Wholi konzentriert sich im coronabedingten Lockdown verstärkt auf den Online-Handel mit nachhaltigen Insektenlebensmitteln

Von Chris Welsch

Als die Coronavirus-Krise Dänemark traf, standen Jessica Buhl-Nielsen und Malena Sigurgeirsdottir mit neuen Insektenlebensmitteln kurz vor dem Durchbruch.

Ihr Unternehmen Wholi stellt mit Pulver aus gekochten Insekten, wie Grillen und Buffalowürmern, Kekse, Proteinriegel und Schokolade her. Eine Alternative zu rotem Fleisch ist gerade in Arbeit. So sollen nachhaltige Lebensmittel entstehen, die der Umwelt nicht schaden. Und der Geschmack kommt dabei auch nicht zu kurz.

„Wir wollten gerade in den Export einsteigen und hatten aus Japan auch schon eine Großbestellung“, sagt Jessica, die das Unternehmen mit Malena gründete. „Aufgrund der neuen Situation mussten wir manche Dinge aber erstmal auf Eis legen und uns auf andere Bereiche konzentrieren.“

>@Wholi
Fleischersatz von Wholi. ©Wholi

Bisher wurden die Wholi-Produkte hauptsächlich im Einzelhandel, vor allem über die dänische Supermarktkette Irma, und über Fachgeschäfte vertrieben. Nun konzentriert sich das Unternehmen auf eigene Kanäle.

Nachhaltige Lebensmittel aus dem Online-Shop

„Jetzt heißt es, etwas Positives aus der Situation zu ziehen. Wir haben nun Zeit für andere Dinge wie Marketing, die Berechnung unseres CO2-Fußabdrucks und den Online-Verkauf“, sagt Jessica. „Unser Online-Shop lief bisher einfach nur so nebenher mit. Jetzt sehen wir, dass wir mit relativ wenig Aufwand viel mehr verkaufen können.“

Wholi zählte zu den Finalisten im Wettbewerb für Soziale Innovation. Damit zeichnet das EIB-Institut jedes Jahr europäische Unternehmen aus, die soziale, ethische oder ökologische Ziele verfolgen.

Die beiden Wholi-Gründerinnen kennen sich seit 2016. Zuvor hatte Malena ein Jahr in Tansania gelebt, wo sie von ihrer ansonsten streng vegetarischen Ernährung abwich und Insekten probierte. Die standen in ihrer neuen Umgebung nämlich regelmäßig auf dem Speiseplan. Sie fand sie richtig lecker. Wieder zurück in Kopenhagen stellte sie fest, dass ihre chronische Anämie verschwunden war – dank der eisen- und proteinhaltigen Insekten. Aufgrund ihres Interesses an nachhaltiger Landwirtschaft recherchierte sie zum Thema Insekten als Fleischersatz. Oft wird der Fleischkonsum als Hauptursache für das klimaschädliche CO2 in der Atmosphäre angesehen.

Jessica, eine Absolventin der Copenhagen Business School, wollte sich mit ganzer Energie auf ein „bahnbrechendes Projekt“ stürzen. Die Vorteile essbarer Insekten faszinierten sie. Malena wollte sie bei einem Abendessen – inklusive Insekten – vollends davon überzeugen. Das Wachsmotten-Risotto schmeckte gut, aber die Larven sahen alles andere als ansprechend aus. „Um die Leute dazu zu bringen, das zu essen, mussten wir etwas am Aussehen ändern“, so Jessica. „Wenn ich das schon unappetitlich fand, was würden dann unsere Kundinnen und Kunden dazu sagen?“

>@Wholi
Wholi-Proteinriegel ©Wholi

Die beiden rösteten die Insekten und zermahlten sie. Daraus entstand ein Proteinpulver, das ansprechend aussah und den nussigen, leckeren Geschmack der Insekten bewahrte.

Anstatt das Projekt in einem Entwicklungsland durchzuführen, entschieden sie sich, ihr Unternehmen in Europa aufzubauen. „Wir wollten das eigentliche Problem angehen – den ökologischen Schaden, den der Fleischkonsum hier in den westlichen Ländern anrichtet.“