkungen und einem dramatischen Vertrauenseinbruch – nur die Hälfte der belgischen Firmen war nach eigener Aussage voll ausgelastet, und 20 Prozent gingen langfristig von dauerhaft verlorenen Arbeitsplätzen aus.

Wie im restlichen Europa gingen auch hier die Investitionen zurück, und fast jedes zweite befragte Unternehmen (46 Prozent) erwartet pandemiebedingt weiter rückläufige Investitionen. Knapp vier von zehn Firmen (39 Prozent) wollen ihre Investitionspläne für das laufende Geschäftsjahr als Folge von Covid-19 aufgeben oder verschieben. Das sind etwas mehr als der EU-Durchschnitt (35 Prozent). Dies deutet auf einen steigenden Investitionsbedarf in der Zukunft hin. Rund 66 Prozent der Betriebe halten Investitionen in digitale Technologien für notwendig, um die negativen Folgen von Corona abzufedern.

Innovationen gewinnen in Belgien an Fahrt

Fast jedes zweite Unternehmen in Belgien (45 Prozent) hat investiert und dabei neue Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen entwickelt oder eingeführt, und jedes fünfte (20 Prozent) hat landes- oder weltweite Neuerungen umgesetzt. Knapp über zwei Drittel der Firmen (68 Prozent) haben die digitalen Technologien, zu denen sie befragt wurden, ganz oder teilweise implementiert.

Bei Investitionen in Energieeffizienz auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel

80 Prozent der Unternehmen in Belgien haben bereits in Maßnahmen gegen den Klimawandel investiert oder planen dies für die nächsten drei Jahre. Das sind mehr als im EU-Durchschnitt. Dagegen hat ein geringerer Anteil von ihnen (40 Prozent gegenüber einem EU-Durchschnitt von 47 Prozent) in eine bessere Energieeffizienz investiert. Diese Differenz zeigt sich auch beim Anteil des Investitionsbudgets, das belgische Firmen dafür bereitstellen (magere 7 Prozent im Vergleich zu 12 Prozent EU-weit). Belgische Unternehmen machen sich offenbar größere Sorgen darüber, wie sich der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Zukunft auf ihre Lieferketten auswirkt. Dafür sind sie optimistischer, was die Auswirkungen auf die Nachfrage nach ihren Produkten und ihren Ruf betrifft.

Die größten Investitionshindernisse

Wie in den meisten EU-Ländern gelten Fachkräftemangel, Unsicherheit über die Zukunft und Unternehmensregulierung als die größten Investitionshemmnisse. Belgische Firmen fordern daher mehr öffentliche Investitionen in die Berufs- und Hochschulbildung. Gleichzeitig stufen sie Investitionen in Verkehrsnetze als wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit und funktionierende Märke ein. Im Vergleich zur EIBIS 2019 halten mehr Unternehmen (50 Prozent gegenüber 36 Prozent) die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für ein langfristiges Investitionshindernis.

Was Investitionen in Belgien anbelangt, scheinen die Finanzierungsbedingungen – von kleinen Firmen abgesehen – keine große Sorge zu sein. Nach einhelliger Meinung der Befragten sollte Belgien aber die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen nutzen und die öffentlichen Ausgaben auf Infrastruktur, Qualifikation und Bildung konzentrieren, um die Produktivität zu steigern und Inklusivität zu fördern.

Die Länderauswertung basiert auf Gesprächen mit 480 belgischen Unternehmen im Zeitraum April bis Juli 2020. Sie ist Teil der jährlichen Umfrage der EIB-Gruppe zur Investitionstätigkeit und Investitionsfinanzierung (EIBIS), in deren Rahmen rund 13 500 Unternehmen in der gesamten EU befragt werden. Daraus gewinnen wir Informationen über die Investitionstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und größeren Unternehmen, über ihren Finanzierungsbedarf und über ihre Schwierigkeiten.

Die Investitionsumfrage sowie der jährliche Investitionsbericht der EIB geben Einblick in die konjunkturelle und strukturelle Dynamik hinter den Investitionen und ihren Finanzierungsmöglichkeiten in Europa. Dadurch kann die Situation in den einzelnen EU-Volkswirtschaften – in diesem Fall in Belgien – genauer beurteilt werden.

Die Berichte zu den Investitionsumfragen finden Sie hier:

Hintergrundinformationen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten der EU. Die EIB vergibt langfristige Mittel für solide Projekte, die den Zielen der EU entsprechen.

2020 stellte die EIB-Gruppe in Belgien 1,5 Milliarden Euro bereit. Davon entfielen 1,3 Milliarden Euro auf die EIB, deren Engagement sich damit auf insgesamt 32,4 Milliarden Euro beläuft. Dies entspricht 6,8 Prozent des belgischen BIP. Finanziert werden etwa Projekte für eine sichere Trinkwasserversorgung und erneuerbare Energien für private Haushalte, Infrastruktur-Großprojekte wie die Erweiterung des Antwerpener Hafens (einer der größten der Welt), alle Windparks vor der Küste des Landes, Investitionen in das Gesundheits- und Bildungswesen sowie Investitionen von KMU und Midcap-Unternehmen.