Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume, schafft Jobs und bindet CO2

Christian Kroll spürte, dass er etwas für die Umwelt tun musste – und hatte eine Idee. Er gründete Ecosia, eine Suchmaschine, die Bäume pflanzt und etwas gegen den Klimawandel tut.

Das war vor über zehn Jahren. Heute, rund 120 000 000 neue Bäume später, klingt er immer noch etwas erstaunt über den Erfolg.

„Es hat eine Weile gedauert, so weit zu kommen“, sagt er über sein Sozialunternehmen aus Berlin. „Wir pflanzen jeden Monat Millionen Bäume. Wir sind jetzt etwa 80 Leute und machen genug Umsatz, um nicht nur zu überleben, sondern zu wachsen. Wir können sogar träumen.“

Ecosia ist die größte europäische Suchmaschine. Mehr als 15 Millionen Menschen weltweit nutzen sie. Und wie Google, die mit Abstand größte Suchmaschine der Welt, verdient sie ihr Geld mit dem Verkauf von Werbung, die passend zu den Suchanfragen platziert wird. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten auch schon.

Ecosia bezahlt zwar seine Beschäftigten, auch Kroll, aber mindestens 80 Prozent der Gewinne fließen in die Unternehmensmission: Bäume pflanzen. Der Rest geht an Umweltinitiativen, darunter die sieben Solaranlagen von Ecosia. Sie erzeugen mehr als 200 Prozent der Energie, die für die Verarbeitung der Suchanfragen verbraucht wird. Die überschüssige Energie verkauft Ecosia an Versorger, und mit dem Geld pflanzt es weitere Bäume.

Vor zwei Jahren übertrugen Kroll und Ecosia-Miteigentümer Tim Schumacher ihre Unternehmensanteile an die Purpose Stiftung und machten aus Ecosia ein Unternehmen im Verantwortungseigentum. Das bedeutet, dass Ecosia nicht verkauft werden kann und niemand – auch Kroll als Gründer nicht – daraus Gewinne oder Dividenden ziehen kann.

Sein klares Bekenntnis zu Umwelt, Transparenz und Ethik brachte Ecosia 2014 als erstes deutsches Unternehmen die Zertifizierung als B Corporation ein, d. h. es erfüllt die höchsten Standards für Sozial - und Umweltverträglichkeit, Unternehmensverantwortung und Transparenz. Außerdem gehörte Ecosia 2015 zu den Finalisten des Wettbewerbs für Soziale Innovation. Mit dieser Initiative fördert das EIB-Institut Unternehmen, die an Lösungen für gesellschaftliche Probleme arbeiten.

Massive Umweltzerstörung

Die Geschichte von Ecosia reicht einige Jahre zurück. Nach Abschluss seines Studiums in Deutschland reist Christian Kroll 2007 und 2008 über ein Jahr lang durch Nepal und Südamerika.  Dort erlebt er unmittelbar, welche Armut in großen Teilen der Welt herrscht, und sieht sich mit der hässlichen Realität konfrontiert.

„Ich habe gesehen, wie wir unseren Planeten zerstören und riesige Flächen Regenwald für die Viehzucht oder den Sojaanbau abholzen“, erinnert er sich. Auf seinen Reisen erfährt er auch mehr über den Klimawandel und sieht mit eigenen Augen, was dieser anrichtet.

„Da wurde mir klar: Das ist die größte Gefahr für uns Menschen, und wenn niemand etwas dagegen tut, sollte ich wohl selbst etwas unternehmen. Ich habe dann gesehen, dass Bäume pflanzen gut für die Natur und für die Menschen ist. Und dass man damit wirklich etwas gegen den Klimawandel tut.“

Schon im Studium betreibt Kroll eine Vergleichs-Website für Bankdienstleistungen. Für jeden Kunden, der eines der Produkte abschließt, bekommt er eine Provision. Mit dieser Seite finanziert er seine Reisen, und sie bringt ihn auch auf die Idee, eine Suchmaschine zu gründen.

„Ich merkte damals, dass meine Einnahmen größtenteils für die Werbung bei Google draufgingen. Google hat ein cleveres Geschäftsmodell und kann entscheiden, wer gefunden wird und wer nicht. Das gibt dem Unternehmen viel Macht, die hoffentlich nicht missbraucht wird. Aber wenn man damit richtig umgeht, kann man die Leute im Idealfall zu einem klimafreundlicheren Verhalten bewegen.“

Krolls erster Anlauf – damals noch in Nepal – schlug fehl. Aber er entwickelte seine Idee weiter – bis 2009 Ecosia entstand.

>@Ecosia
Christian Kroll ©Ecosia

Die etwas andere Suchmaschine

Die ersten Jahre waren schwierig, und weil Kroll keine Investoren wollte, wuchs das Unternehmen nur langsam.

Mit einigen frühen Entscheidungen distanzierte er sich weiter von Google: Ecosia anonymisiert alle Suchanfragen binnen einer Woche und verkauft keine Daten an Werbeträger. Seine Finanzen veröffentlicht das Unternehmen auf der eigenen Website, und seine Steuern und Abgaben zahlt es ganz normal, so Kroll.

In den letzten Jahren hat das Interesse an dem Unternehmen stark zugenommen – so wie auch die Zahl der Baumpflanzprojekte. Ecosia arbeitet dabei mit Organisationen vor Ort zusammen, die die Bäume pflanzen. So entstehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Eigenverantwortung.

Kroll: „Man muss zuallererst wissen, warum die Menschen Bäume fällen. Und genau da muss man ansetzen und den Menschen Alternativen bieten. Sonst erreicht man gar nichts. Mittlerweile sind wir die größte Baumpflanzorganisation der Welt.“

Start-up-Spirit

Doch Ecosia will noch mehr Bäume pflanzen. Dazu tut sich die Suchmaschine mit anderen Unternehmern zusammen, etwa den Gründern des Debitkartenanbieters Tree Card. Ein Teil der Kartengebühren fließt in die Baumpflanzprojekte von Ecosia. „Wir hatten plötzlich 150 000 Menschen, die sich in den ersten ein, zwei Wochen bei Tree Cards angemeldet haben“, sagt Kroll. Mittlerweile gibt es eine Warteliste für die Karte.

Kroll hat nichts gegen das Geldverdienen – Ecosia zahle seinen Beschäftigten gute Gehälter. Er findet, dass Leute, die sich für die Umwelt oder die Gesellschaft einsetzen, nicht zu kurz kommen sollten.

„Ich treffe heute so viele junge Leute, die ganz andere Prioritäten haben als wir noch vor 10 oder 15 Jahren“, so Kroll. „Und Ecosia sucht immer nach neuen Möglichkeiten, zu umweltfreundlichem Verhalten zu motivieren. Denn für uns ist es wirklich wichtig, dass wir ein Ökosystem schaffen, in dem wir alle zusammen das Problem des Klimawandels lösen können.“