>@Shutterstock
©Shutterstock
  • Unterstützt von der eradicateMalaria-Initiative will die deutsche Biotech-Firma BioNTech einen mRNA-basierten Impfstoff gegen Malaria entwickeln und eine mögliche mRNA-Impfstoffproduktion in Afrika prüfen
  • Team Europe stellt substanzielle finanzielle Unterstützung in Aussicht, etwa für BioNTechs klinische Studien in der Spätphase der Entwicklung
  • eradicateMalaria steht unter Leitung der kENUP Foundation und profitiert von den Netzwerken der Weltgesundheitsorganisation und des Africa Centre for Disease Control

Das deutsche Unternehmen BioNTech hat heute ein Projekt zur Entwicklung eines Malaria-Impfstoffkandidaten auf Basis seiner mRNA-Technologie bekannt gegeben. Das Projekt wird von der eradicateMalaria-Initiative unterstützt. Es hat auch zum Ziel, die Impfstoff-Produktionskapazitäten in Afrika zu erweitern. BioNTech entwickelte gemeinsam mit Pfizer den ersten mRNA-basierten Covid-19-Impfstoff. Für seine Krebs- und Covid-19-Forschung hatte das Unternehmen im Rahmen der Investitionsoffensive für Europa zwei Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten.

Der wissenschaftliche Fortschritt und die unternehmerischen Entwicklungen während der Pandemie wecken die Hoffnung, dass es bald auch einen hochwirksamen Impfstoff gegen Malaria geben könnte. Ein Sieg über die Krankheit schien bisher unerreichbar, trotz enormer finanzieller und gesundheitspolitischer Anstrengungen der Weltgemeinschaft. BioNTech ist der erste große Impfstoffentwickler, der sich seit über 30 Jahren daran macht, die Krankheit auszurotten. Das Unternehmen fährt dabei zweigleisig: 1) Es will einen mRNA-Impfstoff der ersten Generation entwickeln, für den es ein bereits bekanntes Antigen verwendet, das CSP-Protein. Die klinische Erprobung dieses Impfstoffkandidaten der ersten Generation soll voraussichtlich Ende 2022 beginnen. 2) Zudem will BioNTech potenziell neue Antigene identifizieren, die zu einem Impfstoff der zweiten Generation mit höherer Wirksamkeit führen könnten. Darüber hinaus will das Unternehmen den potenziellen Impfstoff in afrikanischen Fabriken herstellen – entweder in Lizenzproduktion oder in Eigenregie.

Die Entwicklung seines Malaria-Impfstoffkandidaten und die erste Phase der klinischen Erprobung will BioNTech über seine Gewinne aus der Covid-19-Impfstoffproduktion finanzieren. Die EIB und die Europäische Kommission unterstützen Unternehmen, die an der Ausrottung von Malaria arbeiten, über das gemeinsame, im Rahmen von Horizont 2020 initiierte Programm InnovFin für Infektionskrankheiten. EIB-Kredite stehen Projekten dabei hauptsächlich in der Spätphase der klinischen Entwicklung zur Verfügung, in der es darum geht, die Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz eines Medizinprodukts nachzuweisen.

„Malaria ist eine Krankheit, die sich Versuchen, einen effektiven Impfstoff gegen sie zu finden, bisher widersetzt hat – deshalb braucht es viel Mut und Engagement, um den Weg einzuschlagen, den BioNTech jetzt geht“, sagte EIB-Präsident Werner Hoyer. „Nur mit einem wirksamen Impfstoff können wir darauf hoffen, eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern in weniger entwickelten Ländern auszurotten. Die mRNA-Technologie hat sich in der Pandemie als Revolution erwiesen. Die EIB bekräftigte ihre Unterstützung dieser Technologie bereits 2019 und 2020 mit Krediten an BioNTech, zuerst für die Entwicklung von Krebstherapien, dann für die Forschung am Covid-19-Impfstoff. Wenn mRNA auch die Entwicklung von Malaria-Impfstoffen revolutionieren kann, möchte die EU-Bank dabei gerne helfen.“

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission: „Wir erleben den Beginn einer Revolution in der Medizinwissenschaft – die Revolution der mRNA-Technologie mit BioNTech und anderen als Pionieren. Dank dieser Technologie werden nun Milliarden Dosen Covid-19-Impfstoff für Europa und die Welt produziert. Und die mRNA-Technologie kann auch im Kampf gegen andere Krankheiten den Durchbruch bringen. Einschließlich Malaria. Der Sieg über die Malaria ist ein realistisches Ziel, das schon in dieser Generation erreicht werden könnte. Die Europäische Kommission unterstützt die weltweiten Bemühungen zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen Malaria. Diese Initiative ist auch ein Teil des breiteren Engagements der Europäischen Union für die Gesundheit in Afrika und den Entwicklungsländern. Wenn wir Erfolg haben, werden wir nicht nur besser für die nächste Pandemie gerüstet sein. Wir haben dann auch in einen afrikanischen Kontinent investiert, der endlich frei von Malaria ist.“

Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend: „Seit Jahrzehnten vergeben wir aus den Forschungs- und Innovationsprogrammen und Finanzinstrumenten der Europäischen Union Mittel, die zur globalen Forschungsagenda für Malaria beitragen. Das werden wir auch weiterhin tun. Um die weltweite Bedrohung durch Malaria einzudämmen, braucht es bahnbrechende Entdeckungen und unsere klügsten Köpfe, aber auch einen Schulterschluss von Entscheidungsträgern und Investoren. Heute freue ich mich sehr, dass wir gemeinsam mit unseren weltweiten Partnern ein neues Vorhaben in Angriff nehmen, an dessen Ende mRNA-basierte Impfstoffe gegen Malaria stehen, um die Krankheit ein für alle Mal auszurotten.“

Jutta Urpilainen, Kommissarin für internationale Partnerschaften: "Ich begrüße die bahnbrechende Ankündigung der Firma BioNTech, die mRNA-Technologie im Kampf gegen Malaria, eine der schlimmsten Krankheiten auf dem afrikanischen Kontinent, einzusetzen. Unsere Team-Europe-Initiative zur Verbesserung der Impfstoffherstellung und des Zugangs zu Medikamenten und Gesundheitstechnologien in Afrika wird dieses wichtige Projekt unterstützen."

Uğur Şahin, CEO und Mitbegründer von BioNTech: „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, das Leid der Menschen weltweit zu verringern. Deshalb sehen wir es als unsere Pflicht, unsere Technologie dafür einzusetzen, einen mRNA-basierten Impfstoff gegen diese lebensbedrohliche Krankheit zu entwickeln und herzustellen. Wir arbeiten an nachhaltigen Lösungen, für die Menschen in Afrika und gemeinsam mit ihnen. Mit der richtigen Infrastruktur können wir diese disruptive Technologie im Kampf gegen verschiedene Krankheiten einsetzen. Aufbauend auf unserer mRNA-Technologie und dem Wissen, das wir in der Pandemie gewonnen haben, werden wir erheblich in die Impfstoffentwicklung investieren und Produktions-Know-how an Standorte auf dem afrikanischen Kontinent weitergeben.“

Parallel zur Entwicklung eines Malaria-Impfstoffs wird BioNTech prüfen, wie nachhaltige mRNA-Produktionskapazitäten auf dem afrikanischen Kontinent aufgebaut werden können. Das Unternehmen will sich mit seinen potenziellen Produktionsstätten in Afrika an den „Technology Transfer Hubs“ beteiligen, die derzeit von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgebaut werden. Über diese Plattformen versucht die WHO zu erreichen, dass Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen Produktionskapazitäten für Covid-19-Impfstoffe aufbauen und mehr Impfstoffe weltweit hergestellt werden. Dass BioNTech die Impfstoffproduktion auf dem afrikanischen Kontinent stärken will, entspricht auch den Zielen der SHIRA-Initiative (Sustainable Healthcare Industry for Resilience in Africa) von Team Europe: die geplanten mRNA-Impfstoffproduktionsanlagen der Firma könnten auch den bestehenden Covid-19-Impfstoff oder einen neuen Tuberkulose-Impfstoff produzieren – vorbehaltlich einer erfolgreichen Entwicklung von Impfstoff-Kandidaten und ihrer behördlichen Zulassung.

Der Kampf gegen Malaria gehört seit einigen Jahren zu den Prioritäten der Europäischen Union in den Bereichen Gesundheit und Entwicklung. Im Jahr 2019 unterstützten die EIB und die Europäische Kommission den EU Malaria Fund, eine von der kENUP Foundation initiierte öffentlich-private Partnerschaft zwischen der Europäischen Union, internationalen Organisationen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft. Mit der Weiterentwicklung des Malaria-Impfstoffkandidaten von BioNTech auf einer bewährten Technologieplattform hat der EU Malaria Fund seinen Auftrag früher als erwartet erfüllt. Am 30. Juni endete daher seine Investitionsphase. Der Fonds hat erfolgreich mehr als zwei Dutzend neuartige wissenschaftliche Ansätze im Kampf gegen Malaria angestoßen und verschiedene innovative Unternehmen finanziert.

Hintergrundinformationen

Team Europe

Die Team Europe-Initiative wurde in der Coronakrise ins Leben gerufen und stand ursprünglich für die Idee, Partnerländern kollektiven europäischen Beistand in der Pandemie zu leisten. Zu Team Europe gehören EU-Institutionen, EU-Länder und deren Durchführungsorganisationen sowie verschiedene Entwicklungsbanken. Heute reagiert Team Europe auch auf längerfristige politische Entwicklungen. Das Konzept dient nun als Blaupause für die EU-weite Entwicklungszusammenarbeit.

Malaria

Laut dem jüngsten Welt-Malaria-Bericht der WHO verhinderten die weltweiten Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit seit dem Jahr 2000 mehr als 1,5 Milliarden Malariafälle und 7,6 Millionen Todesfälle. In den letzten Jahren sind die Fortschritte jedoch ins Stocken geraten und wichtige Ziele in weitere Ferne gerückt. Im Jahr 2019 gab es weltweit etwa 229 Millionen neue Malariafälle. Diese jährlich geschätzte Zahl ist in den letzten vier Jahren praktisch unverändert geblieben. Malaria forderte 2019 etwa 409 000 Todesopfer im Vergleich zu 411 000 im Jahr 2018. Etwa drei Viertel davon sind Kinder unter fünf Jahren.

eradicateMalaria

Die Initiative eradicateMalaria steht unter der Leitung der kENUP Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die forschungsbasierte, einem gesellschaftlichen Nutzen dienende Innovationen in der Gesundheitsbranche fördert. Ihr Ziel ist es, Innovationen gegen Malaria auf den Weg zu bringen. Laut der WHO und des wissenschaftlichen Beirats von eradicateMalaria können im Rahmen von eradicateMalaria weitere Projekte verschiedener Unternehmen berücksichtigt werden.

Europäische Kommission fördert Malariaforschung

Unter den Rahmenprogrammen FP7 und Horizont 2020 für Forschung und Innovation hat die Europäische Union 86 Malaria-Forschungsprojekte mit 160 Millionen Euro unterstützt. Im Fokus standen Diagnose, Impfstoffentwicklung, Vektorkontrolle, Behandlung sowie Grundlagen- und operative Forschung, Forschungsinfrastrukturen und Ausbildung.

Europa war auch federführend bei der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP), die 2003 gemeinsam mit 16 europäischen Ländern ins Leben gerufen wurde. Ziel der Initiative ist es, klinische Studien und Kompetenzaufbau im Kampf gegen Malaria und andere Infektionskrankheiten in Afrika zu unterstützen. Bislang wurden 74 Projekte mit 135 Millionen Euro gefördert.

InnovFin – Infektionskrankheiten

Die InnovFin-Fazilität zur Erforschung von Infektionskrankheiten ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission und der EIB-Gruppe. Sie ist Teil von Horizont 2020, dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm 2014–2020. Über die Fazilität kann die EIB Finanzierungen zwischen 7,5 Millionen Euro und 75 Millionen Euro an innovative Unternehmen vergeben, die neue Impfstoffe, Arzneimittel, medizinische und diagnostische Geräte entwickeln oder Infrastrukturen zur Erforschung von Infektionskrankheiten schaffen. Finanziert werden vor allem Projekte, die die präklinische Phase abgeschlossen haben und im nächsten Schritt die klinische Validierung benötigen. Die Fazilität wurde um 400 Millionen Euro aufgestockt, damit die Bank mehr Mittel für den Kampf gegen Covid-19 bereitstellen kann.