Spanien – da denken die meisten von uns an Sonne und Ferien. Aber Spanien ist auch ein Land der Windmühlen. Don Quichotte, die Romanfigur von Cervantes, hat sie mit seinem Kampf gegen die vermeintlichen Riesen berühmt gemacht. Die Technik hat sich mittlerweile gewandelt, aber Wind ist in Spanien auch heute noch ein großes Thema.

Das Land spielt bei der Windenergie weltweit ganz vorne mit. Das liegt vor allem an Acciona. Der multinationale Konzern setzt mit Windparks in seinem Heimatmarkt Spanien und weltweit ganz auf Nachhaltigkeit.

„Acciona will beim Übergang zu einer CO2-freien Energieerzeugung mit gutem Beispiel vorangehen und gleichzeitig Lebensstandards verbessern“, sagt Unternehmenschef José Manuel Entrecanales.

Dabei hilft ihm ein Kredit über 100 Millionen Euro der Europäischen Investitionsbank, den das Unternehmen im Januar unterzeichnet hat. Nachhaltigkeit wird weiter an Bedeutung gewinnen – davon sind sie bei Acciona überzeugt. Denn mit dem Wirtschaftswachstum steigen weltweit die Kaufkraft und die Ansprüche der Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern. Damit wächst auch die Nachfrage nach Strom und Wasser.

Ziel muss daher ein nachhaltiges Wachstum sein, das nicht zulasten der Umwelt geht. Dazu braucht es kreative Lösungen und eine moderne Infrastruktur, was viel Geld kostet. Für Acciona liegt der Schlüssel in Forschung und Innovation.

Mit dem Geld von der EIB kann Acciona in Feldern wie Digitalisierung, erneuerbare Energien, Infrastruktur und Wasser seine Forschung ausbauen und neue Lösungen finden. Durch verstärkte Digitalisierung etwa will das Unternehmen den Bau und Betrieb seiner Stromerzeugungsanlagen effizienter gestalten. Außerdem will es nachhaltigere Verfahren für die biologische Wasserbehandlung und ‑aufbereitung entwickeln und durch neue Wege im Abfallrecycling die Kreislaufwirtschaft voranbringen. Nicht zuletzt soll mit dem Kredit auch der Bau umweltfreundlicher Anlagen effizienter werden.

„Wir setzen in all unseren Geschäftsbereichen auf Nachhaltigkeit, damit die Menschen heute und in Zukunft besser leben können“, erklärt Entrecanales.

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José Manuel Entrecanales, CEO von Acciona ©Acciona

Mit leichteren Werkstoffen günstiger bauen

Acciona sieht im Bausektor einen großen Aufholbedarf, was Digitalisierung und Innovation betrifft. Um hier Abhilfe zu schaffen, testet das Unternehmen unter anderem vorgefertigte Bauteile. Die sind leichter und günstiger zu transportieren, aber trotzdem sehr stabil. Und sie funktionieren in der Praxis: Im spanischen Valencia hat Acciona 2015 den weltweit ersten Leuchtturm aus Fertigteilen errichtet. Das ging schneller und einfacher als bisher, war billiger und hat Energie gespart.

Darüber hinaus will Acciona produktiver werden. Dies soll durch die intelligente Nutzung von Daten erreicht werden. Mit entsprechenden Analysen könnte man beispielsweise ermitteln, wann ein Bauteil ausgetauscht werden muss, bevor es kaputtgeht. Oder die Rotorblätter der Turbinen in Windparks könnten so ausgerichtet werden, dass sie den Wind optimal nutzen.

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Acciona wind turbines in Brazil. ©Acciona

Spanien – bei der Windkraft ganz vorne mit dabei

Acciona war ursprünglich vor allem in der Wasserwirtschaft, im Bauwesen und im Konzessionsmanagement tätig. Heute gehört das Unternehmen zu den weltweit führenden Ökostromerzeugern.

21 Terawattstunden Strom produziert Acciona pro Jahr – und das ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Das entspricht dem Energieverbrauch von mehr als sechs Millionen Haushalten.

Erzeugt wird dieser Strom überwiegend aus Windkraft – hier liegt Spanien weltweit auf dem vierten Platz. „Die wachsende Weltbevölkerung wird vor allem mehr Energie brauchen, und in den Städten entstehen ganz neue Bedürfnisse“, glaubt Entrecanales.

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©Nikola Simic/EIB

Das EIB-Darlehen ist Teil eines neuen Programms für Unternehmen wie Acciona, die in Schlüsselsektoren der Wirtschaft neue Wege gehen wollen. Es ist durch den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) abgesichert – eine Initiative der Europäischen Union für innovative Unternehmen, die mehr finanzielle Hilfe brauchen. Der EFSI ist für Unternehmen gedacht, deren Investitionen als riskant gelten, weil ihre Technologien und Produkte noch nicht erprobt sind oder noch in den Kinderschuhen stecken.

Neue Wege im Umweltschutz

EIB-Volkswirt Kristian Uppenberg freut sich, dass Acciona mit dem Geld der Bank jetzt investieren kann: in neueste Techniken, in nachhaltigere Verfahren und in strategisch wichtige Sektoren. „Die unternehmenseigenen Forschungszentren in Madrid, Pamplona und Barcelona werden dabei eine entscheidende Rolle spielen“, so Uppenberg. „Außerdem will Acciona in allen Sparten die Digitalisierung vorantreiben. Die Sozialrendite von Forschungsinvestitionen ist oft erst nach Jahren messbar. Sie wird aber letztlich nicht nur Acciona zufließen, sondern der ganzen Branche zugutekommen.“

„Mit dem EIB-Darlehen kann Acciona auch seine Prozesse optimieren und neue Technologien entwickeln, die neue Möglichkeiten eröffnen: für die Änderung bisheriger Vorgehensweisen, die Erschließung neuer Märkte und den Schutz der Umwelt“, ergänzt Kreditreferentin Covadonga Velasco. „Acciona wird seine Forschung und Entwicklung verstärken und bei der Digitalisierung aufs Tempo drücken.“

Wer auf Jahrzehnte hinaus im Rennen bleiben will, muss sich immer wieder neu erfinden. Acciona hat das erkannt.