Finnisches Metaversum-Unternehmen Varjo ermöglicht virtuelles Teleportieren mit innovativer VR-Technologie

1966 startete die Besatzung des Raumschiffs Enterprise ins All – und in die amerikanischen Wohnzimmer. Star Trek sollte wie kaum eine andere Fernsehserie auch das wahre Leben beeinflussen.

Die Science-Fiction der Serie führte zu realen wissenschaftlichen Durchbrüchen. Ihre technischen Spielereien lieferten die Inspiration zu vielen modernen Geräten wie Handys, Tablets und Bluetooth-Headsets. Doch das berühmteste Star-Trek-Gerät muss noch entwickelt werden.

Oder existiert es doch schon? Das finnische Unternehmen Varjo bejaht das – es macht Teleportieren möglich.

Von der Fiktion zur Realität

Varjos Technologie ist wahrscheinlich nicht so, wie Sie sich das Teleportieren vorstellen. Es funktioniert ganz anders als in Star Trek. Niemand wird dematerialisiert und rematerialisiert sich anschließend an einem anderen Ort. Niemand geht wirklich auf eine Reise.

Aber wie funktioniert es?

„Mit unserer Technologie können Sie Ihre Umgebung in 3D erfassen und dann andere Personen in diesen Raum einladen“, sagt Urho Konttori, Mitbegründer und CTO von Varjo.

Und das geht nur mit dem von Varjo entwickelten Extended Reality Headset.

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©Varjo

Das Headset digitalisiert die Welt in Echtzeit und stellt alles, was Sie sehen, in rasender Geschwindigkeit dar. Der Feed wird in die Cloud übertragen und mit anderen Personen (die auch das Headset tragen) geteilt. Dadurch finden sie sich mit Ihnen in einer hochpräzisen 3D-Rekonstruktion Ihrer Umgebung wieder – unabhängig von ihrem tatsächlichen Aufenthaltsort.

„Das Beste daran ist, dass Sie diese 3D-Realität gemeinsam bearbeiten und verändern können, so wie Sie es mit einem Foto oder Video tun würden“, so Konttori. Varjo nennt es fotorealistische virtuelle Teleportation.

Aktuell ist die Teleportation noch in der Entwicklung und nur für Varjo-Nutzer verfügbar. Aber das Unternehmen will sie auf jedem Gerät möglich zu machen.

Europäisches Unternehmen weltweit führend

Konttori wuchs in Helsinki auf, nur zwei Kilometer vom heutigen Varjo-Hauptsitz entfernt. Er liebte Rollenspiele wie Shadowrun und Science-Fiction-Romane. „Am meisten beeinflusste mich in dieser Zeit das Buch ‚Neuromancer‘ von William Gibson.“ Der Cyberpunk-Roman handelt von einem Hacker, der mithilfe eines am Kopf befestigten Geräts in den Cyberspace eindringt. Klingt vertraut?

30 Jahre später ist aus der Fiktion Realität geworden. Varjo ist ein weltweit führender Anbieter von Virtual- und Mixed-Reality-Hardware und -Software. Seine Headsets bieten die höchste Auflösung auf dem Markt.

Aber Unternehmen lassen sich nur schwer überzeugen, etwas zu kaufen, das sie nicht sehen können. Pandemiebedingt abgesagte Messen und weltweite Lockdowns machten es Varjo schwer, seine Lösungen neuen Kunden vorzustellen. Gleichzeitig schoss die Nachfrage nach besseren Remote-Collaboration-Tools in die Höhe.

Dann sprang die Europäische Investitionsbank in die Bresche.

Sie unterstützte Varjo mit 20 Millionen Euro über eine sogenannte Venture-Debt-Finanzierung unter dem Europäischen Garantiefonds. Der Fonds hilft europäischen Unternehmen in der Pandemie, damit sie ihr Personal halten und sogar wachsen können. Venture Debt ist ein eigenkapitalähnliches Investment, für das die Unternehmensgründer keine Anteile abgeben müssen.

„Über unser Venture-Debt-Programm kann die Europäische Investitionsbank innovative Unternehmen in Sektoren, die für die Zukunft Europas von strategischer Bedeutung sind, direkt unterstützen“, erklärt EIB-Kreditreferent Francisco Alves da Silva.

Genau davon profitiert Varjo.

„Wir sind ein kleines Unternehmen, konkurrieren aber mit Branchenriesen wie Meta, Google und Microsoft. Mit der Finanzierung von der EIB können wir an der Spitze bleiben und weiter Innovationen hervorbringen.

Simulated (mixed) reality

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Unternehmen aus verschiedenen Branchen haben erkannt, wie vielseitig die Technologie von Varjo ist. Sie wird in vielen Bereichen eingesetzt, von der Bühnengestaltung und Bauplanung bis hin zur chirurgischen Ausbildung und Flugsimulation. Varjo arbeitet mit Airbus und Boeing zusammen. 2021 erteilte die Europäische Agentur für Flugsicherheit die Zulassung für die erste offizielle VR-basierte Flugausbildung, natürlich mit Headsets von Varjo.

Besonders gefragt ist Varjos Mixed-Reality-Hardware und -Software in der Automobilindustrie. „Unsere Technologie wird heute weltweit von fast allen Autobauern genutzt“, sagt Konttori.

Das überrascht nicht. Mit Varjos Headsets und den cloudbasierten Diensten können Teams Entwürfe in Echtzeit durchgehen – als wären alle Mitglieder vor Ort. Die Entwurfsprüfung dauert nun statt Tagen nur noch wenige Stunden.

Vorteil: Weniger Reisen und dadurch weniger CO2-Emissionen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können Fabriken in verschiedenen Ländern besuchen, ohne in ein Flugzeug zu steigen. „Durch die Reisebeschränkungen konnten wir unsere Fabrik zwar fast zwei Jahre lang nicht besuchen, aber trotzdem regelmäßige Kontrollen durchführen. Wir setzten einfach unsere Kopfhörer auf und waren innerhalb von Sekunden vor Ort“, so Konttori.

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Metaversum in der Realität verankert

Im Jahr 2021 wurde Facebook zu Meta, und das Wort „Metaversum“ machte weltweit Schlagzeilen. Das Konzept stammt aus der Science-Fiction und beschreibt ein Netz virtueller Räume, in denen man mit Personen interagieren kann, die sich nicht im selben Raum befinden. Im Grunde ist es das Internet, aber in 3D.

Viele stellen sich das Metaversum als eine vollanimierte virtuelle Welt vor. Varjo sieht das jedoch anders. „Auch wenn es jeder Intuition widerspricht: Dieses in der Realität verankerte Metaversum skaliert schneller als ein vorgerendertes Metaversum, das man von Grund auf neu aufbauen muss“, sagt Konttori. Mit der Technologie von Varjo können Sie ein gemeinsames Metaverse schaffen, indem Sie sich einfach umsehen und Ihre Umgebung in Echtzeit in 3D scannen. „Es ist mit Abstand der schnellste, einfachste und am besten skalierbare Weg, einen virtuellen gemeinsamen Raum zu schaffen.“

„Varjo verwischt die Grenze zwischen Science-Fiction und Realität“, so Alves da Silva.

Oder wie Jules Verne, der Vater der Science-Fiction, einst schrieb: „Alles, was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.“