Unternehmen repariert kaputte und veraltete Computer und hilft damit benachteiligten Menschen

Die Gründer von Recosi führen ihr Unternehmen nach dem sogenannten Triple-Bottom-Line-Ansatz. Der Terminus wurde 1994 von Nachhaltigkeitsexperte John Elkington geprägt und besagt, dass nicht nur der Profit, sondern auch die Menschen und unser Planet im Fokus stehen sollten.

Daher beschäftigt das in Irland, Slowenien und den USA tätige Unternehmen benachteiligte Menschen und schult sie in der Aufbereitung gebrauchter Computer und anderer elektronischer Geräte. Recosi verkauft die Geräte anschließend, nach Möglichkeit an andere soziale Unternehmen oder Organisationen, die sich oft keine neuen leisten können.

„Wir schaffen Arbeitsplätze für benachteiligte Menschen und verlängern den Lebenszyklus von Produkten. So sparen wir viel wertvolles Material ein, das für die Produktion eines neuen Laptops benötigt wird“, sagt Katja Zajko, Mitgründerin des Unternehmens und Leiterin des Betriebs in Slowenien.

Seit seiner Gründung im Jahr 2014 hat Recosi mehr als 150 000 Geräte aufbereitet und weiterverkauft, von denen die meisten im Müll gelandet wären, so Zajko.

Die Menge an Computer- und Elektroschrott ist gigantisch. Laut jüngstem Bericht des Global E-Waste Monitor der Vereinten Nationen fiel 2019 weltweit eine Rekordmenge von 53,6 Millionen Tonnen Elektromüll an – Tendenz steigend. Nur 17,4 Prozent dieser Abfälle, so der Bericht, werden gesammelt und recycelt. Konservativ geschätzt wurden so Gold, Silber, Kupfer, Platin und andere kostbare recycelfähige Materialien im Wert von 57 Milliarden US-Dollar überwiegend entsorgt oder verbrannt statt aufbereitet und wiederverwendet.

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Katja Zajko ©Ricosi

Grüne Arbeitsplätze

Katja Zajko gründete Recosi in Irland mit zwei irischen Kollegen, Thomas Millar und Martin Reddy. 2015 eröffneten sie eine Niederlassung in Yuma im US-Bundesstaat Arizona und 2017 eine weitere in der slowenischen Stadt Slovenska Bistrica. Hier hat Zajko das Kommando. Recosi beschäftigt 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Irland, etwa 150 in den Vereinigten Staaten und sieben in Slowenien. Hinzu kommen regelmäßig Studierende im Rahmen eines dualen Ausbildungsprogramms.

Bei der Rekrutierung von neuem Personal arbeitet das Unternehmen eng mit Arbeitsagenturen und anderen Diensten zusammen. Einige Beschäftigte haben eine körperliche Behinderung, andere eine Krebserkrankung überstanden; wieder andere waren lange arbeitslos und suchen eine Ausbildung. In den USA stellt Recosi vorrangig Kriegsversehrte ein.

„Durch uns entstehen grüne Arbeitsplätze. Das macht mich wirklich glücklich“, freut sich Zajko. „Und wir schaffen damit nicht nur neue Chancen, sondern auch ein neues Bewusstsein für die Wiederverwertung und die Umwelt.“

Für Zajko bedeutet die Eröffnung einer Niederlassung in ihrem Heimatland noch viel mehr. „Ich wollte unbedingt ein soziales Unternehmen gründen, das mit hohem Anspruch arbeitet und der Gesellschaft und der Umwelt etwas zurückgibt.”

Recosi gehörte 2019 zu den Finalisten des Wettbewerbs für Soziale Innovation. Damit fördert das EIB-Institut kreative Projekte, die Lösungen für ökologische und gesellschaftliche Probleme bieten.

Digitale Kluft überbrücken

Recosi bezieht gebrauchte Computer zumeist von multinationalen Unternehmen, die ihre Hardware aufrüsten. Diese Computer, Bildschirme, Tastaturen, Tablets, Smartphones und Laptops sind in der Regel drei bis fünf Jahre alt.

Das Unternehmen kauft die Geräte, reinigt sie, löscht den Speicher (ein Plus für sicherheitsbewusste Unternehmen) und repariert sie. Zudem hat Recosi eine Partnerschaft mit Microsoft, um die Software zu aktualisieren.

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Recosi bezieht gebrauchte Computer üblicherweise von großen Unternehmen, die ihre Hardware aufrüsten ©Recosi

Die Geräte bietet das Unternehmen auf seinen Websites bis zu 70 Prozent unter Neupreis zum Verkauf an. Das aktuelle Angebot umfasst Workstations und Laptops von Dell und HP sowie Computer, Laptops, iPads und Smartphones von Apple. Für alle gilt eine Garantie von mindestens einem Jahr.

Seit Kurzem vertreibt Recosi seine generalüberholten Geräte auch über Amazon, um weiter zu wachsen. Mit einem neuen, größeren Standort in Slovenska Bistrica will das Unternehmen zudem seine Kapazitäten erweitern und europaweit expandieren.

Geprüft wird auch der Einsatz von 3D-Druckern, um defekte Teile zu reparieren und Material von Geräten wiederzuverwerten, die sich nicht mehr reparieren lassen.

„Wir sehen hier ein riesiges Potenzial, besonders in Zeiten von Corona, wo so viele Menschen Geräte fürs Homeoffice brauchen“, sagt Zajko. „Mit unseren erschwinglichen Geräten wollen wir die digitale Kluft überbrücken.“