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  • Covid-19 hat Luxemburg wirtschaftlich hart getroffen, aber der Staat hat beeindruckend gegengesteuert: Die Wirtschaft hat der Krise gut standgehalten und ist auf dem Weg der Erholung.
  • Laut EIB-Umfrage erhielten acht von zehn Unternehmen in Luxemburg coronabedingte Finanzhilfen (EU-Durchschnitt: 56 Prozent).
  • Jetzt geht es darum, sich an die neue Normalität anzupassen, zuvor schon erkennbare Lücken zu schließen und eine asymmetrische Erholung zu verhindern, die neue Trennlinien zwischen Firmen in Luxemburg und EU-weit zieht.
  • Die luxemburgischen Unternehmen sind sich der Herausforderungen und fortschreitenden Verschiebungen bewusst; wichtig ist aber, jetzt Investitionen anzuschieben, Hürden auszuräumen, Unsicherheiten zu entschärfen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Wirtschaftsminister mit „Luxembourg Stratégie“ waren am 13. Juni 2022 gemeinsam Gastgeber der Konferenz „The Twinning Between the Green and Digital Transitions of Luxembourg“, auf der die Ergebnisse der jüngsten EIB-Investitionsumfrage (EIBIS) für Luxemburg vorgestellt wurden.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Wirtschaftszweigen und der Finanzwelt eine gute Gelegenheit zur rechten Zeit, die kurz- und langfristigen Herausforderungen für die luxemburgische Wirtschaft zu erörtern. Zusammen mit dem EIB-Investitionsbericht liefert die Investitionsumfrage der EIB-Gruppe (EIBIS) unter 13 500 Unternehmen in ganz Europa einen Überblick über zyklische und strukturelle Trends bei den Investitionen und deren Finanzierung in Europa.

Debora Revoltella, Direktorin der Abteilung Volkswirtschaftliche Analysen bei der EIB, stellte die Studie vor: „Die Umfrage, die europaweit und damit auch in Luxemburg durchgeführt wird, ist für die EIB-Gruppe ein wichtiges Instrument. Sie gibt Aufschluss darüber, welche strukturellen Hindernisse Investitionen bremsen und wo die Krise Unternehmen besonders stark getroffen hat. Das zeigt uns, wie wir die Erholung unterstützen und wachsende Unterschiede zwischen privaten Haushalten, Firmen, Sektoren und Volkswirtschaften abfedern können.“

EIB-Vizepräsident Kris Peeters: „Die luxemburgische Wirtschaft hat den Schocks der letzten Jahre gut standgehalten. Es ist vielversprechend, dass die dortigen Unternehmen positiv in die Zukunft blicken und mehr investieren wollen, aber sie brauchen weiter Unterstützung. Fortlaufende Investitionen sollten Wachstumspotenzial und Produktivität steigern, die wirtschaftliche und soziale Resilienz stärken und die grüne und digitale Transformation der luxemburgischen Wirtschaft voranbringen. Dies sind auch Prioritäten für die EIB. Als Klimabank der EU stehen wir bereit, unser Gastland auf dem Weg in eine grüne und digitale Zukunft zu unterstützen.“

Franz Fayot, luxemburgischer Wirtschaftsminister: „Der Übergang zur Klimaneutralität drängt. Wichtig ist, dass wir die Menschen dabei mitnehmen. Ich sehe aber viele positive Zeichen, im Verhalten und in der Technologie. Wir müssen weiter vorausdenken und verstehen, was Megatrends für uns bedeuten. Wenn Luxemburg schnell die richtige Richtung einschlägt, können wir weltweit als erfolgreiches Vorbild vorangehen. Ich bin Optimist und überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg zur Klimaneutralität sind. Jetzt ist wichtig, dass wir ihn sozial fair gestalten und niemanden zurücklassen.“

Teil der Konferenz war eine breite Diskussion über Luxemburgs Investitionsbedarf und -prioritäten in Zeiten von Covid-19 und den Übergang zu einer smarten und grünen Wirtschaft sowie über die Verfügbarkeit von Finanzierungsquellen für Investitionen. Dabei ging es auch darum, wie gut die Firmen auf die neue Situation vorbereitet sind und sich daran anpassen können, indem sie wichtige Digitaltechnologien einführen, die sie krisenfester und zukunftsfähig machen.

Die EIBIS für Luxemburg zeigt, dass die Firmen dort 2021 wieder optimistischer geworden sind. Im letzten Geschäftsjahr ist der Anteil der Firmen, die investierten, pandemiebedingt gesunken, aber jetzt rechnen mehr Firmen – nämlich fast ein Drittel – eher mit höheren als mit geringeren Investitionen. Das ist eine Wende zum Positiven. Im Schnitt blicken mittlere/große Firmen (22 Prozent) eher positiv in die Zukunft als Kleinst- und Kleinunternehmen (8 Prozent).

Bei den kurzfristigen Maßnahmen in Reaktion auf Covid-19 ragt die Digitalisierung heraus: 42 Prozent der befragten Unternehmen sind hier tätig geworden oder haben in eine verstärkte Digitalisierung investiert. Doch die Pandemie wird sich fraglos auch langfristig auf Investitionsbedarf und ‑prioritäten auswirken. 60 Prozent der Unternehmen wollen digitale Technologien langfristig stärker nutzen (ein Anstieg um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). In puncto Innovation (Entwicklung neuer Produkte oder Verfahren und Dienstleistungen) gingen die Aktivitäten im Jahresvergleich von 47 Prozent auf 40 Prozent zurück, was dem EU-weiten Durchschnitt entspricht.

Mit Blick auf die treibenden Faktoren und Hürden beurteilen die Unternehmen in Luxemburg das politische und regulatorische Klima im Schnitt weiterhin pessimistisch. Die Erwartungen für das allgemeine Wirtschaftsklima haben jedoch wieder ins Positive gedreht (von -49 Prozent auf +8 Prozent), ebenso wie die Wahrnehmung der Geschäftsaussichten.

Zudem sehen die Unternehmen keine großen Investitionslücken. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen glauben mehr als acht von zehn Firmen (85 Prozent), dass sie in den letzten drei Jahren etwa im richtigen Umfang investiert haben. Fakt ist jedoch der Fachkräftemangel (81 Prozent) als meistgenanntes langfristiges Investitionshindernis, gefolgt von Unsicherheit über die Zukunft (71 Prozent).

Der Zugang zu Finanzierungen ist weiter gut. Nur 5 Prozent beklagen Schwierigkeiten bei der externen Finanzierung, was dem EU-weiten Durchschnitt entspricht. Bei 13 Prozent der Unternehmen stieg die Verschuldung infolge der Pandemie. Allerdings hat der Luxemburger Staat erheblich geholfen: 80 Prozent der Unternehmen erhielten nach eigenen Angaben Coronahilfen und waren damit insgesamt zufrieden.

Die luxemburgischen Firmen spüren bereits die Folgen des Klimawandels, und knapp die Hälfte (45 Prozent) gibt an, dass sich Wetterereignisse auf ihr Geschäft auswirken (weniger als im EU-Durchschnitt, der bei 58 Prozent liegt). Die Firmen beginnen, die Risiken des Übergangs zur Klimaneutralität zu internalisieren. Insgesamt sehen etwas mehr Firmen den Übergang zu strengeren Klimastandards für die nächsten fünf Jahre als Chance denn als Risiko für ihr Geschäft (39 Prozent gegenüber 29 Prozent). Die Hälfte aller Firmen will in den nächsten drei Jahren investieren, um sich für Klimafolgen zu wappnen.

Im Management bemüht sich rund die Hälfte der luxemburgischen Unternehmen nach eigenen Angaben um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Das sind weniger als im EU-Durchschnitt, der bei 60 Prozent liegt. Bei der leistungsabhängigen Vergütung liegt Luxemburg mit 70 Prozent nah am EU-Durchschnitt (67 Prozent).

Der Länderüberblick stellt ausgewählte Ergebnisse der Interviews vor, die von März bis Juli 2021 mit 180 Unternehmen in Luxemburg geführt wurden. Die länderbezogenen Ergebnisse sind Teil der Umfrage der EIB-Gruppe zur Investitionstätigkeit und -finanzierung (EIBIS), die seit 2016 durchgeführt wird. Bei der in dieser Form einzigartigen EU-weiten Erhebung unter 13 500 Unternehmen sammeln wir quantitative Informationen über die Investitionstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie größeren Firmen, über ihren Finanzierungsbedarf und über die Schwierigkeiten, auf die sie stoßen. Die Umfrage umfasst auch eine Stichprobe von Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

Die Berichte zu den Investitionsumfragen finden Sie hier: