Junge Menschen, Infrastruktur und passende Investitionen können die nigerianische Wirtschaft voranbringen.

Vor Kurzem war ich in Brüssel auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Dort habe ich einiges über die nigerianische Wirtschaft erfahren:

Nigerias wichtigste Ressource sind die jungen Menschen, nicht das Öl

Nigeria wird gemeinhin als „Ölwirtschaft“ wahrgenommen. Aber das ist falsch. Das Ölgeschäft trägt nämlich weniger als zehn Prozent direkt zum BIP bei. Dienstleistungen und Landwirtschaft sind die beiden größten Sektoren. Nigeria ist die größte Volkswirtschaft Afrikas. Unsere Leute kommen immer begeistert aus Lagos zurück. Sie sehen, was unsere Projekte in den verschiedenen Sektoren bringen können: viele neue Arbeitsplätze und Wachstum, von dem alle etwas haben.

Hauptgrund für diesen Enthusiasmus ist die größte Stärke Nigerias – die junge Bevölkerung, die sich sehr dynamisch entwickelt. Gewiss, im Bildungssystem muss noch viel getan werden, und zwar schnell. Acht bis zehn Millionen Kinder im Grundschulalter gehen nicht in die Schule. Aber es gibt auch Millionen gut ausgebildete Menschen in Nigeria. Und Landsleute, die im Ausland Karriere gemacht haben, kehren vielleicht wieder zurück, wenn die Heimat mit guten Chancen lockt. Manche Quellen geben die Zahl der Nigerianerinnen und Nigerianer im Ausland mit 17 Millionen an, die Vereinten Nationen schätzen sie zurückhaltender auf über 1,2 Millionen.  Nach Einschätzung der OECD sind 35 Prozent dieser Auswanderer gut ausgebildet. 

Wie können Sie in Nigeria ein kleines Vermögen machen? Fangen Sie mit einem großen an!

Diesen Witz erzählte mir ein Kollege, als er hörte, dass ich an einem Vortrag arbeite. Viele Leute haben ein falsches Bild von Nigeria. In Wahrheit gibt es viele Menschen dort, die eine Menge Geld machen. Auf der neuesten Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt stehen vier nigerianische Milliardäre, darunter Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas.

Trotzdem sollten Investoren nicht naiv sein, was die Risiken betrifft: Mängel in der Infrastruktur, vor allem in der Stromversorgung, politische und regulatorische Instabilität, ein volatiles Gesamtumfeld und hochkomplexe regionale, kulturelle und ethnische Gesellschaftsstrukturen.

Nigerias Wirtschaft braucht junge Menschen, die etwas verändern wollen

Die vielschichtigen Herausforderungen in Nigeria mögen entmutigend wirken, aber das starke Fundament an Ressourcen gibt auch Anlass zu Optimismus. Wenn man „das System noch einmal zurücksetzen“ könnte, mit anderen Vorgaben, dann könnte das Land den Raketenstart hinlegen, auf den wir alle warten.

Was kann die Rakete zünden?

Technologie wird ihren Beitrag leisten, aber vor allem kommt es auf die Jugend in Nigeria an. Die jungen Menschen müssen nach oben streben, sie müssen das Land umkrempeln und mehr und bessere Chancen fordern. So wie die Unternehmerin Nkemdilim Begho. Für sie ist klar: Die jungen Menschen in Nigeria und auch die Frauen dürfen nicht wie die „verfolgte Unschuld“ auf Hilfe warten. Sie müssen selbst aktiv werden und ihre Chance ergreifen. Dann werden sie auch den Wandel vorantreiben.

 „Es wird Zeit, dass die politisch Verantwortlichen und die Jugend gemeinsam das Afrika schaffen, das sie sich wünschen”, schrieb eine andere junge Teilnehmerin der Veranstaltung in ihrem Blog.

>@MNED, Konrad-Adenauer-Stiftung
Nkedilim Begho, nigerianische Technologieunternehmerin, berichtet über Chancen, junge Menschen in die Gestaltung der Zukunft Nigerias einzubinden ©MNED, Konrad-Adenauer-Stiftung

Finanzierungslücken durch gezielte Investitionen schließen

Einrichtungen wie die EIB scheinen von der Jugend Nigerias meilenweit entfernt, aber wir können dort viel tun. Davon bin ich überzeugt.

Nigeria hat einen großen und relativ gut entwickelten Finanzsektor, nur das Geld kommt nicht bei den Unternehmen und den Menschen an der Basis an. Die Gründe dafür sind vielfältig – Verdrängung privater Investitionen durch öffentliche ist einer davon. Außerdem finanzieren die Banken ihr Kreditgeschäft hauptsächlich über Einlagen. Dadurch stimmen bei längerfristigen Finanzierungen die Laufzeiten nicht überein. Deshalb finanzieren nur rund sieben Prozent der nigerianischen Unternehmen langfristige Projekte über Banken, wie aus der aktuellen Unternehmensumfrage der Weltbank hervorgeht.

Die EIB vergibt seit vielen Jahren langfristige Kredite in Nigeria, zum Beispiel in Form von Durchleitungsdarlehen an Banken, die das Geld an Unternehmen weiterreichen. Erst kürzlich gab die Bank auch eine Kapitalbeteiligung an der Development Bank of Nigeria bekannt. Damit können wir noch mehr bewirken, weil die Entwicklungsbank kleinere Unternehmen erreicht. Sie kann ihnen Kredite in Landeswährung geben und mit technischer Hilfe dafür sorgen, dass die Projekte bankfähig werden.

Die EIB bietet auch maßgeschneiderte Finanzierungen an und arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen. Dadurch will sie Unternehmen erreichen, die in Bereichen wie Jugendbeschäftigung wirklich etwas bewirken können. Die Rede ist von Start-ups, Unternehmen in der Frühphase und Innovatoren. Ein Beispiel ist die Initiative „Boost Africa“, bei der wir gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Afrikanischen Entwicklungsbank über Risikokapitalfonds innovative und technologieorientierte Unternehmen unterstützen.

2017 beteiligte sich die EIB beispielsweise am TLCOM-Fonds, der in das innovative Unternehmen Andela investierte. Andela rekrutiert junge Talente in Afrika, bringt ihnen das Programmieren bei und gibt ihnen Aufträge, die sie weitgehend in Telearbeit erledigen.

Das ist ein erster Schritt in Richtung eines breiteren Kulturwandels. Wir hoffen, dass diese jungen Menschen zu einer Generation gehören, die im In- und Ausland Erfahrung sammelt und dann ihrerseits der Jugend Chancen eröffnet.

Warum es nur mit Partnern geht

Wir müssen realistisch sein, was die grundlegenden Probleme betrifft. Die Landeswährung ist eines davon. Sie schwankt zu stark, und es gibt mehrere Wechselkurse. Deshalb können wir keine Finanzierungen in Landeswährungen anbieten. Das aber ist notwendig, um den Kleinstunternehmen zu helfen und jenen, die im Inland tätig sind.

Auch die Sicherheitslage, Betrugsrisiken, Korruption und Terrorismusfinanzierung erschweren uns die Arbeit erheblich. Hier hat die Regierung Reformen versprochen, die hoffentlich bald umgesetzt werden.

Um die Risiken zu mindern, arbeitet die EIB mit Partnern zusammen. Diese Partnerschaften sind der Schlüssel zu einem Engagement mit überschaubarem Risiko. Und das ist gut für die nigerianische Wirtschaft und die Jugend des Landes.