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    Von Nina Fenton, Claudio Cali und Ricardo Santos

    Anfang 2021 befragte die EIB zusammen mit der Initiative Making Finance Work for Africa 78 Banken in Subsahara-Afrika. Wir wollten wissen, wie sie sich durch die Covid-19-Pandemie navigieren und wie sie zu Klimarisiken, grünen Finanzierungen und digitalen Finanzdienstleistungen stehen. Die Ergebnisse der Befragung flossen in unseren neuen Bericht „Finance in Africa“ ein. Dort analysieren wir auch, wie weit Afrika bei Mikrofinanzierungen, Private Equity und Risikokapital ist.

    Afrikanische Finanzinstitute konnten sich in der Covid-19-Krise bislang relativ gut behaupten. Doch noch ist die Erholung nicht geschafft. So gab fast die Hälfte der befragten Banken an, vor allem eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios zu fürchten. 21 Prozent sind in erster Linie über das höhere Risiko bei Neukrediten besorgt. Und kleine und Kleinstunternehmen bleiben finanziell unterversorgt und könnten den Zugang zu Kapital ganz verlieren, falls die Kreditvergabe nicht recht vom Fleck kommt.

    Mehr Digitalisierung

    Afrikanische Geldgeber fangen an, die Chancen der Digitalisierung und des grünen Finanzwesens zu nutzen. In vielen Sektoren hat die Pandemie die Digitalisierung beschleunigt. Banken brauchen jetzt Hilfe, um ihr Geschäft weiter zu digitalisieren, mehr grüne Finanzierungen auf den Weg zu bringen und die Risiken zu steuern. Internationale Finanzinstitutionen wie die EIB werden öffentliche und private Einrichtungen auch künftig unterstützen – denn einem grünen, digitalen Finanzsektor für alle gehört die Zukunft.

    Grüne Finanzierungen im Fokus

    Wir fassen hier die wichtigsten Erkenntnisse unserer Analyse zu grünen Finanzierungen zusammen. Weitere Einzelheiten zu den Finanzsektoren in Afrika finden Sie in unserem Bericht Finance in Africa.

    Unsere Umfrage ergibt, dass fast 70 Prozent der Banken in Subsahara-Afrika an der Vergabe grüner Kredite interessiert sind. Knapp 55 Prozent beziehen bei der strategischen Planung den Klimawandel aktiv ein. Und mehr als 40 Prozent beschäftigen Fachleute, die sich speziell mit erneuerbaren Energien befassen. Allerdings bieten nur etwa 10 Prozent tatsächlich grüne Finanzierungen an.

    Auf der Suche nach grünen Partnern

    Die Europäische Investitionsbank will die Entwicklung weltweit entscheidend voranbringen. Dazu arbeiten wir eng mit afrikanischen Finanzinstituten zusammen, die an grünen Finanzierungen interessiert sind. 2020 stellten die EIB und die African Export-Import Bank 300 Millionen US-Dollar für einen Covid-19-Wiederaufbaufonds bereit, der Betriebe in besonders pandemiebetroffenen Branchen unterstützt. 25 Prozent der Mittel sind für grüne Projekte bestimmt. Die EIB beteiligt sich auch an der Klimaschutzfazilität der Entwicklungsbank für das südliche Afrika. Dieses neue Instrument soll Klimaprojekte des Privatsektors im südlichen Afrika beschleunigen.

    Gemeinsam mit der luxemburgischen Regierung haben wir die Klimafinanzierungsplattform Luxemburg–EIB eingerichtet, die über Fonds in Afrika und anderen Regionen in den Klimaschutz investiert. 2021 gab die EIB eine Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Entwicklungsbank bekannt, um noch mehr Projekte auf den Weg zu bringen. Dazu gehören auch Vorhaben für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit.

    Afrikanische Banken sind sich bewusst, dass der Klimawandel in ihren Kreditportfolios Spuren ziehen wird. Denn häufigere Dürren beeinträchtigen die Landwirtschaft, und die steigenden Meeresspiegel verschlingen Land. Gleichzeitig muss die Infrastruktur modernisiert werden, um höheren Temperaturen trotzen zu können. Die Welt nimmt Kurs auf Klimaneutralität. Das zwingt afrikanische Volkswirtschaften, die von der Ölförderung oder anderen CO2-intensiven Branchen abhängen, andere Einnahmequellen und Jobmöglichkeiten zu erschließen.

    Wie unsere Umfrage zeigt, haben die meisten afrikanischen Banken Kredite an gefährdete Sektoren in den Büchern, und sie sind sich des Risikos bewusst: 70 Prozent gaben an, Klimarisiken bei der Kreditprüfung zu berücksichtigen; 40 Prozent bewerten dieses Risiko auf Portfolioniveau. Doch nur 27 Prozent änderten ihre Kreditkonditionen aufgrund des Klimarisikos, und genauso viele helfen ihren Kunden, Klimarisiken anzugehen und Investitionen anzupassen.

    Warum vergeben Afrikas Banken nicht mehr grüne Kredite?
    • Die Kunden beantragen (noch) keine grünen Finanzierungen.
    • In einigen Sektoren fehlt den Banken das Wissen für die Kreditvergabe.
    • Es mangelt an Instrumenten, um das Klimarisiko zu bewerten.
    • Banken wissen nicht, wie ihre Produkte für Klimafinanzierungen anzupassen sind.

    Wie kann die EIB Klimafinanzierungen in Afrika auf die Sprünge helfen? Viele Banken gaben an, Klimaprodukte würden nicht nachgefragt. Einigen fehlt aber auch das interne Wissen oder es mangelt an Daten, Tools und Modellen, um Klimarisiken zu verstehen und zu bewerten. Kundenschulungen könnten die Nachfrage nach Klimakrediten ankurbeln, und Banken ihre Produkte dank technischer Hilfe für grüne Investitionen fit machen. Grundsätze für grüne Finanzierungen und hohe Transparenzstandards könnten Investoren von nachhaltigen Finanzierungen überzeugen. Für afrikanische Finanzinstitute wären mitunter auch die günstigen Finanzierungen von Einrichtungen wie der Europäischen Investitionsbank von Vorteil.

    Grüne Finanzierungen sind nie einfach. Im Kern geht es darum, die lokalen Gegebenheiten zu verstehen, Wissen, bewährte Verfahren und Erfolgsgeschichten auszutauschen und gemeinsam mit den Kunden technische und finanzielle Hürden zu überwinden.

    In unserem Bericht „Finance in Africa“ erfahren Sie, wie Afrikas Finanzsektor diese schwierigen Aufgaben meistern kann.

    Nina Fenton, Claudio Cali und Ricardo Santos arbeiten in der Abteilung Volkswirtschaftliche Analysen der Europäischen Investitionsbank und befassen sich mit der Entwicklung des Finanzsektors.