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    >> Die Reihe „Klimalösungen“ ist auch als Podcast und E-Book erhältlich.


    Von Aldo Romani

    Der Schüler Zilu fragte Konfuzius, was er als Erstes tun würde, wenn man ihm die Regierung des Staates übertrüge. Der Meister erwiderte: „Die Namen richtigstellen.“ Denn eine gute Regierung, so Konfuzius, beruhe darauf, dass Worte für alle dasselbe bedeuten. Dies gilt auch für die Kapitalmärkte: Das Vertrauen der Anleger basiert auf klaren Regeln und Definitionen.

    Die jüngste globale Finanzkrise hat die Glaubwürdigkeit in die Finanzwelt erschüttert und sie in eine tiefe Legitimationskrise gestürzt. Für den Anthropologen Arjun Appadurai liegt der Ursprung dieser Krise in einem „Versagen von Sprache“, ausgelöst durch Finanzderivate. Die Finanzwelt muss nun Vertrauen wiederherstellen, indem sie die Versprechen einhält, die sie für den grünen Einsatz von Kapital gibt.

    Wenn wir verstärkt Projekte fördern wollen, die wirklich den Klimawandel bekämpfen und die Umwelt schützen, müssen wir zuerst eine gemeinsame Sprache für grüne Finanzierungen finden. Nur dann können sich Anleger sicher sein, dass das, was sie kaufen, wirklich „grün“ ist, und nur dann können Anleger nachvollziehen, welche Wirkung ihr Geld hat. Dies gilt erst recht für einen anderen wichtigen und noch weitgehend unerschlossenen Bereich der nachhaltigen Anlagen: „soziale“ Anlagen.

    Die gute Nachricht: Europa ist auf dem Weg zu einer solchen gemeinsamen Sprache. Eine EU-Klassifikation nachhaltiger Finanzierungsinstrumente ist das Kernstück des Aktionsplans der Europäischen Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Die Klassifikation beruht auf der Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Tätigkeiten. Diese EU-Nachhaltigkeitstaxonomie wird es erlauben, zuverlässiger zu messen inwieweit die finanzierten Tätigkeiten zu nachhaltigen Zielen beitragen, und dabei direkte Vergleiche zwischen diesen Beiträgen zulassen.

    Sobald verabschiedet, wird die Taxonomie gemeinsame Definitionen für Kernaspekte der Nachhaltigkeit einführen, sodass einheitliche Standards für nachhaltige Anlagen (z. B. grüne Kredite und grüne Anleihen) ausgearbeitet werden können. Nur so können politische Signale und die Offenlegung von Informationen durch Emittenten und Anleger als Grundlage für bewusste und fundierte Entscheidungen an den Märkten herangezogen werden. Gleichzeitig sorgt dies für einen fairen und wirksamen Wettbewerb, der Wertschöpfung für die Gesellschaft generiert.

    Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Marktes für grüne und nachhaltige Anleihen, der im Jahr 2007 von der EIB eingeweiht wurde: Dieser Markt bewegt sich schneller als andere Produktsegmente und agiert auf Erwartungen, anstatt rückwärtsgewandt zu sein. Er gibt daher besonders lehrreichen Aufschluss über Nachhaltigkeitsziele und wie sie in der Praxis umgesetzt werden.

    Das Marktpotenzial grüner Anleihen

    Der Markt für grüne Anleihen hat bereits bewiesen, welches Potenzial in ihm steckt: In etwas mehr als einem Jahrzehnt ist er auf über 700 Milliarden Euro angewachsen, in den vergangenen fünf Jahren war das Wachstum sogar exponentiell. Mit ihren Forderungen nach Klarheit hatten Anleger und deren Nachfrage erheblichen Anteil daran. Dabei steht weiteres Wachstum in direktem Zusammenhang mit einer Ausweitung von Darlehen und anderen Investitionen, die für die Allokation von Erlösen dieser Anleihen infrage kommen. Dies ist entscheidend, um mithilfe des Finanzwesens eine nachhaltige Wirtschaft aufbauen zu können.

    >@DR
    Die meisten grünen Anleihen werden von Banken begeben, immer öfter emittieren aber auch Unternehmen ihre eigenen Anleihen, darunter große Marken in der Technologie-, Versorgungs-, Automobil- und Konsumgüterbranche. ©DR

    Die EU-Taxonomie soll die Klassifikation von Endinvestitionen und Anleiheemissionen miteinander in Einklang bringen, da der EU Green Bond Standard die Übereinstimmung mit der Taxonomie vorschreibt. Die EIB ist die größte supranationale Anleiheemittentin und auch die erste Emittentin, die die Dokumentation ihrer grünen und nachhaltigen Anleihen auf die kommende Taxonomie abgestimmt hat. Dies ermöglicht die graduelle Erweiterung der Auswahlkriterien für Projekte in Einklang mit der sich entwickelnden EU-Gesetzgebung.

    Die EIB ist Mitglied der Technical Expert Group der Europäischen Kommission, die die Taxonomie und den damit verbundenen EU-Green Bond Standard erarbeitet hat. Die Beiträge der Bank stützen sich auf das Know-how der Experten für Projektbewertung in der Direktion für Projekte sowie der Experten für Nachhaltigkeitsfinanzierung in der Direktion für Finanzen. Diese haben jahrelang gemeinsam Best Practices entwickelt, und ihre Arbeit ist eine große Hilfe für die Organisation des Marktes für grüne und nachhaltige Anleihen. Vor diesem Hintergrund konnte die EIB die Green Bond Principles (diese sind nicht verbindliche Marktleitlinien, die von der International Capital Market Association koordiniert werden) als Vorsitzende in den ersten drei Jahren entscheidend mitgestalten.

    Diese greifbaren Fortschritte zeigen: Die Anleihemärkte vermögen es, Politik, Wissenschaft, Technologie, Finanzwelt und Zivilgesellschaft weltweit zusammenzuführen, um pragmatisch darüber zu diskutieren, was „grün“ und generell was „nachhaltig“ ist.

    Die größte Herausforderung liegt nicht darin, Anleger zu finden, die die Anleihen kaufen wollen. Sie liegt darin, entlang der gesamten Investitionskette und über eine Vielzahl von Rechtssystemen hinaus Verständnis und Vertrauen zwischen Emittenten und Anlegern aufzubauen. Letztendlich verbindet dies die Finanzwelt mit der Realwirtschaft und trägt dazu bei, dass grenzüberschreitende Kapitalflüsse Zielen dienen, die für die ganze Welt von Bedeutung sind.

    Klimaschutzanleihen für einen verantwortungsbewussten Kampf gegen den Klimawandel

    Als die EIB 2007 erstmals ihre Klimaschutzanleihen begab, verpflichtete sie sich, die Erlöse ausschließlich auswählbaren Erneuerbare-Energien- und Energieeffizienz-Projekten zu allokieren. Dabei sollte auf größere Transparenz nicht nur bei den genehmigten Darlehen, sondern auch bei deren Auszahlungen geachtet und die im Laufe der Zeit erwartete Wirkung laufend überwacht werden. Dies ist deshalb wichtig, weil Marktbedingungen den tatsächlichen Mittelfluss beeinflussen können und sich die ursprünglichen Wirkungsannahmen im Zuge der Projektdurchführung ändern können.

    Erst durch die Klimaschutzanleihen wurde klar, dass über die Kreditauszahlung nach Nachhaltigkeitszielen berichtet werden kann – und nicht nur nach Wirtschaftszweigen, wie es bis heute vorherrschende Praxis ist. Damit wurde die Möglichkeit einer systematischen Messung des Einflusses der Wirtschaft auf die Umwelt verdeutlicht, die der Kapitalmarkt verstehen und steuern kann. Eine Folge dieser Entwicklung sind die kürzlich eingeleiteten „grünen Kredite“. Sie verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie den Anforderungen des Kapitalmarktes nachkommen und für die Allokation mittels grüner Anleihen infrage kommen.

    Dies wird immer wichtiger, da mehr und mehr Anleger in Klimaschutzmaßnahmen investieren und gegenüber ihren Anteilseignern das Engagement für den Klimaschutz – sowie die Wirkung der Anlagen – nachweisen wollen.

    Sehen wir uns zum Beispiel die energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern an. Der Anleger sollte abschätzen können wie effektiv eine Investition ist durch die präzise Berichterstattung über:

    • die gesparte Energie, und
    • die Höhe der vermiedenen Treibhausgasemissionen in Prozent der Gesamtprojektkosten.

    Dies wird immer wichtiger, da mehr und mehr Anleger in Klimaschutzmaßnahmen investieren und gegenüber ihren Anteilseignern das Engagement für den Klimaschutz – sowie die Wirkung der Anlagen – nachweisen wollen.

    Regulierungsbehörden können diesen Trend für die Förderung von Nachhaltigkeit nutzen, indem sie Anleger ersuchen, die erzielte Wirkung einheitlich zu messen und über sie zu berichten. Dabei sollten einschlägige Informationen in der Realwirtschaft erhoben werden, die mittels Anwendung von offiziellen technischen Evaluierungskriterien vergleichende Analysen ermöglichen.

    Die Kapitalmärkte benötigen einfache, vergleichbare und verlässliche Informationen. Die Politik ist aufgefordert, sie in Form klarerer und schlüssigerer politischer Signale zu ermöglichen.

    Pragmatisches Zusammenspiel von Märkten und Politik

    Die Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass weder Wissenschaft noch Märkte einen ausreichenden Konsens der verschiedenen Akteure herbeiführen können – sei es bei den wesentlichen Zielen, der Kombination unterschiedlicher Prioritäten oder den Methoden für eine objektive Wirkungsmessung. Deshalb müssen sich Instanzen wie die Europäische Kommission koordinierend in einen iterativen Prozess einschalten, an dessen Ende eine Definition dieser Aspekte steht, auf die sich alle Betroffenen verständigt haben.

    Damit soll nicht die Rolle der Kapitalmärkte gegenüber dem institutionellen Rahmen geschwächt, sondern ihre Komplementarität hervorgehoben werden. Die Kapitalmärkte benötigen einfache, vergleichbare und verlässliche Informationen. Die Politik ist aufgefordert, sie in Form klarerer und schlüssigerer politischer Signale zu ermöglichen. Die Kapitalmärkte agieren zudem global und fördern damit die internationale Zusammenarbeit staatlicher und überstaatlicher Stellen.

    Eine so vielseitige Institution wie die EIB kann hier als Schnittstelle fungieren, Lösungen in der Praxis erproben und Märkten wie Behörden Feedback geben. Ein Paradebeispiel ist das „Weißbuch über den Bedarf einer gemeinsamen Sprache für Green Finance“, das die EIB und das Green Finance Committee der China Society for Finance and Banking 2017 gemeinsam veröffentlichten (eine zweite Ausgabe folgte 2018). Das Weißbuch war das Ergebnis monatelanger fachlicher Arbeiten sowie Marktkonsultationen in Zusammenarbeit mit dem World Wildlife Fund. Mit Hilfe des Weißbuchs konnte die in China geltende Klassifikation für grüne Projekte ( „China Green Bond Endorsed Project Catalogue“) mit jenen Klassifikationen verglichen werden, die die EIB, andere multilaterale Entwicklungsbanken und externe Überprüfer anwenden.  Dies ist insofern von Bedeutung, als China, die EU und multilaterale Entwicklungsbanken den größten Anteil an den Märkten für grüne Anleihen haben.

    Die Ergebnisse des Weißbuchs und ein konkreter Klassifikationsvorschlag für Aktivitäten die zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen flossen in die Arbeit der Sachverständigengruppen (High-Level Expert Group und Technical Expert Group) für nachhaltige Finanzierungen der Europäischen Kommission ein. Sie bilden außerdem die Grundlage für die weiteren Arbeiten im Rahmen der International Platform for Sustainable Finance, die die Kommission auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds im September 2019 in Washington offiziell vorstellte. Die People’s Bank of China und die EIB nehmen an der Plattform teil.

    Glaubwürdigkeit durch transparente Offenlegung und Zertifizierung durch Dritte

    Anleger evaluierten ihre Performance lange Zeit nur anhand der finanziellen Rendite. Mittlerweile scheint es immer wichtiger zu werden, wo das Geld hinfließt, zu welchem Zweck es eingesetzt wird und wie seine Wirkung gemessen wird. Der EU-Green Bond Standard sieht nicht nur die Übereinstimmung der Mittelverwendung mit der EU-Taxonomie vor, sondern auch, dass Emittenten ihre Strategie und geplante Verwaltung in ihrem Rahmenwerk (dem sogenannten „Green Bond Framework“) beschreiben sowie Mittelverwendungs- und Wirkungsberichte veröffentlichen. Dabei sind zumindest die Verwendungsberichte durch eine akkreditierte Stelle zu prüfen und zu zertifizieren. Wie verhält sich dieses Modell zur Praxis der EIB?

    1. Die Dokumentation der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsanleihen („CABs“ und „SABs“) der EIB wurde bereits auf die kommende Taxonomie abgestimmt. Dies ermöglicht die Ausweitung der Auswahlkriterien für Kredite, denen die Erlöse der Anleihen allokiert werden können, in Einklang mit der sich entwickelnden EU-Gesetzgebung. Dafür werden schrittweise die Auswahlkriterien angepasst und die erforderlichen Verfahren und IT-Infrastruktur eingerichtet.
    2. Während der Prüfung eines Projekts wird bestimmt, ob es für eine Allokation von CABs oder SABs infrage kommt.
    3. Ein Projekt kann dabei zwischen 0 und 100 Prozent für eine Allokation von CABs oder SABs in Betracht kommen. Wenn zum Beispiel die förderfähigen Erneuerbare-Energien-Komponenten nur 40 Prozent der Gesamtprojektkosten ausmachen, werden Erlöse aus CABs auch nur 40% der Auszahlungen allokiert .
    4. Projektexperten ermitteln und überprüfen laufend, ob ein Projekt für die Allokation von Erlösen aus CABs und SABs infrage kommt. Die entsprechenden Auswählbarkeiten und Allokationen sind somit stets auf dem neuesten Stand. (Wenn sich die Auswählbarkeit eines Projekts nach der ursprünglichen Genehmigung ändert, müssen auch die darauffolgenden Allokationen angepasst werden.)
    5. Erlöse werden nur neuen Auszahlungen allokiert, die nach der Begebung der Anleihen erfolgen. Allokationen werden auf First-in-First-out-Basis vollautomatisch durch ein IT-Tool bestimmt, ohne manuelles Tätigwerden des Backoffices.
    6. Zweimal im Jahr werden Allokationen zum jeweiligen Stand in den Systemen der EIB verbucht. Diese Verbuchung dient als Grundlage für die Mittelverwendungs- und Wirkungsberichte, deren Erstellung überprüfbar sein muss.
    7. Die EIB veröffentlicht einmal im Jahr ihr sogenanntes „Climate Awareness Bond Framework“, das eine detaillierte Beschreibung der Strategie und Verwaltung umfasst, sowie Verwendungs- und Wirkungsberichte enthält.
    8. Das Climate Awareness Bond Framework wird zudem von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer auditiert, und zwar mit „hinreichender Sicherheit“ laut ISAE 3000, dem internationalen Standard der Wirtschaftsprüfer für sonstige betriebswirtschaftliche Prüfungen. Diese bietet eine höhere Gewähr als die „begrenzte Sicherheit“, die die gängige Marktpraxis ist.

    Anleger können sich deshalb stärker darauf verlassen, dass die im Bericht enthaltenen Angaben richtig und die Verfahren für die Erfassung, Überwachung und Berichterstattung einwandfrei sind.

    Nachhaltigkeitsanleihen für eine umfassendere nachhaltige Entwicklung

    Der Aktionsplan für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums beschränkt sich nicht auf die Bekämpfung des Klimawandels. Die EU hat einen strategischen Rahmen für eine umfassendere nachhaltige Entwicklung gestaltet. Im Verordnungsvorschlag wird betont, dass sich die Europäische Union für die Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung einsetzt und bei allen Maßnahmen und Initiativen die UN-Entwicklungsziele („Sustainable Development Goals“) verfolgt.

    Unsere Nachhaltigkeitsanleihe, die im September 2018 mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben wurde, war der erste Schritt der EIB in diese Richtung im Kapitalmarkt. Die Nachhaltigkeitsanleihen ergänzen die Klimaschutzanleihen insofern, als sie deren Ansatz vom Klimaschutz auf weitere Bereiche der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit ausdehnen. Die Anleger waren an dem neuen Produkt sehr interessiert, die Nachfrage überstieg eine Milliarde Euro. Im letzten Quartal 2019 wurde die Emission auf 1 Milliarde Euro aufgestockt und durch eine zweite Nachhaltigkeitsanleihe mit einem Volumen von zwei Milliarden schwedischen Kronen ergänzt.

    ©MINSA

    Das EIB-Darlehen über 50 Millionen Euro für die Wasseraufbereitungsanlage Juan Díaz in Panama Stadt war das erste, dem Erlöse aus sowohl Nachhaltigkeits- als auch Klimaschutzanleihen allokiert wurden. 2018 belief sich die Nachhaltigkeitskomponente auf 13,1 Millionen Euro, die Klimaschutzkomponente auf 1,5 Millionen Euro. Die Aufbereitungskapazitäten der Anlage werden von 190 000 auf 380 000 Kubikmeter verdoppelt, was 450 000 Menschen zugutekommt.

    2018 wurden Erlöse aus Klimaschutzanleihen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro 76 Projekten in 29 Ländern allokiert, mit Erlösen aus Nachhaltigkeitsanleihen 15 Projekten in 12 Ländern.

    >@EIB
    Mit ihren Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsanleihen ist die EIB auch für Anleger attraktiv, die EIB-Anleihen sonst nicht kaufen. ©EIB

    Mehr Klarheit über Nachhaltigkeit erleichtert potenziell die Bewertung risikoreicherer Projekte

    Mehr Klarheit bezüglich Nachhaltigkeit, unterstützt durch das weitere Wachstum des Marktes für grüne Anleihen, wird zuverlässigere Informationen für die Projektbewertung schaffen. Auf dieser Basis dürften Anleger auch finanzielle Risiken besser bewerten und daher eingehen können. Damit kämen nachhaltige Wirtschaftsteilnehmer (z.B. Kleinunternehmer, die sonst keinen direkten Zugang zu den öffentlichen Kapitalmärkten haben) leichter an Kredite. Denkbar wären Darlehen mit Vorzugskonditionen oder Mittel aus Fonds, die in risikoreichere grüne Anleihen investieren.

    Die EIB wird sich beispielsweise mit bis zu 60 Millionen Euro an einem Fonds beteiligen, der von Amundi verwaltet wird, dem größten Vermögensverwalter Europas. Der Fonds kauft hochrentierliche grüne Anleihen, grüne Kredite und grüne verbriefte Forderungen. Die EIB und das Amundi-Programm Green Credit Continuum werden bis zu einer Milliarde Euro für grüne Investitionen in der EU bereitstellen.

    Grüne und nachhaltige Kredite und Anleihen sind kein Nischenprodukt mehr. Das Wachstumspotenzial des Marktes ist hoch.

    Am 14. November 2019 – vor dem Hintergrund des EU-Aktionsplans „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ und der Taxonomieverordnung, über die Kommission, Parlament und Rat derzeit beraten – wurden vom Verwaltungsrat der EIB eine neue Finanzierungspolitik im Energiesektor sowie ehrgeizige Ziele für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit verabschiedet:

    • Bis Ende 2020: Ausrichtung aller Finanzierungen der EIB-Gruppe auf die Ziele und Grundsätze des Pariser Abkommens.
    • Nach 2021: Keine neuen Finanzierungen für Projekte mit fossilen Energieträgern.
    • Bis zum Jahr 2025: Schrittweise Erhöhung des jährlichen Anteils der Finanzierungen für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit auf 50 Prozent und Beibehaltung dieses Niveaus von da an.
    • 2021-2030: Förderung von Investitionen in Höhe von einer Billion Euro in Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit.

    Die Bank wird sicherstellen, dass ihre Finanzierungen in besonders betroffenen Regionen und Ländern zu einer fairen Energiewende beitragen, damit niemand zurückbleibt.

    Klimalösungen für ...

    • politische Entscheidungsträger: Senden Sie klare Signale (Nachhaltigkeitsziele, technische Evaluierungskriterien) aus und legen Sie ehrgeizige Vorgaben für nachhaltige Investitionen fest.
    • Anleger: Kaufen Sie grüne Anleihen und nutzen Sie das gute Kosten-Nutzen-Verhältnis grüner Finanzierungen.
    • Finanzinstitute: Reklassifizieren und messen Sie die Wirkung Ihres Anlageportfolios.

    Aldo Romani ist Leiter Sustainability Funding bei der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg.


    >> Die Reihe „Klimalösungen“ ist auch als Podcast und E-Book erhältlich.