Der Stromversorger Neoenergia eröffnet in Brasilien Elektrikerinnen-Klassen für mehr soziale Teilhabe

Érica Carvalho de Oliveira stammt aus einer Elektrikerfamilie. Dank des neuen Programms von Neoenergia gibt es dort bald auch eine Elektrikerin.

„Neoenergia überwindet Gender-Grenzen und holt Frauen mit seinem Projekt aus der Komfortzone,“ so Oliveira. „Ich bin stolz, dabei zu sein!“

Als einer der größten Stromversorger Brasiliens ist Neoenergia in 18 Bundesstaaten aktiv. Das Unternehmen will zeigen, dass es bei seiner Arbeit um viel mehr geht als nur um Stromerzeugung, Stromverteilung und erneuerbare Energien. Zum Beispiel um soziale Teilhabe.

Um das Leben benachteiligter Teile der Bevölkerung zu verbessern, gründete Neoenergia 2013 in Bahia eine Schule für Elektroberufe. Die Idee dahinter: Über Bildung gesellschaftliche Teilhabe fördern und Frauen unterstützen, aber auch die Chancen armer Menschen mit geringer Bildung auf bessere Jobs erhöhen.

2019 räumte die Schule mit der Vorstellung auf, dass der Elektrikerberuf nur was für Männer ist, und richtete spezielle Klassen für Elektrikerinnen ein.

„Wir wollten Menschen aus den ärmsten Vierteln helfen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und genug Geld für Miete und Essen zu verdienen“, erklärt Régia Barbosa von Neoenergia. „Neben Job-Chancen für ein besseres Auskommen wollen wir aber auch zeigen, dass traditionelle Männerberufe Frauen durchaus etwas zu bieten haben.“

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In der Elektrikerschule lernen Frauen, dass der Elektrikerberuf nicht nur was für Männer ist. ©Neoenergia

2021 hatte Neoenergia bereits mehr als 1 600 Absolventinnen und Absolventen der neuen Schule eingestellt. Und dank des neuen Programms konnten inzwischen auch knapp 300 Elektrikerinnen ihr Abschlusszeugnis erhalten.

Bessere Gender Balance

Im März 2022 unterzeichnete die Europäische Investitionsbank ein Darlehen von 200 Millionen Euro mit Neoenergia, um in Brasilien mehr Erneuerbare-Projekte zu fördern. Aber das Unternehmen will das Geld auch in eine bessere Gender Balance und soziale Aktivitäten investieren.

Neoenergias Elektrikerinnen-Programm, daran glaubt Joana Sarmento Coelho bei der EIB ganz fest, ist ein Modell für andere Unternehmen, die sich ebenfalls für mehr Teilhabe engagieren wollen.

„Neoenergia hat allen Grund, stolz zu sein“, so Sarmento. „Land, wirtschaftlicher und sozialer Status sind keine unüberwindbaren Hürden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und Neoenergia hat den richtigen Weg eingeschlagen – in eine blühende, chancengerechte Zukunft.“

Neoenergias Ausbildungsprogramm für Elektroberufe startete 2013. Das Angebot ist kostenlos und konzentriert sich auf Jobs in Gegenden, die von Neoenergia mit Strom versorgt werden, sowie auf soziale Brennpunkte, etwa in Bahia, Pernambuco, Rio Grande do Norte, São Paulo oder Brasília.

Jedes Jahr gehen Tausende Bewerbungen ein. Nach Tests in Geografie, Mathematik, Geschichte usw. bleiben etwa 200 übrig. Die erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber werden in unterschiedlichen Klassen unterrichtet, je nach gewählter Fachrichtung und theoretischem oder praktischem Schwerpunkt. Am Ende erhalten sie eine Art Zertifizierung, mit der sie bei Neoenergia oder dessen Partnerunternehmen einsteigen können.

Nachhaltiger Entwicklung verpflichtet

Weil sich Neoenergia zu den UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung bekennt, lag es 2019 nahe, das Programm für Frauen zu öffnen.

„Wir wollten etwas Neues machen“, erinnert sich Barbosa, die für die Schule zuständig ist. „Und Klassen für Elektrikerinnen – das gab es bis dahin noch nicht. Im ersten Jahr gingen über 15 000 Bewerbungen ein – für 120 Plätze. Das Projekt schlug ein wie der Blitz.“

Inzwischen organisieren wir gemischte Klassen, in denen 30 Prozent der Plätze für Frauen reserviert sind.

Das Stereotyp vom männlichen Elektriker zu brechen, ist gar nicht so leicht. Wie Männer Frauen in der Branche wahrnehmen, wie die Kundschaft auf Elektrikerinnen reagiert, welches Selbstverständnis Frauen haben: All das muss sich ändern.

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Erfolgreiche Absolventinnen können bei Neoenergia oder einem Partnerunternehmen einsteigen ©Neoenergia

„Mit der Schule beweisen wir, dass Frauen das Zeug zum Elektriker haben“, sagt Barbosa, „In puncto Fähigkeiten, Auffassungsvermögen und Leistungsbereitschaft stehen sie Männern in nichts nach. Sie müssen nur genug Selbstvertrauen mitbringen.“

Um neue Schülerinnen zu motivieren, laden wir regelmäßig Absolventinnen ein, die von ihrem beruflichen Weg nach der Ausbildung und ihren Erfahrungen berichten.

„Die Elektrikerinnen-Ausbildung ist nur der Anfang“, glaubt Aline Santos, die zurzeit die Schule für Elektroberufe in Coelba besucht. „Ich bin froh über die Möglichkeit, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Heute weiß ich, dass Frauen die Freiheit haben zu tun, was sie wollen, und wann sie wollen. Bei mir ist der Funke übergesprungen!“