In Zeiten globaler Spannungen hängt Europas Verteidigungsfähigkeit immer stärker von einer Kraft ab, die gern übersehen wird: kleine Unternehmen.
Mehr als 2 500 kleine und mittelgroße Firmen in Europa beliefern führende Rüstungshersteller wie Airbus, Thales, Rheinmetall und Leonardo. Sie liefern entscheidende Bauteile, Technologien und Dienstleistungen – und sichern damit Arbeitsplätze, Innovation und Wachstum. Aber trotz ihrer strategischen Bedeutung kommen jetzt, da die Nachfrage rapide steigt, viele nur schwer an Kredite oder anderes Kapital.
Hier setzt die Europäische Investitionsbank-Gruppe an: Über neue Partnerschaften mit Fondsmanagern und Geschäftsbanken mobilisiert sie Milliarden von Euro für kleinere Unternehmen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Für den gesamten Sektor will sie 2025 bis zu 3,5 Milliarden Euro vergeben – 2024 war es 1 Milliarde Euro.
Eine neue Ära der Verteidigungsfinanzierung
Im September 2025 beteiligte sich der Europäische Investitionsfonds (EIF) mit 30 Millionen Euro als Ankerinvestor an Sienna Hephaistos Private Investments – dem ersten Private-Credit-Fonds Europas, der ausschließlich Unternehmen in der Verteidigungsindustrie finanziert. Eine wegweisende Investition! Der Fonds wird von Sienna Investment Managers in Luxemburg verwaltet. Er soll auf 500 Millionen Euro anwachsen und 25 bis 30 Unternehmen der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsbasis unterstützen.
„Der Fonds ist ein Pionier in einem Markt, der gerade kräftig wächst“, sagt Adrien Desbois, Kreditspezialist beim Europäischen Investitionsfonds. „Wir erwarten, dass es bald mehr und mehr solcher Fonds gibt. Aber dieser hier ist für Europa ein Novum.“
Der EIF beteiligt sich unter der InvestEU-Eigenkapitalfazilität für den Verteidigungsbereich – einem Mandat, das privates Kapital für Europas Sicherheits- und Verteidigungsziele mobilisieren soll. Mit passgenauen Kreditlösungen hilft der Hephaistos-Fonds Unternehmen, Produktionskapazitäten auszubauen, Vorräte zu erhöhen oder strategische Zusammenschlüsse voranzutreiben – ohne dass er Eigentumsanteile verwässert.
Investitionen in neue Ideen
Der EIF unterstützt aber nicht nur klassische Rüstungshersteller. Er fördert auch Unternehmen, die an Sicherheitstechnologien der nächsten Generation arbeiten. Im Mai 2025 beteiligte er sich mit 40 Millionen Euro am European Defence and Security Tech Fund von Keen Venture Partners – die erste Investition des EIF in einen auf Verteidigung spezialisierten europäischen Fonds.
Keen konzentriert sich auf Firmen in der Frühphase, die sich mit Informationsüberlegenheit, Cyberabwehr, Robotik, künstlicher Intelligenz, autonomen Systemen und Weltraumtechnologien befassen. Der paneuropäische Ansatz schließt auch das Vereinigte Königreich, die Türkei und Norwegen ein, weil die Herausforderungen für die Sicherheit den ganzen Kontinent betreffen.
„Die Chance, mit der vollen Venture-Capital-Unterstützung die Kraft junger Tech-Unternehmen in Europas Verteidigungsökosystem einzubringen, ist riesig“, sagt Alexander Ribbink, Partner bei Keen Venture Partners. „Für ein stärkeres und sichereres Europa brauchen wir genau diese Mischung aus Einfallsreichtum und Mut.“
Bankkredite für mehr Sicherheit
Parallel dazu steigt auch die Europäische Investitionsbank selbst stärker in die Finanzierung der Branche ein. Dafür vergibt sie vermehrt sogenannte durchgeleitete Kredite über europäische Großbanken.
Den Anfang machte im Juni ein Kredit über 500 Millionen Euro an die Deutsche Bank. Damit kann insgesamt 1 Milliarde Euro an kleine und mittelgroße Zulieferer in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie in militärische oder polizeiliche Infrastruktur fließen.
Nur eine Woche später folgte ein 300-Millionen-Euro-Kredit an die französische BPCE-Gruppe – der erste seiner Art in Frankreich unter dem erhöhten Budget. Die Mittel sollen gezielt an französische Unternehmen gehen, die in Cybersicherheit, Überwachung, Resilienz und Verteidigungstechnologien investieren.
Zusätzlich hat die EIB-Gruppe eine Vereinbarung mit den öffentlichen Förderbanken Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Polens und Spaniens unterzeichnet. Ziel ist ein europaweiter Ansatz, um die Sicherheit und Verteidigung zu stärken. Dazu wollen die EIB und die fünf langfristigen Investoren – Caisse des Depôts, Kreditanstalt für Wiederaufbau, Cassa Depositi e Prestiti, Bank Gospodarstwa Krajowego und Instituto de Crédito Oficial – künftig enger zusammenarbeiten. Bei Investitionsfeldern und möglichen gemeinsamen Finanzierungen für Forschung und Entwicklung, industrielle Kapazitäten und Infrastruktur.