Lange Fahrzeugschlangen und genervte Fahrer sind am Grenzübergang Gradiška zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien an der Tagesordnung. Besonders schwierig ist die Lage für Lkw-Fahrer, die oft bis zu acht Stunden an der Grenze warten. Das führt zu Verzögerungen bei der Lieferung von Waren und Rohstoffen und belastet das Wirtschaftswachstum.

Ein neuer Grenzübergang und eine Brücke in Gradiška sollen das ändern. Die Europäische Union unterstützt das Projekt mit Finanzhilfen von 3,15 Millionen Euro, und von der Europäischen Investitionsbank kommt ein Darlehen von 65 Millionen Euro, das auch den Bau eines Autobahnabschnitts zwischen Banja Luka und Gradiška abdeckt, der bereits 2011 fertiggestellt wurde. Der neue Grenzübergang bindet die Route 2a über den Korridor Vc an das transeuropäische Kernnetz an und bringt enorme Vorteile für die lokale Wirtschaft. Durch die 430 Meter lange Brücke über den Grenzfluss Save, die im Frühjahr 2022 fertig werden soll, wird die Wartezeit an der Grenze auf der Route 2a stark verkürzt. Die Route 2a führt auf einer Länge von 239 Kilometern von Lašva (Zenica) über Banja Luka in Bosnien und Herzegowina nach Okučani in Kroatien.

„Wir warten fünf, sechs, sieben, manchmal acht Stunden am Grenzübergang“, sagt Lkw-Fahrer Teran Mušinovič, der diese Strecke häufig fährt. „Ich denke, dass die Schlange kürzer wird und die Einreise in die EU schneller geht, wenn der neue Übergang fertig ist.“

Über den neuen Grenzübergang Bosnien–Kroatien schneller in die EU

Wer derzeit über die Grenze will, muss noch zwei Kilometer lang durch das Stadtgebiet von Gradiška fahren, was Staus und Luftverschmutzung verursacht. Das wird in Zukunft besser, denn die neuen Grenzanlagen liegen außerhalb des Stadtgebiets, etwa drei Kilometer westlich des bestehenden Übergangs.

Für die Wirtschaft und die Menschen in beiden Ländern bringt das Projekt noch weitere Vorteile.

„Die Schnellstraße nach Europa erleichtert die Fahrt nach Kroatien“, so Marko Lovrić, der als Ingenieur am Bau der Gradiška-Brücke beteiligt ist. „Der Waren- und Personenverkehr wird deutlich zunehmen, vor allem, weil der Grenzübergang bisher im Stadtzentrum lag, was zu langen Staus und Wartezeiten bei der Einreise sowohl nach Bosnien und Herzegowina als auch nach Kroatien führte.“

„Der Bau einer neuen Straße zum Grenzübergang mit einer direkten Autobahnanbindung wird den Waren- und Personenverkehr beschleunigen. Das verbessert die Verkehrsanbindung und auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern.“

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Eine neue Straße entlang der Route 2a schafft eine Verbindung zum Korridor Vc, der zentralen Transitstrecke durch Bosnien und Herzegowina. Mehr als 95 Prozent des Waren- und Personenverkehrs laufen über diesen Korridor, und mehr als 50 Prozent der Bevölkerung leben in dessen direkter Umgebung. Er beginnt in Budapest und verläuft 325 Kilometer durch Bosnien und Herzegowina, über Doboj, Zenica, Sarajewo und Mostar bis zum kroatischen Hafen von Ploče.

Der Korridor wurde als „Leitinitiative 2 – Anbindung von Nord nach Süd“ in den Wirtschafts- und Investitionsplan für den Westbalkan der Europäischen Kommission aufgenommen.

„Mit den 105 Kilometern der neuen Autobahn, die bereits in der Republika Srpska gebaut wurden, und den 200 Kilometern in Bosnien und Herzegowina haben wir bald das modernste Autobahnnetz mit den höchsten Sicherheitsstandards für alle Verkehrsteilnehmer“, freut sich Davor Vučković, Koordinator bei der öffentlichen Autobahngesellschaft JP Autoputevi, die in der Republika Srpska für die Projektdurchführung zuständig ist.

Die Europäische Union unterstützt den Bau des Verkehrskorridors Vc mit laufenden Finanzhilfen aus dem Gemeinsamen europäischen Fonds für den westlichen Balkan, der Teil des Investitionsrahmens für den westlichen Balkan (WBIF) ist. Bei dem Projekt arbeiten die lokalen Behörden, die Europäische Union, die Europäische Investitionsbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zusammen.

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Neue Jobs für 7 000 Menschen

Die Unterstützung der Europäischen Union für dieses nationale Programm schafft auf dem Verkehrskorridor Vc Arbeitsplätze für junge Ingenieurinnen und Ingenieure. Insgesamt 7 000 Stellen entstehen durch das Projekt.

„Das ist mein erster Job nach der Schule und für mich eine große Chance. Hier kann ich Berufserfahrung im Tunnelbau für künftige Jobs sammeln“, sagt Amel Mujagić, ein Ingenieur an der Baustelle des Ivan-Straßentunnels im Teilabschnitt Tarčin–Ivan von Korridor Vc.

Fast eine Milliarde Euro hat die Europäische Investitionsbank bisher für diese ehrgeizige Transitstrecke bereitgestellt. Und von der Europäischen Union kamen mehr als 200 Millionen Euro an Finanzhilfen im Rahmen der Konnektivitätsagenda.

„Wir freuen uns, dass durch solche Projekte neue Arbeitsplätze und neue Möglichkeiten für Unternehmen entstehen“, sagt Lilyana Pavlova, Vizepräsidentin der Europäischen Investitionsbank. „Jeder Kilometer einer neuen, modernen Autobahn verkürzt die Entfernungen zwischen den Orten und den Menschen und schafft neue wirtschaftliche und persönliche Verbindungen zwischen den Ländern des westlichen Balkans und der Europäischen Union.

Schneller und sicherer reisen, einfacher pendeln, besserer Gütertransport – das gehört zu den wichtigen Errungenschaften des modernen Europas“, fügt Pavlova hinzu. „Diese Standards müssen für alle zugänglich sein.“