In der schnelllebigen Modewelt steht das spanische Unternehmen Ecoalf für Recycling der etwas anderen Art: Es stellt Kleidung aus Meeresmüll her.

Javier Goyeneche sieht Schönheit, wo andere Leute Müll sehen. 2012 gründete er deshalb Ecoalf. Das Unternehmen nimmt im Meer treibende Plastikflaschen, alte Fischernetze, weggeworfene Teppiche und Stofffetzen, Wollreste, Altreifen und Kaffeesatz – und fertigt daraus Textilien.

„Rund 70 bis 90 Flaschen ergeben einen Meter Nylonfaden. Bis ein neues Modell auf den Markt kommt, dauert es ein Jahr“, erzählt Ecoalfs Sprecherin Carolina Alvares-Ossoria. Bislang wurden so zwei Millionen Flaschen und 100 Tonnen Fischernetze recycelt.

In weniger als zehn Jahren schafften es die Produkte des Unternehmens in 1 000 Geschäfte auf der ganzen Welt. In Madrid, Barcelona, Malaga, Berlin, Amsterdam und Tokio hat Ecoalf eigene Läden. Das Unternehmen ist Partner von Desigual, Apple und Swatch. Deren Angestellte tragen Poloshirts und Pullis, die aus 40 807 Plastikflaschen und recycelter Wolle hergestellt wurden. Allein dadurch wurden 30 Millionen Liter Wasser gespart.

Ecoalf verwendet ausschließlich nachhaltige Biobaumwolle und ‑fasern. „Biobaumwolle verbraucht weniger Wasser – für ein T-Shirt sind es sonst über 2 000 Liter. Außerdem ist sie gut für die lokale Vegetation, den Boden und die Gesundheit der Feldarbeiter und Bäuerinnen“, so Alvarez.

Im Oktober 2019 brachte das Unternehmen seine erste Yoga-Kollektion auf den Markt, aus innovativen Recyclingmaterialien wie Q-Nova®, einer umweltfreundlichen Nylonart aus regenerierten Rohstoffen, recyceltem Polyester und Tencel ™, einem sehr weichen, nachhaltigen Stoff.

Die T-Shirts, Leggings und Tops werden in Portugal mit der Seamless-Technik produziert. Durch das nahtlose Design wird exakt die notwendige Menge an Material verarbeitet, die Verschwendung wird auf ein Minimum begrenzt.

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Wie Fischernetzmode die Meere rettet

Bei Ecoalf wird Müll nicht einfach nur recycelt. Das Unternehmen will Verschmutzung bereits an der Quelle verhindern.

Im Jahr 2015 lancierte die Ecoalf-Stiftung die Kampagne „Upcycling the Oceans Spain“ und erreichte damit mehr als 3 000 Fischerleute in 40 Häfen an Spaniens Küsten. Das Unternehmen stellte ihnen die notwendige Ausrüstung bereit, um alte Netze und Nylon aufzubewahren, die ansonsten im Mittelmeer gelandet wären. In den letzten fünf Jahren wurden über 500 Tonnen Plastik und Abfall aus dem Meer gesammelt, neue Kampagnen im Mittelmeerraum sind geplant.

„Upcycling Thailand“, eine auf drei Jahre angelegte Initiative, wurde 2017 mithilfe der lokalen Tourismusbüros und dem größten thailändischen Petrochemieunternehmen PTT Global Chemical auf den Weg gebracht. Beliebte Touristen-Hotspots wie Koh Samet, Tao und Phuket sollen sauberer werden.

Touristinnen und Touristen, Anwohner, Taucherinnen, Fremdenführer und staatliche Behörden halfen bei dem Projekt mit, das der lokalen Wirtschaft Antrieb gab.  Einiges, was am Meeresgrund gefunden wurde, fand im Dezember 2019 Verwendung in einem Wettbewerb für nachhaltige Mode.

„Das Upcycling von Meeresmüll ist wahrscheinlich unser revolutionärstes Projekt“, erzählt Alvarez. „Nach den Erfolgen in Spanien und Thailand wollen wir die Kampagne jetzt in andere Mittelmeerländer bringen. In Griechenland läuft sie bereits, in Italien legen wir bald los. Wir wollen den ganzen Mittelmeerraum erreichen, von Frankreich und Marokko bis in den Libanon. 10 000 Fischerleute sollen den Meeresgrund säubern.“

„Die Pandemie hat uns etwas ausgebremst, aber dank neuer Ideen wissen wir uns zu helfen.“