Mikrokredit-Stiftung und EU-Bank vergeben Kleinkredite an Frauen im ländlichen Afrika

Eric Campos hat gemischte Gefühle, wenn er an Afrika denkt: „Afrikas Zukunft wird entweder ein Erfolg oder ein Fiasko.“

Campos ist geschäftsführender Direktor der Grameen Crédit Agricole Foundation, die auf Mikrofinanzierungen in den ärmsten Regionen der Welt spezialisiert ist. Für die Stiftung sind Kleinkredite die beste Lösung, um die Armut zu bekämpfen, die Wirtschaft anzukurbeln und die Gleichberechtigung der Frauen in Entwicklungsländern zu fördern. Mehr als 80 Prozent ihres Kreditvolumens vergibt die Stiftung im ländlichen Afrika.

Eingerichtet wurde die Grameen-Stiftung 2008 von der französischen Crédit Agricole-Gruppe und dem Grameen Trust, einer gemeinnützigen Organisation des Sozialunternehmers Muhammad Yunus aus Bangladesch. Gemeinsam mit der Grameen Bank erhielt er 2006 den Friedensnobelpreis für das Konzept der Mikrokredite für Arme.

Ein besseres Leben für afrikanische Frauen durch Mikrokredite

Afrikanische Dorfgemeinschaften brauchen mehr Gesundheitsleistungen, eine bessere Wasserversorgung und vor allem auch Abwasserlösungen. Davon ist Campos überzeugt. Seine Organisation zeigt, dass sich eine nachhaltige Entwicklung am besten mit kleinen zinsgünstigen Krediten für Frauen und Bauern fördern lässt. „Durch Kleinkredite können Frauen und Kinder gesünder leben. Ganze Dorfgemeinschaften profitieren von solchen Krediten.“

„Als Banker will ich zeigen, dass sich Armutsbekämpfung durchaus rentiert“, versichert Campos, der seit seinem Berufseinstieg Anfang der 1990er-Jahre in der Entwicklungsfinanzierung in Afrika arbeitet.

Die Europäische Investitionsbank stellt der Grameen Crédit Agricole Foundation zwölf Millionen Euro zur Verfügung, die damit Darlehen an Mikrofinanzinstitute in Westafrika finanziert. Die Stiftung ist in 38 Ländern tätig und hat über 200 Millionen Euro an knapp 90 Mikrofinanzierer weltweit vergeben. Ein Großteil der Kreditnehmer lebt in ländlichen Gebieten.

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Eric Campos setzt auf Kleinkredite für Frauen und Bauern in Entwicklungsländern. ©Grameen

Mikrokredite machen afrikanische Frauen wirtschaftlich unabhängig

„Unsere Kredite helfen Menschen, verbessern ihre Lebensbedingungen und fördern die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“, resümiert Campos. „Das Geld geht an Institute vor Ort, die es an Kreditnehmer in ihrer Region weitergeben. Diese werden dadurch wirtschaftlich unabhängig.“

Campos ist sich sicher: Afrika und auch andere Regionen brauchen viel mehr Mikrokredite. Da müssen sich multilaterale Institutionen noch stärker einbringen. Er gibt sich optimistisch, räumt aber ein: „Unsere Arbeit ist sehr schwierig. Wir brauchen noch mehr Geld, um helfen zu können.“

Die Stiftung und die EIB arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Die Europäische Investitionsbank vergibt langfristige Finanzierungen zu günstigen Zinssätzen und zudem in Landeswährung. Das ist für die Geldgeber vor Ort ein enormer Vorteil.

„Wir haben eine Win-Win-Partnerschaft“, freut sich Campos. „Die Europäische Investitionsbank kennt sich mit nachhaltigen Finanzierungen aus, ist aber zu groß für Kleinkredite. Wir kümmern uns speziell um solche Mikrokredite. Beide Seiten profitieren also.“