Von gigantischen Verkehrsprojekten bis hin zu Krediten für Kleinunternehmer: Seit 1979 unterstützt die Europäische Investitionsbank die Entwicklung des Landes.

Wir alle kennen die Meisterleistungen der Ägypter – von ihren monumentalen antiken Bauwerken bis hin zu ihrer Bedeutung in der arabischen Kultur. Aber wussten Sie auch, dass in Kairo das erste U-Bahn-System Afrikas gebaut wurde?

In den vergangenen zehn Jahren stellte die Europäische Investitionsbank (EIB) fast eine Milliarde Euro für die Kairoer U-Bahn bereit. Und das ist nur eines der zwölf großen Verkehrsprojekte der Bank der EU in Ägypten. Seit 40 Jahren schon finanziert die Europäische Investitionsbank große Projekte in Ägypten.

„Die Zahlen sind nicht das Wesentliche“, sagt Alfredo Abad, der das Büro der EIB in Kairo leitet. „Wir machen den Menschen das Leben leichter, darauf kommt es an. Mit Verkehrsprojekten im ganzen Land – zu Wasser, auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft.“

EU-Ziele und EIB-Projekte in Ägypten

Alle Projekte, die die Europäische Investitionsbank in Ägypten fördert, entsprechen den Zielen der EU. Oft stellt die EU auch eine Garantie oder einen Zuschuss bereit. Gerade bei Umwelt und Sozialem ist die Kombination der EIB-Kredite mit EU-Finanzhilfen besonders wichtig:

  • Die finanzielle und soziale Akzeptanz steigt, weil die Kosten nicht ausschließlich über die Preise hereingeholt werden müssen.
  • Sektoren wie erneuerbare Energie, Wasser und Energieeffizienz, in denen der Privatsektor nur unzureichend tätig ist, werden so gefördert.
  • Marktversagen können korrigiert werden.
  • Mit technischer Hilfe und einer soliden Projektvorbereitung mobilisieren die EU und die Europäische Investitionsbank außerdem Geld von internationalen Finanzinstituten und privaten Investoren.
>@Metro Cairo
U-Bahnlinie 3 in Kairo (Phase 3) ©Metro Cairo

Seit unserem ersten Projekt in Ägypten 1979 steht der Verkehrssektor im Mittelpunkt unserer Arbeit. Damals unterzeichneten die Arabische Republik Ägypten und die Bank der EU drei Finanzierungsabkommen, um den Seeverkehr, die Energieerzeugung und Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen zu fördern.

Das erste Darlehen ging an ein weiteres weltberühmtes Bauwerk des Landes – den Suezkanal, der erweitert wurde. Seither können Tankschiffe mit einem Tiefgang von 53 Fuß die Wasserstraße passieren. Der Kanal wurde vertieft und verbreitert. Hinzu kamen Tiefbau- und maritime Arbeiten, etwa die Beseitigung von Wracks in Port Said und Suez.

Die großen Verkehrsvorhaben, die wir in den vergangenen zehn Jahren in Ägypten finanziert haben, brauchen den Vergleich mit dem erfolgreichen Debütprojekt nicht zu scheuen:

Warum ausgerechnet der Verkehrssektor? Ohne ihn gibt es kein Wirtschaftswachstum.  Mit über 20 Millionen Menschen zählt der Ballungsraum um Kairo zu den Metropolregionen der Welt, und der öffentliche Verkehr ist schon lange überlastet. Die U-Bahn bildet das Rückgrat von Kairos Verkehrssystem. Sie transportiert die Menschen von A nach B und hilft gleichzeitig, den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen zu senken.

EIB-Projekte in Ägyptens Energiesektor

Auch der ägyptische Energiesektor steht schon lange auf der Finanzierungsliste der EIB.

Das zweite Darlehen der Bank im Jahr 1979 half der ägyptischen Strombehörde bei der ersten Phase eines 900-MW-Wärmekraftwerks in Schubra al-Chaima, der viertgrößten Stadt des Landes.

Die Europäische Investitionsbank finanzierte auch den Anschluss an das Stromnetz und die nächste Projektphase von 1984 bis 1986.

Schubra al-Chaima war das erste von 37 großen Energieprojekten, die die Europäische Investitionsbank in Ägypten finanzierte. Später folgten unter anderem:

>@EIB
Kraftwerk El Shabab ©EIB

Die Bank förderte landesweit Stromübertragungsprojekte:

  • Verbundleitung Schubra al-Chaima (1984)
  • Übertragungsleitung Abu Zaabal–El Tabbin (1989)
  • Übertragungsleitung Alexandria (2010)
  • Stromübertragungsprojekt Ägypten zur Erweiterung und Modernisierung des nationalen Stromübertragungsnetzes

Im Gassektor finanzierte die Europäische Investitionsbank das Gasverteilungsnetz Kairo (1991), die Gaspipeline Oberägypten (1998), die Gasco-Pipelines (1999) und Flüssigerdgasanlagen in Damietta und Idku (1989, 2003).

Heute entfällt ein großer Teil der Energiefinanzierungen auf erneuerbare Energien, etwa den Windkraftkomplex Gabal El-Zait (2009 unterzeichnetes Darlehen über 50 Millionen Euro), durch den sich die installierte Leistung des ägyptischen Netzes 2018 um 580 Megawatt erhöhte, und das Windparkprojekt am Golf von Suez (2017 unterzeichnete die Europäische Investitionsbank ein Darlehen über 115 Millionen Euro, das Projekt wird derzeit durchgeführt). Das Projekt am Golf von Suez dürfte jährlich ca. 650 Gigawattstunden Strom für 370 000 Menschen erzeugen und entspricht strengen Umweltstandards zum Schutz von Zugvögeln.

EIB-Projekte in Ägyptens KMU-Sektor

Das dritte Darlehen vor 40 Jahren war ein Durchleitungsdarlehen an die Industrial Development Bank of Egypt, die daraus Kredite für kleine und mittelgroße Industrie- und Tourismusprojekte vergab.

„Der private Sektor spielt eine wichtige Rolle für Wachstum und Beschäftigung“, weiß Flavia Palanza, die als Direktorin bei der Europäischen Investitionsbank für Ägypten zuständig ist. „Ohne KMU geht im Privatsektor nichts, sie erzielen eine enorme Wirkung. Deshalb haben wir unsere KMU-Unterstützung in Ägypten ausgebaut.“

Die Europäische Investitionsbank hat ägyptischen Banken Durchleitungsdarlehen von rund 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Sie kamen Tausenden Unternehmen in Ägypten zugute, in denen wiederum Tausende Arbeitsplätze gesichert und geschaffen wurden. Kürzlich genehmigte die Bank ein neues Durchleitungsdarlehen von 500 Millionen Euro an die Banque Misr. Damit sollen Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen finanziert werden.

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Kairo – Sultan-Hassan-Moschee ©EIB

EIB-Projekte in Ägyptens Wassersektor

Wasser ist für Ägypten und die Menschen dort essenziell, ebenso wie die Anpassung an den Klimawandel und die Sanierung des Mittelmeers.

In der südlichen Nachbarschaft der EU hat die Europäische Investitionsbank in den vergangenen fünf Jahren über 800 Millionen Euro in den Wassersektor investiert. Fast 60 Prozent davon entfielen auf Ägypten.

Die Europäische Investitionsbank förderte unterschiedlichste Projekte:

Der Kitchener Drain steht für ein integriertes Vorgehen gegen die Wasserverschmutzung und die Verschmutzung durch feste Abfälle in einem der wichtigsten landwirtschaftlich genutzten Kanäle des Nildeltas. Wie alle Wasser- und Abwasserprojekte der Europäischen Investitionsbank entspricht das Projekt den Zielen der EU:

  • integriertes Management der Wasserressourcen
  • effiziente Wassernutzung und Nachfragesteuerung
  • schrittweise Kostendeckung nach dem Verursacherprinzip und sozialverträgliche Tarife