EU-Zuschüsse, EIB-Mittel und eine gehörige Portion Hartnäckigkeit halten den Autobahnbau in Bosnien und Herzegowina auch in Coronazeiten am Laufen

Die Menschen im Westbalkan lassen sich gewöhnlich nicht von ihrem Weg abbringen – auch nicht in schwierigen Zeiten. Dennoch ist es beeindruckend, dass der Bau einer neuen Verkehrsader in Bosnien und Herzegowina trotz der coronabedingten wirtschaftlichen und sozialen Probleme weitergeht. Aus unwegsamem Gelände wird eine moderne Autobahn, die das Reisen schneller und sicherer macht.

Dass an dieser wichtigen Regionalachse – dem Korridor Vc – weitergebaut wird, ist den Vorsichtsmaßnahmen der Behörden und Bauunternehmen zu verdanken. Sie setzen auf strenge Sicherheitsprotokolle, Schutzausrüstung, tägliche Gesundheitskontrollen und eine regelmäßige Desinfektion der Baustellen. Es gilt, einen Baustopp zu vermeiden, Arbeitsplätze zu erhalten und Einkommen zu sichern.

Semir Muslic, Baustellenleiter bei dem Bauunternehmen Ivan Tunnel: „Wir versuchen, so gut es geht umzuorganisieren und möglichst normal weiterzuarbeiten.

Die Baustellen sind abgeschirmt. Wir arbeiten mehrere Tage am Stück und gehen kaum nach Hause. So senken wir das Infektionsrisiko. Wir sind hier wie eine Familie. Alles, was wir wollen, ist gesund bleiben und unsere Jobs behalten.“

Trotz Corona im Zeitplan

Angemessene medizinische Sicherheitsmaßnahmen und entsprechende Einschränkungen umzusetzen, ist schon schwierig genug. Aber gleichzeitig Baumaterial und Ersatzteile pünktlich zu besorgen, ist eine echte Herkulesaufgabe. Denn Covid-19 hat die Liefer- und Produktionsketten weltweit gestört. Für den Westbalkan war die Unterstützung durch die EU über verschiedene Initiativen daher elementar wichtig, weil sie den Warenverkehr in der Region und in die EU erleichtert hat, und zwar für alle Projekte, auch für den Bau des Korridors Vc.

Djordje Popović, Minister für Verkehr und Kommunikation der Republika Srpska, eines der beiden Gliedstaaten von Bosnien und Herzegowina, setzt auch in Zukunft darauf: „Trotz der Coronakrise und ihrer erheblichen Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unseren Haushalt hält die Regierung an ihren strategischen Projekten und den geplanten Abläufen und Zeitplänen fest. Wir hoffen, dass wir bei allen Projekten auch weiterhin auf die Unterstützung der Europäischen Union zählen können, und dass die geplanten Zuschüsse für Verkehrsprojekte nicht gekürzt werden.“

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Schnellerer Arbeitsweg für 1,5 Millionen Pendlerinnen und Pendler

Der Korridor Vc ist ein ehrgeiziges Investitionsprogramm von erheblicher Reichweite. Er ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte in der Region und verbindet Bosnien und Herzegowina mit Ungarn, dem Osten Kroatiens und der Adria. 631 Millionen Euro hat die Europäische Investitionsbank für den Bau von 102 Autobahnkilometern in diesem Korridor bereitgestellt.

Hinzu kamen Kredite der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie Zuschüsse der Europäischen Union von mehr als 200 Millionen Euro im Rahmen der Konnektivitätsagenda. Bereitgestellt wurden diese Mittel über den Investitionsrahmen für den westlichen Balkan, ein Kombinationsinstrument zur Förderung der EU-Erweiterung und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Region.

Im August wurde ein weiterer EU-Zuschuss über 11,8 Millionen Euro mobilisiert. Mit dem Geld soll der Bau des 6,9 Kilometer langen Autobahnabschnitts Tarčin–Ivan des Korridors finanziert werden.

Matteo Rivellini, bei der EIB für die Finanzierungen in Kroatien, Slowenien und dem Westbalkan verantwortlich: „Die Europäische Investitionsbank engagiert sich auch weiterhin für die langfristige, nachhaltige Entwicklung von Bosnien und Herzegowina, und wir sind stolz auf unsere Rolle als einer der größten Investoren in die Straßeninfrastruktur des Landes.“

Rivellini weiter: „Autobahnen sind ein wichtiger Motor für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Daher wird dieses Teilstück die Integration von Bosnien und Herzegowina in die Europäische Union beschleunigen. Gleichzeitig eröffnet es neue Geschäftsmöglichkeiten in der gesamten Region und schafft damit Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten.

In Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit aufgrund der Coronapandemie sind Finanzierungen für derartige strategische Investitionen ein klares Signal, dass die EIB ein verlässlicher Partner für den Westbalkan bleibt.“

Die Verbindung von Städten, Regionen und Ländern schafft völlig neue Möglichkeiten für sozioökonomisches Wachstum, Beschäftigung und den regionalen Handel. Moderne Straßen bedeuten mehr Sicherheit, weniger Unfälle und niedrigere Fahrzeugbetriebskosten. Für die 1,5 Millionen Menschen, die entlang des Korridors Vc leben, reduziert sich die Fahrzeit durch die neue Autobahn um fast die Hälfte.

Sichere, schnelle, effiziente und intelligente Verkehrsnetze sind eine Voraussetzung für engere und bessere Marktbeziehungen in der Region – und für bessere Lebensbedingungen der Menschen im Westbalkan.

Das wird auch das Coronavirus nicht verhindern.