In der Coronakrise greift „Adopta un Abuelo“ zum Telefon, um älteren Menschen zu helfen

Von Chris Welsch

Alberto Cabanes hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ältere Menschen aus der Isolation zu holen. Vor etwa fünf Jahren gründete er das Freiwilligennetz Adopta un Abuelo, um Besuche in spanischen Seniorenheimen zu organisieren.

Auf diese Idee hatten ihn die Besuche bei seinem Großvater und einem älteren Herrn namens Bernardo gebracht, die in einem Seniorenheim in Ciudad Real lebten. Sein Großvater und Bernardo freuten sich über die Gesellschaft, während Alberto etwas von ihrer Lebenserfahrung mit nach Hause nahm.

Anfang 2020 wuchs das Netzwerk langsam, aber stetig. Gegen eine geringe monatliche Gebühr erhielten die Freiwilligen anfängliche Hilfestellung und wurden mit einem älteren Menschen zusammengebracht.

Dann kam Covid-19. Der Ausbruch traf Seniorenheime besonders schlimm, weil die Infektion für ältere Menschen sehr gefährlich ist. Als der Lockdown in Spanien begann, machte sich Alberto deshalb Sorgen.

„Das war geradezu ein Rezept fürs Unglück“, erinnert er sich.

Viele Menschen in spanischen Seniorenheimen, die zum „Großeltern-Adoptionsnetz“ gehörten, fielen dem Virus zum Opfer. Da Besuche in den Heimen zu gefährlich waren, befürchtete Alberto, nun einige seiner 15 Beschäftigten entlassen zu müssen.

Eine Welle von Freiwilligen

Dann geschah etwas Überraschendes: Eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein.

Ständig boten neue Freiwillige ihre Hilfe an, deutlich mehr als zuvor. Alberto reagierte schnell: Da persönliche Besuche nicht mehr möglich waren, sollten es eben Telefonate sein. Von einer Jahresgebühr stellte er auf monatlich neun Euro um, die die Freiwilligen zahlen. In nur wenigen Wochen wuchs das Netz um 1 000 Freiwillige auf nun über 1 200 Mitglieder.

„Wir haben im April mehr Geld eingenommen als im gesamten Jahr zuvor“, resümiert er. „Jetzt stellen wir sogar neue Leute ein.“

Anstelle eines Besuchs bekommen die Menschen in den Seniorenheimen nun einen Anruf von den Freiwilligen, mindestens einmal in der Woche. Ursprünglich sollte das Gespräch eine bis eineinhalb Stunden dauern. Aber die meisten Freiwilligen rufen zwei Mal wöchentlich für durchschnittlich 25 Minuten an. Die Rückmeldungen der Menschen in den Heimen und der Freiwilligen waren so gut, dass Alberto nun eine Plattform für Videokonferenzen plant.

>@EIB
Alberto Cabanes‘ Idee: Weil Besuche bei den älteren Menschen in der Coronakrise nicht mehr möglich sind, halten seine Freiwilligen telefonisch Kontakt. ©EIB

Viel Anerkennung

Schon vor der Krise hatte Alberto viele Lorbeeren für seine Idee eingeheimst. „Adopta un Abuelo“ gehört zu den Gewinnern des Wettbewerbs für Soziale Innovation, mit dem das EIB-Institut alljährlich Unternehmerinnen und Unternehmer für ihr soziales, ethisches oder ökologisches Engagement auszeichnet. Neben weiteren Preisen erhielt das Programm eine Google-Fellowship mit Büroräumen und weiteren Hilfen.

Alberto würde mit „Adopta un Abuelo“ gern in weitere Länder gehen. Der Bedarf ist da – etwa 60 Prozent der Menschen in Seniorenheimen bekommen keinen Besuch, sagt er. Und auch die Hilfsbereitschaft ist da. In der Krise erhielt er Bewerbungen aus 18 Ländern, auch so weit entfernten wie Singapur.

„Als Sozialunternehmen wollen wir nicht nur in Spanien etwas tun“, meint er. „Wir wollen auf der ganzen Welt etwas bewegen.“