Neue Berufung in der Coronakrise: von Industrieabfall zu Handgel

Von Chris Welsch

Als die Covid-19-Pandemie Frankreich erreichte, wurden einige Bedarfsartikel knapp. Zum Beispiel Handdesinfektionsmittel auf Alkoholbasis. iNex Circular eilte bereitwillig zu Hilfe.

„Alles begann eher zufällig: Jemand von der Regierung war auf uns aufmerksam geworden und fragte, ob wir die Inhaltsstoffe von Handgel ausfindig machen könnten“, erzählt Olivier Gambari, Chef des französischen Unternehmens. „Da sagten wir natürlich ja.“

Olivier gründete iNex Circular zusammen mit Pierre Beuret. Die Firma fördert die Kreislaufwirtschaft, indem sie enorme Mengen an Daten über Industrieabfälle sammelt. Des einen Müll ist oft des anderen Kraftstoff – iNex bringt potenzielle Partner zusammen, um Müllberge und Umweltverschmutzung zu bekämpfen.

Bessere Daten zu Handgel

Innerhalb von einer Woche schuf iNex mit 60 Freiwilligen eine Datenbank, die Auskunft darüber gab, wo Inhaltsstoffe von Handgel produziert werden. Diese Informationen gaben sie dann an Behörden weiter. Einige Unternehmen erklärten sich bereit, Rohstoffe zu spenden oder zu verkaufen, andere boten ihre Produktionskapazitäten an. iNex Circular war wegen der Pandemie in den Shutdown gegangen und stellte seine freien Kräfte und sein Know-how nur allzu gerne für den guten Zweck zur Verfügung.

„Viele Unternehmen wollten helfen, das spornte uns an“, so Olivier.

In der sechsten Lockdown-Woche umfasste die Gel-Datenbank von iNex 18 000 Unternehmen, und die Gelproduktion zog schon deutlich an. „Wir arbeiten mit Pharma- und Kosmetikunternehmen zusammen. Sogar mit Schnapsbrennern, die Whiskey oder ‚Eau de vie’ herstellen, wie wir in Frankreich sagen. Jetzt geht das nicht mehr, deswegen überlassen sie uns ihr Ethanol“, erzählt Olivier.

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Mit 60 Freiwilligen baute iNex eine Datenbank auf, die Standorte von Inhaltsstoffen für Handgel speichert ©Getty Images

iNex gehört zu den Gewinnern des Wettbewerbs für Soziale Innovation. Damit zeichnet das EIB-Institut jedes Jahr europäische Unternehmen aus, die sich für soziale, ethische oder ökologische Belange einsetzen.

Das Unternehmen sucht seit drei Jahren nach Wegen, um CO2-Emissionen und Umweltverschmutzung zu verringern. Es verfolgt das Ziel einer Kreislaufwirtschaft, in der Produkte nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet werden. iNex arbeitet vor allem mit Fabriken und Recyclingbetrieben zusammen, hauptsächlich in Frankreich, wo es immer mehr Biogasanlagen gibt.

Überraschend effizient

Die Ideen von iNex sind oft überraschend effizient. Olivier erzählt von einer Fabrik in den Niederlanden, die Bioabfall aus Südfrankreich kommen ließ – iNex fand eine lokale Quelle nur 50 Kilometer entfernt. Die iNex-Datenbank für Bioabfall enthält Informationen zu insgesamt zwei Millionen Unternehmen, davon allein 800 000 in Frankreich.

Bislang stellt iNex die Daten für das Gelprojekt noch kostenlos zur Verfügung. Olivier würde die Datenbank aber gerne auf ganz Europa ausweiten, und das geht nicht ohne Unterstützung.

Das achtköpfige Team ist froh, sich während der Pandemie nützlich machen zu können.

„Wir wollten etwas tun, und hier bot sich eine Chance“, sagt Olivier. „Frankreich zu helfen war uns wichtig.“