Die Dominikanische Republik setzt auf klimaresiliente Häuser, damit die Menschen in sichere Gebiete umsiedeln.

2016 verwüstete Hurrikan Matthew die nördlichen Provinzen der Dominikanischen Republik und zerstörte Straßen, Brücken und Wohnhäuser. Meerwasser überflutete landwirtschaftliche Flächen und machte sie unbestellbar. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause.

2017 wüteten dann die nächsten Wirbelstürme in der Dominikanischen Republik: Irma und Maria. Die Schäden sind noch heute überall sichtbar.

Und mit dem fortschreitenden Klimawandel dürften Hurrikane künftig noch häufiger und heftiger auftreten.

Deshalb hat die Dominikanische Republik ein Programm für die Wiederherstellung sozialer Dienste und den Wiederaufbau von Häusern und anderer wichtiger Infrastruktur in den Provinzen Monte Cristi, Espaillat, Puerto Plata und Duarte gestartet, wo Hurrikan Matthew die größten Schäden anrichtete.

Emerson Vegazo leitet die Generaldirektion für multilaterale Zusammenarbeit des Inselstaates. Seine Einrichtung setzt Projekte um, die mit Mitteln der Europäischen Union und anderer internationaler Geldgeber gefördert werden. Warum vor allem Wohnhäuser stark beschädigt wurden, liegt für ihn auf der Hand: Die Siedlungen befinden sich in der Regel an Flüssen oder in Küstenregionen, also in Gebieten, in denen es besonders oft zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommt. Die Menschen in andere Gebiete umzusiedeln ist schwierig, aber notwendig, wenn sie künftig besser geschützt sein sollen.

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Ein Projekt mit 57 einfachen Häusern für 228 Menschen, die von den Überschwemmungen in Puerto Plata betroffen waren. Hier haben sie eine Müllabfuhr, Strom und Zugang zu Brunnen. ©EIB

Skalierbar und sicher

Die neuen Häuser haben einen besseren Standard. Vegazo weist darauf hin, dass den alten Häusern meist schon Grundlegendes fehlte: Sie hatten kein richtiges Dach, keine feste Mauern, keine Sanitäreinrichtungen, keine Trinkwasser- und Stromleitungen und auch keinen Telefon- oder Internetanschluss. „Jetzt legen wir einen entsprechenden Wohnstandard fest. An dem können sich dann auch diejenigen orientieren, die selbst bauen wollen“, so Vegazo. „Die Menschen sollen das neue Modell sozusagen in ihre Kultur übernehmen.“

Kultur ist ein wichtiger Stichpunkt: Die neuen Häuser sind besser auf die Größe der Familien ausgelegt, sodass Überbelegungen der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig fügen sie sich gut in die Gesamtstruktur ein und schützen bei Naturkatastrophen. Durch die neue Anordnung können die Bewohner im Ernstfall rasch evakuiert werden. Bei Erdbeben gibt es sichere Orte, und auch die Abfallentsorgung ist organisiert. Das Abwasser wird ordnungsgemäß gereinigt, um Verschmutzungen zu vermeiden.

In die rund 1 000 Neubauten sollen 4 000 bis 5 000 Menschen einziehen. Dabei haben wirtschaftlich schwächere Familien Vorrang. „Es geht uns um Ein-Eltern-Haushalte, kinderreiche Familien und junge Menschen. Denn auch ihren Bedürfnissen muss Rechnung getragen werden, das ist für uns sehr wichtig. Vor allem, wenn es sich um von Frauen geführte Haushalte handelt. Alleinerziehende stehen auch bei der Regierung ganz oben auf der Agenda,“ so Vegazo.

Das Modell ist sowohl replizierbar als auch skalierbar – nicht nur im Rahmen öffentlicher Programme, sondern auch auf privater Ebene: Wer selbst baut, wird ermutigt, sich daran zu orientieren. 

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Moderne Sozialwohnungen in Moca. Die Häuser mit 108 Wohneinheiten befinden sich in einem städtischen Gebiet im Landesinneren und sind daher etwas höher gebaut. ©EIB

Ein Modell für die Zukunft

Das Projekt wird von der Europäischen Union aus Mitteln der Investitionsfazilität für die Karibik und von der EIB mit einem 50-Millionen-Euro-Kredit kofinanziert. Ziel ist der Wiederaufbau nicht nur von Häusern, sondern auch von Straßen, Brücken und städtischer Infrastruktur, die durch Naturkatastrophen zerstört wurden. Die Infrastruktur soll solider werden als zuvor. Durch Hochwasserschutzmaßnahmen und bessere Flächennutzung wird sie insgesamt klimaresilienter.

Aber bei dem Programm geht es nicht nur um den Wiederaufbau von Häusern, Straßen und Brücken. Für Vegazo bedeutet Resilienz auch, dass ein Kulturwandel stattfindet und an schutzbedürftige Menschen und Gemeinschaften gedacht wird. „Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Bau von Häusern, sondern in der Vereinigung einer Kultur“, meint Vegazo.