EIB-finanzierte Studie zeigt: Entwicklungsinvestitionen verbessern die Müttergesundheit in Senegal

Von Nina Fenton und Claudio Cali

In Senegal kommen nur rund 3,1 Pflegekräfte und Hebammen auf 10 000 Einwohner – in kaum einem anderen Land der Welt (Platz 162 von 187) ist die qualifizierte Mütterbetreuung so unzulänglich. Entsprechend schlecht ist es um die Gesundheit von Mutter und Kind bestellt.

Da öffentliche Krankenhäuser nur mit Mühe eine ausreichende Versorgung gewährleisten, boomen Privatkliniken. Meist sind ihre Gebühren aber so hoch, dass sie sich nur betuchtere Patientinnen leisten können. Obendrein decken die Privatkliniken nur etwa 20 Prozent des Bedarfs.

Hier kommt NEST ins Spiel: Das kleine Unternehmen will die Lücke zwischen privatem und öffentlichem Sektor schließen, damit nicht bloß die Wohlhabendsten der Gesellschaft gut versorgt werden. Die Mütter- und Kinderklinik von NEST in Dakar ist rund 40 Prozent günstiger als Privatkliniken. Möglich machen dies Innovationen, die Kosten senken, ohne die Qualität aufs Spiel zu setzen. Bei unkomplizierten Entbindungen zum Beispiel bleiben die Frauen nur so lange in der Klinik, wie unbedingt nötig. Und die Ärztinnen und Ärzte bei NEST verlangen geringere Honorare für finanziell schwächere Kundinnen.

NEST erhielt Mittel aus dem Impact-Fonds I&P Afrique Entrepreneurs 1, der kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. Die Europäische Investitionsbank ist mit sieben Millionen Euro an ihm beteiligt.

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Gilles Kane ©DR

Akzeptanz für eine bezahlbare Mütterversorgung – eine Wirkungsstudie zeigt, wie es geht

Die EIB will besser verstehen, welche Wirkung Impact-Investitionen wie etwa in NEST haben, und gab eine Studie zu dem Projekt in Auftrag. Die Autoren Gilles Kane und Hamidou Jawara untersuchten zunächst das Profil der NEST-Kundinnen. Das Ergebnis: NEST spricht erfolgreich Frauen der Mittelschicht an, unter den Ärmsten finden sich dagegen kaum Kundinnen.

Wie eine Umfrage unter 90 NEST-Kundinnen ergab, dürften rund vier Prozent von ihnen unter der Armutsgrenze des Landes liegen. Bei der Bevölkerung der Hauptstadt Dakar sind es 17 Prozent. 30 Prozent der Befragten leben von weniger als 5,5 US-Dollar pro Tag (bei der Bevölkerung Dakars sind dies 52 Prozent) – es kommen also auch weniger zahlungskräftige Frauen in die Klinik. 42 Prozent der Befragten sind Frauen ohne Krankenversicherung, denen die Leistungen der Klinik ebenfalls offenstehen. Dazu gehören Frauen, die im informellen Sektor arbeiten (rund 27 Prozent der erwerbstätigen Frauen, die befragt wurden).

Die Autoren wollten darüber hinaus praxisnahe Erkenntnisse gewinnen, die NEST helfen, die Versorgung von Müttern und Kindern weiter zu verbessern. Gemeinsam mit der NEST-Geschäftsleitung untersuchten sie vor allem, wie mehr Frauen eigenverantwortlich von Hebammen betreut werden können. Eine solche Betreuung durch Hebammen ist kostengünstiger als eine gleichwertige Versorgung unter ärztlicher Leitung. NEST setzt deshalb bei Niedrigrisiko-Schwangerschaften und unkomplizierten Entbindungen verstärkt auf Hebammen. Damit senkt das Unternehmen die Kosten der Mütterbetreuung ohne Qualitätseinbußen und kann mehr Frauen versorgen.

Die Werbung für das neue Angebot wurde aber durch das schlechte Image erschwert, das die eigenverantwortliche Betreuung durch eine Hebamme hat. Viele Senegalesinnen glauben nämlich, dass Hebammen nur eine Grundversorgung leisten können. Dieses Image beruht zum Teil auf schlechten Erfahrungen, insbesondere in öffentlichen Krankenhäusern. Viele Hebammen arbeiten dort unter schwierigen Bedingungen und Zeitdruck. Dadurch haben sie kaum Zeit für Beratung. Einige Frauen berichteten sogar von Hebammen, die ihre Patientinnen gereizt oder sogar aggressiv behandelten.

NEST wollte herausfinden, ob eine neuartige Informationskampagne dieses schlechte Image ändern und mehr Frauen für das neue Angebot begeistern könnte. Die Autoren der Studie entwickelten und testeten deshalb gemeinsam mit NEST eine Informationsveranstaltung, bei der die Vorteile einer Mütterbetreuung durch Hebammen in kurzen Geschichten und Spielszenen vorgestellt werden.

Veranstaltungen dieser Art werden als Visualisierungen bezeichnet. Es ist bekannt, dass selbst so einfache Maßnahmen eine Verhaltensänderung bewirken können. Bei der Visualisierung beschreibt eine Moderatorin (z. B. eine geschulte NEST-Mitarbeiterin), welche Probleme in einer Schwangerschaft auftreten können und wie eine Hebamme dabei helfen und beraten kann. Die Teilnehmerinnen sollen sich auch selbst darüber Gedanken machen, wie ihnen eine qualifizierte und erfahrene Hebamme helfen könnte.

Die Autoren der Studie wollten testen, ob ein innovatives Konzept wie dieses die Nachfrage nach eigenverantwortlicher Betreuung durch eine Hebamme steigern kann. Sie verglichen daher in einer Zufallsanordnung die Ergebnisse einer normalen Informationsveranstaltung mit denen einer Visualisierung. Dazu wählten sie eine Gruppe von Frauen aus, die an der Visualisierung teilnahmen, und verglichen ihre Bereitschaft zur Betreuung mit einer anderen Gruppe von Frauen, die wie bisher üblich informiert wurden. Um auszuschließen, dass Unterschiede bei der Betreuungsbereitschaft nicht durch die Art der Informationsvermittlung, sondern durch andere Unterschiede verursacht werden, wurden die Frauen nach dem Zufallsprinzip auf die beiden Gruppen verteilt. Dies entspricht internationaler Best Practice in der Impact-Evaluierung. NEST versprach sich davon verlässliche Aussagen über die Vorteile der neuartigen Informationskampagne.

Und tatsächlich: Die Teilnehmerinnen der Visualisierung waren eher bereit, sich eigenverantwortlich von einer Hebamme betreuen zu lassen, als die Frauen, die auf „traditionelle“ Weise informiert wurden. NEST wird nun prüfen, ob und wie das neue Betreuungsangebot besser mit Visualisierungen beworben werden kann.

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Hamidou Jawara ©DR

Die Bank der EU fragt nach der Wirkung

Wirkungsmessungen spielen für die Arbeit der EIB in Entwicklungsländern eine zentrale Rolle. Seit ihrer Gründung 1958 hat die Europäische Investitionsbank über eine Billion Euro investiert, rund zehn Prozent davon außerhalb der EU. Ihre Finanzierungen werden so ausgewählt und strukturiert, dass sie nicht nur finanziell tragfähig sind, sondern auch soziale, wirtschaftliche und ökologische Vorteile bringen. Die EIB verfolgt den Entwicklungsbeitrag aller ihrer Projekte, um zu ermitteln, welche Maßnahmen erfolgreich sind und wie sie noch mehr bewirken kann.

Gemeinsam mit dem Global Development Network leitet sie ein Programm für Wirkungsstudien zu Entwicklungsinvestitionen in der Privatwirtschaft. Die Studien sollen helfen, die Entwicklungswirkung der Projekte gründlicher zu erfassen. Dabei geht das Programm über die reine Ergebnismessung hinaus, die die EIB ohnehin für jedes Projekt vornimmt: Die Daten werden direkt bei den Menschen erhoben, denen die Projekte zugutekommen. Voraussetzung dafür ist eine gute Kenntnis der Verhältnisse vor Ort. Deshalb führen 30 Forscherinnen und Forscher aus Entwicklungsländern die Wirkungsstudien für Impact-Investitionen in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean für das Programm durch. Die Ergebnisse der ersten Studienreihe finden Sie hier.

Untersucht wird eine Vielzahl entwicklungswirksamer Investitionen: So investiert die EIB direkt in die Agrar- und Ernährungswirtschaft, sie unterstützt innovative Unternehmen über Risikokapitalfonds und indirekte Darlehen, und sie finanziert Kleinstunternehmen über Mikrofinanzfonds.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchen zunächst die Geschäftsmodelle und Entwicklungsziele der EIB-Kunden. Anschließend befassen sie sich gezielt mit Fragen von beiderseitigem Interesse.

Das Programm zeigt, wie wissenschaftlich anspruchsvolle Forschung konkret etwas bewirken kann. International angesehene Expertinnen und Experten des Global Development Network sorgen als Impact-Berater dafür, dass die Studien mit wissenschaftlicher Akribie und nach den neuesten Methoden durchgeführt werden. Die Ergebnisse bieten deshalb eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für Impact-Investitionen der EIB und unserer Kunden.

Außerdem kann die Europäische Investitionsbank damit empirisch nachweisen, dass der Privatsektor ein Motor für nachhaltige Entwicklung ist.

Nina Fenton und Claudio Cali arbeiten als Volkswirte bei der Europäischen Investitionsbank. Ihre Fachgebiete sind Impact-Finanzierungen und Wirkungsmessung.