Mit einem Accelerator-Programm hilft die EIB Start-ups in Tunesien auf die Beine und schafft damit Arbeitsplätze.

Unter einem Accelerator („Beschleuniger“) versteht man in der Start-up-Szene eine Art Trainingslager für Gründerteams.

Mondher Khanfir, in Frankreich studierter Ingenieur und Risikokapitalgeber, betreibt in seinem Heimatland Tunesien einen solchen Accelerator. Unternehmen wie seines versorgen Start-ups mit Geld – in der Regel Vorgründungs- und Gründungskapital. Zudem bieten sie Coaching und manchmal auch Büroräume an, damit junge Unternehmen auf die Beine kommen, innovative Lösungen entwickeln und expandieren können.

Acceleratoren spielen eine wichtige Rolle für Start-ups im Mittelmeerraum und in Nordafrika, wo der Weg für Existenzgründer steinig und schwer ist. „Tunesien ist für Unternehmen eine unglaubliche Informationswüste, so wie auch die anderen Länder der Region und ganz Afrika“, sagt Khanfir. „Wer hier ein Unternehmen gründet, muss schlau, flexibel, beharrlich und leidensfähig sein.“

In den Mittelmeerländern dauert es etwa zwei Jahre, bis ein digitales Start-up die Gründungsphase überstanden hat und für Investoren interessant wird. „Das ist sehr lange. Viele erfolgversprechende Start-ups scheitern in dieser Zeit“, erklärt Khanfir.

Er hat es selbst erlebt. Ende der 1990er-Jahre wollte er sein erstes Unternehmen gründen und war „schockiert, mit wie viel Bürokratie und administrativem Aufwand das Ganze verbunden ist. Ein echter Alptraum. Nach sechs Monaten bin ich ausgewandert.“

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Mondher Khanfir gründete mit WikiStartup den ersten privaten Accelerator in Tunesien. ©EIB

Später kehrte Khanfir nach Tunesien zurück und startete einen neuen Versuch. Er gründete unter anderem den Accelerator WikiStartup für junge, talentierte Gründerinnen und Gründer. Sie sollen dort lernen, wie sie auch in ihrem Heimatland Erfolg haben können.

Acceleratoren wie WikiStartup spielen für die Wirtschaft eine wichtige Rolle – vor allem in den Mittelmeerländern, die unter politischer Instabilität und einer schleppenden Konjunktur leiden. Sie unterstützen dort das unternehmerische Ökosystem und sorgen in einer Region mit hoher Jugendarbeitslosigkeit für neue Jobs.

Gezielte Hilfe für die Privatwirtschaft

WikiStartup erhielt Unterstützung aus dem Accelerator-Programm der Europäischen Investitionsbank. Das mit zwei Millionen Euro ausgestattete Programm ist speziell auf die Mittelmeerregion zugeschnitten. Das Geld stammt aus dem sogenannten FEMIP-Treuhandfonds, der mit Beiträgen mehrerer EU-Länder finanziert wird. (FEMIP ist die Investitionsfazilität und Partnerschaft Europa-Mittelmeer der EIB.) Der FEMIP-Treuhandfonds ergänzt die sonstige Tätigkeit der Bank im Mittelmeerraum. Er finanziert projektvorbereitende technische Hilfe, regionale Studien und gezielte Risikokapitaloperationen für innovative Unternehmen des Privatsektors.

Mit Geld aus dem FEMIP-Treuhandfonds wurden Workshops in acht Ländern finanziert, darunter die USA, Frankreich, Deutschland, die Türkei und Dänemark. Sie sollten Acceleratoren wie WikiStartup mit ähnlichen Einrichtungen in diesen Ländern zusammenzubringen, damit sie daheim Start-ups noch besser unterstützen können.

„Es war toll zu sehen, dass alle Start-up-Unternehmen die gleiche Einstellung haben. Sie sind risikobereit, auf der Suche nach Wissenskapital, schauen über den Tellerrand hinaus und sind sehr offen und kreativ“, freut sich Khanfir.

Lotsen im Behördendschungel

Durch das geberfinanzierte Accelerator-Angebot der EIB konnten mehrere Start-ups ein spezielles Wachstumsprogramm absolvieren.

Neben WikiStartup wurde auch Barac unterstützt, ein Unternehmen für Cybersicherheit, das Angriffe auf IT-Infrastruktur erkennt, Schwachstellen aufdeckt und mithilfe künstlicher Intelligenz Betrugsfälle aufdeckt. Methania, ein weiteres Unternehmen, das von dem Programm profitierte, bietet technische Lösungen für landwirtschaftliche Betriebe an, die Bioenergie erzeugen wollen.

„Ich sehe viel Potenzial für Acceleratoren“, sagt Khanfir, der zusammen mit anderen Akteuren der einheimischen Wirtschaft ein ehrgeiziges Programm auf den Weg bringen will, das jährlich bis zu 500 Start-ups unter die Arme greifen könnte. „Im Moment unterstützen wir pro Jahr nur zehn bis zwanzig Unternehmen, aber es gibt noch so viele Leute, die eine Firma gründen wollen und damit Arbeitsplätze schaffen können. Da lässt sich also noch ganz viel machen.“