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Städte und Gemeinden spielen bei der Verbesserung der Energieeffizienz eine zentrale Rolle, wenn es um Stadterneuerung, Mobilität, Energie, Biomasse und ähnliche Bereiche geht. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu den europäischen und wirtschaftlichen Zielen. Das Projekt RenoWatt hat dabei eine ganz besondere Bedeutung und wird deshalb von der Europäischen Investitionsbank im Rahmen der europäischen Initiative ELENA unterstützt.


Die Klima- und Energieziele der Europäischen Union

Bis 2030 will die Europäische Union drei Hauptziele erreichen:

  • Senkung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent (gegenüber 1990): Dazu müssen die unter das EU-Emissionshandelssystem (EHS) fallenden Wirtschaftszweige ihre Emissionen um 43 Prozent gegenüber 2005 und die nicht unter das EHS fallenden Wirtschaftszweige (Verkehrs-, Bausektor, usw.) um 35 Prozent senken
  • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energiequellen am Energiemix auf mindestens 32 Prozent (verbindliches Ziel)
  • Steigerung der Energieeffizienz um mindestens 32,5 Prozent (Verbrauch von Primärenergie gegenüber 2007)

Angesichts dieser EU-Vorgaben müssen Strukturen geschaffen werden, die die energetische Sanierung von Gebäuden fördern. Öffentliche und private Gebäude verbrauchen mehr als 40 Prozent der Gesamtenergie. Ihre thermische Sanierung senkt den Energieverbrauch und verringert so die Einfuhr von Erdölprodukten. Zudem entstehen neue Arbeitsplätze. 

Wirtschaftliche Aspekte

Das Projekt trägt nicht nur dazu bei, die Auflagen der EU zu erfüllen. Investitionen in die energetische Sanierung sorgen auch für mehr Wohlstand und steigern das wallonische Bruttoinlandsprodukt. Neben Energieeinsparungen und der Mobilisierung des Bausektors kann die Region bei solchen Vorhaben auch Know-how zu Finanzierungsinstrumenten erwerben. Außerdem kann Wallonien mit RenoWatt die Energiewende professionell angehen, neue Finanzierungstechniken einsetzen, neue Marktteilnehmer für Energiedienstleistungen etablieren und geeignete Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen anbieten, damit Unternehmen vor Ort Arbeitskräfte für die Energieleistungsverträge einstellen können. Konkret könnte sich dadurch in den nächsten 30 Jahren eine neue Branche mit einem Investitionsvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro und über 17 000 Arbeitsplätzen entwickeln.

Wie RenoWatt entstand

RenoWatt unterstützt belgische Kommunen bei der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude. Das Projekt fungiert als zentrale Anlaufstelle für Sanierungsvorhaben. RenoWatt schließt den Energieleistungsvertrag ab, wählt renovierungswürdige Gebäude aus, fasst sie zu Projekten zusammen, leitet das Vergabeverfahren ein und begleitet die Kommunen bei der Erfüllung des Vertrags. Das Projekt wird von der Europäischen Investitionsbank (EIB) mitfinanziert, die einen Zuschuss aus der EU-Initiative ELENA bereitstellt.

Die Pilotphase wurde 2014–2017 im Raum Lüttich von dem eingetragenen Verein GRE Liège durchgeführt. Er unterzeichnete insgesamt fünf Energieleistungsverträge im Gesamtbetrag von 59 Millionen Euro für die Sanierung von 136 Gebäuden. Die Europäische Union hat den Verein im Mai 2017 dafür als bestes europäisches Energieprojekt ausgezeichnet.

Das ursprüngliche Projekt soll nun auf ganz Wallonien ausgeweitet werden (entsprechende Empfehlungen wurden in den Luft-Klima-Energie-Plan für 2030 aufgenommen). RenoWatt läuft nun im Auftrag der Region Wallonien. Das Projekt ist beim Spezialunternehmen B.e.Fin angesiedelt, das sich zu 51 Prozent im Eigentum der Region Wallonien und zu 49 Prozent im Eigentum der SRIW Environnement befindet.

Wie RenoWatt funktioniert und finanziert wird

RenoWatt unterstützt die Kommunen bei ihrer Energiewende in drei Schwerpunktbereichen: Die Einrichtung schließt den Energieleistungsvertrag ab, fasst Gebäude zu Projekten zusammen und organisiert die Einkaufszentrale. So will die Region ihren 262 Kommunen kostenlose technische Hilfe anbieten, damit diese im Rahmen von Energieleistungsverträgen Investitionen von mindestens 100 Millionen Euro durchführen können, um mehr als 500 Gebäude zu sanieren. In Zahlen ausgedrückt umfasst das Projekt:

  • 31 000 Stunden Aus- und Weiterbildung und/oder insgesamt mindestens zwei Millionen Euro für Maßnahmen von sozialen Unternehmen zur Wiedereingliederung
  • Energieeinsparungen von 53 GWh/Jahr
  • Einsparung von 15 600 Tonnen CO2–Äquivalente
  • RenoWatt wird insbesondere auch Kommunen unterstützen, die am Projekt POLLEC teilnehmen (POLLEC: wallonisches Projekt zur Unterstützung der Kommunen bei ihrer Energie- und Klimapolitik). Bisher beteiligen sich zwölf Kommunen am Projekt RenoWatt, zehn haben ihr Interesse bekundet und drei sind grundsätzlich interessiert, wollen sich jedoch erst nach den Kommunalwahlen beteiligen. 

Für einen Zeitraum von höchstens dreieinhalb Jahren ist ein Budget von 5,2 Millionen Euro vorgesehen: 3,5 Millionen Euro aus EU-Mitteln (ELENA) und 1,7 Millionen Euro aus dem wallonischen Haushalt.

Für die EIB, die das Programm für technische Hilfe ELENA im Auftrag der Europäischen Kommission verwaltet, ist RenoWatt ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie ELENA die Vorbereitung und Durchführung von Investitionen in öffentliche Gebäude unterstützen kann, die den Energieverbrauch senken.

ELENA - Mécanisme européen d'assistance technique pour les projets énergétiques locaux

Présentation Powerpoint du projet Renowatt

Hinweis für die Redaktion

RenoWatt

RenoWatt unterstützt belgische Kommunen umfassend bei der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude. Das Projekt fungiert als zentrale Anlaufstelle für Sanierungsvorhaben. RenoWatt schließt den Energieleistungsvertrag ab, wählt renovierungswürdige Gebäude aus, fasst sie zu Projekten zusammen, leitet das Vergabeverfahren ein und begleitet die Kommunen bei der Erfüllung des Vertrags. Diese Aufgaben zur Sanierung öffentlicher Gebäude in Einklang mit den EU-Vorschriften können kleine Kommunen nicht allein durchführen. 

RenoWatt wird von der Europäischen Investitionsbank (EIB) aus Mitteln der EU-Initiative ELENA mit 3,5 Millionen Euro bezuschusst. Die Region Wallonien beteiligt sich mit 1,7 Millionen Euro.

RenoWatt wird vom Spezialunternehmen B.e.Fin (einer Tochtergesellschaft der SRIW Environnement) im Auftrag der Region Wallonien durchgeführt. Der Auftrag wurde zunächst für 42 Monate erteilt. Weitere Informationen sind unter http://www.gre-liege.be/renowatt/25/renowatt abrufbar. 

ELENA

ELENA ist eine gemeinsame Initiative der EIB und der Europäischen Kommission. Sie wurde im Rahmen des Programms „Intelligente Energie – Europa“ (IEE II) eingerichtet und wird derzeit aus dem Programm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ der EU finanziert.

ELENA unterstützt Projektträger mit Zuschüssen für technische Hilfe bei der Vorbereitung großer Investitionsprojekte, die mehr als 30 Millionen Euro kosten und dazu beitragen, die Energieeffizienz zu verbessern, die Treibhausgasemissionen zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix zu erhöhen. ELENA fördert auch die Entwicklung eines nachhaltigen städtischen Verkehrs. Weitere Informationen unter www.eib.org/products/advising/elena.