Kunden und gutes Personal zu finden, ist für Start-ups die größte Herausforderung. Da waren sich auf dem Web Summit in Lissabon alle einig.

Seit 2009 ist der Web Summit alljährlich ein Treffpunkt für Gründerinnen und Gründer aus allen Bereichen der Onlinewelt. Netzwerken, Wissen austauschen und gemeinsam Chancen ausloten – auf der dreitägigen Konferenz mit über 75 000 Teilnehmern bot sich wieder reichlich Gelegenheit dazu.

„Ich möchte von Start-ups aus erster Hand erfahren, wie sie mobile Apps auf den Markt gebracht haben“, sagt Luliana Tatianina, die als technische Redakteurin in Lissabon dabei ist.

Voneinander lernen und Kontakte knüpfen – das war vielen auf dem Gipfel wichtig, besonders denen, die mit Start-ups zu tun haben.

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Benjamin Caron, Chief Executive, and Louis Grasset, Front-end developer, FreeYourInbox ©EIB

Existenzgründung ist kein Kinderspiel. Jede Herausforderung ist anders und verlangt zumeist eine ganz individuelle Lösung.

„Das Schwierige war, Nutzer für unser Angebot zu finden“, erzählt Benjamin Caron von FreeYourInbox, einem Pariser Start-up, das prädiktive E-Mail-Filter entwickelt. „In Frankreich kann das mühsam sein. Du musst belegen, was du machst. In den USA haben es junge Start-ups da oft leichter.“

Die US-Kundschaft steht Software as a Service (SaaS) auch offener gegenüber. „SaaS-Produkte sind in den USA stärker verbreitet als in Frankreich“, weiß Caron. Dort seien die Leute eben schon mehr an cloudbasierte Abodienste gewöhnt.

Die Jagd nach Kunden

Niddia Paauwe, Kreativstrategin des niederländischen Start-ups Omniboost, das Softwarelösungen zur Finanzdatenintegration anbietet, stimmt ihm zu: „Neue Kunden zu gewinnen, ist die große Herausforderung.“

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Niddia Paauwe, Kreativstrategin, Omniboost ©EIB

„In Holland klappt das gut“, findet Paauwe, weil ihr Unternehmen die Kultur dort gut kennt. „Aber andere Länder sind anders. Manche Kulturen sind schwer zu verstehen. Du brauchst Leute vor Ort, die mit der Kultur vertraut sind und wissen, wie der Hase läuft.“

Ein anderes Problem: Deutlich machen, was das eigene Angebot auszeichnet, vor allem, wenn es ein Nischenprodukt ist. Das wird immer schwieriger, weil die Technologieszene schon ziemlich gesättigt ist.

„Für ganz neue Lösungen, die schwer zu verstehen sind, findet man kaum Investoren“, berichtet Frantisek Rouca, Chef des Prager E-Mail-Dienstleisters Storming Force. „Die Leute fragen: ‚Wer sind die Wettbewerber?‘ Kannst du das nicht beantworten, denken sie vielleicht, da gibt es keine Nachfrage. Sie sehen das Potenzial nicht.“

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Debbie Millman, CEO von Design Matters Media, im Gespräch mit Eric Schurenberg, CEO und Editor-in-Chief, Inc and Fast Company ©EIB

Deshalb ist für Start-ups auch das Branding wichtig. „Branding bedeutet, sich bewusst von anderen abzuheben“, erklärt Debbie Millman, die den Podcast „Design Matters“ betreibt. „Ich überlege mir, was mein Produkt ausmacht und worin es sich von allen anderen unterscheidet.“

„Die meisten denken am Anfang nicht an die Zukunft“, fügt sie hinzu. „Sie wollen einfach so schnell wie möglich Erfolg haben, egal womit. Wir müssen Start-ups zeigen, wie sie ihr Wachstum planen. Markenarchitektur, Produktentwicklung – mit solchen Themen befassen sich viele gar nicht.“

Gute Teams mit innovativen Köpfen

„Du musst die Latte hoch legen und dann immer höher setzen“, meint Alejandro Artacho von Spotahome, einem Mietwohnungsportal, das sich als Start-up in Spanien gut etabliert hat. „Du brauchst ein gutes Team mit Leuten, die in Sachen Produkte und Technik auf zehn Jahre vorausdenken.“

„Wir sollten uns immer Leute holen, die schlauer sind als wir selbst“, ergänzt er. „Und nichts überstürzen. Sich Zeit nehmen, die Richtigen zu finden – es lohnt sich.“

Wenn du der hellste Kopf im Raum bist, bist du im falschen Raum.

  • Alejandro Artacho, CEO, Spotahome
  • 14 April 2019

Gute Leute zu finden, ist auch für andere nicht leicht. „Wir haben in ganz Europa zu wenig Entwicklerinnen und Entwickler“, sagt Rouca. Das sei auch weltweit ein Problem.

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Andres Lozano, Chief Operating Officer, MedVisit ©EIB

Hinzu kommt für Start-ups die Suche nach Investoren.

„Wir bieten eine internationale Lösung an; deshalb sind wir für Investoren hier attraktiv“, sagt COO Andres Lozano von MedVisit. Das Start-up aus Barcelona bringt Reisende im Ausland in Kontakt mit örtlichen Ärzten

„Aber wie finden wir die richtigen Partner? Wir brauchen intelligentes Kapital für hochwertige Dienstleistungen und Zugang zu [den richtigen] Systemen.“

Näheres dazu, wie die Bank und der Europäische Investitionsfonds Start-ups in Europa fördern, finden Sie unter http://accesstofinance.eu. Informieren Sie sich auch über unsere Beteiligung am Web Summit.