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  • Innovatives belgisches Biotechnologieunternehmen bekommt EIB-Darlehen von 20 Millionen Euro aus dem Programm „InnovFin – EU-Mittel für Innovationen“
  • Finanzierung der FuE-Investitionen von Univercells, um vier für die Weltgesundheit unabdingbare und derzeit knappe Impfstoffe zu entwickeln, die bezahlbar, von guter Qualität und in großem Maßstab verfügbar sein sollen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) und Univercells S.A. haben ein Darlehen über 20 Millionen Euro unterzeichnet, um vier wichtige und derzeit knappe Impfstoffe zu entwickeln, die erschwinglich sein sollen. Die Impfstoffe gegen Kinderlähmung, Masern und Röteln sowie Tollwut erfordern umfangreiche Investitionen in die Prozessentwicklung bis hin zu klinischen Tests und der regulatorischen Genehmigung. Mit ihrem Darlehen an Univercells will die EIB die Entwicklung dieser Impfstoffe fördern, damit sie für Krankheiten verfügbar sind, bei denen ein großer ungedeckter Bedarf besteht.

Der Kampf gegen Infektionskrankheiten ist von hoher politischer Bedeutung für die Europäische Union und für ihre Finanzierungseinrichtung, die EIB. Infektionskrankheiten gehören bereits jetzt zu den häufigsten Todesursachen weltweit, während die Krankheitserreger immer resistenter werden. Daher ist damit zu rechnen, dass die Resistenz gegen antimikrobielle Arzneimittel bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zur Haupttodesursache zählen wird. Gleichzeitig wird wenig in Arzneimittel und Impfstoffe zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten investiert. Auch die Zahl der auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen ist gering.

Univercells ist ein 2013 gegründetes belgisches Biotech-Unternehmen, das mithilfe von Technologie kostengünstig wichtige Biopharmazeutika herstellen und sie in derzeit unterversorgte Regionen liefern will. Vor kurzem startete Univercells seine biologische Produktionsplattform NevoLine, mit der große Mengen von Impfstoffen zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten hergestellt werden können. Mit Unterstützung der EIB will das Unternehmen diese Technologie dafür nutzen, um vier für die Weltgesundheit unabdingbare Impfstoffe leichter verfügbar und für alle erschwinglich zu machen.

Bei der Unterzeichnung am 3. Oktober in Brüssel erklärte Jean-Christophe Laloux, Direktor mit Generalvollmacht der EIB: „Innovationsförderung ist ein vorrangiges Ziel der Bank der Europäischen Union. Besonders wichtig ist es hier, innovative europäische KMU und Midcap-Unternehmen zu unterstützen und die Finanzierungslücke bei ihren FuE-Aktivitäten zu schließen.“ Er ergänzte: „Dieses Darlehen mit seinen speziellen Konditionen ist auf die Erfordernisse des Unternehmens abgestimmt und ein Beispiel dafür, dass wir optimale Voraussetzungen für FuE schaffen wollen – auch auf dem Gebiet der Pharmaforschung. Der Kampf gegen Infektionskrankheiten steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Diese Krankheiten stellen eine wachsende Bedrohung für die Menschheit dar, aber es wird hier immer noch zu wenig investiert. Es wird ein zähes Ringen, und wir haben den Kampf gerade erst aufgenommen. Wir freuen uns, Univercells bei seiner bahnbrechenden Tätigkeit zur Erforschung so wichtiger Impfstoffe zu unterstützen und dem Unternehmen dabei zu helfen, sie in die Länder mit großem Bedarf zu bringen.“

„Wir sind sehr froh über die Unterstützung durch die EIB“, so Hugues Bultot, CEO von Univercells. „Das Darlehen zeigt, dass der Europäische Union die öffentliche Gesundheit wichtig ist und dass sie etwas gegen Infektionskrankheiten tun will – beispielsweise, indem sie innovative rasch wachsende Unternehmen fördert.“

Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation: „Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung, Tollwut, Masern und Röteln sind eine ernste Gefahr für die menschliche Gesundheit. Wie brauchen bessere Lösungen, und ich bin stolz darauf, dass unsere Finanzierungsinstrumente zur Entwicklung dieser neuen und bezahlbaren Impfstoffe beitragen.“

Dieses Venture-Debt-Darlehen der EIB wird im Rahmen von „InnovFin – EU-Mittel für Innovationen“ bereitgestellt, einer gemeinsamen Initiative der Europäischen Kommission und der EIB-Gruppe. Die Gelder dafür stammen aus Horizont 2020, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der EU. „InnovFin – Infektionskrankheiten“ (IDFF) zielt speziell auf die Entwicklung neuer Impfstoffe, Arzneimittel, medizinischer Geräte sowie den Aufbau neuer Infrastrukturen zur Erforschung von Infektionskrankheiten ab. Aufgrund von InnovFin – IDFF kann die EIB stabile langfristige Finanzierungen mit flexibler Rückzahlungs- und Zinsstruktur bereitstellen. Dadurch verringern sich für die Unternehmen die Mittelabflüsse, und sie können sich auf Investitionen in Innovation und Wachstum konzentrieren. Univercells profitierte auch von InnovFin – Beratung, einem weiteren InnovFin-Instrument. Das Unternehmen wurde nämlich als innovativ eingestuft und erhielt Beratung, um ihm den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern.

Hintergrundinformationen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten der EU. Die EIB vergibt langfristige Mittel für solide Projekte, die den Zielen der EU entsprechen. 2018 stellte die Bank rund 1,7 Milliarden Euro für Projekte in Belgien bereit, die auf verschiedene Sektoren – darunter erneuerbare Energien, Telekommunikation, städtischer Nahverkehr, FEI, Gesundheitsversorgung und KMU – entfielen.

Univercells S.A. ist ein Business-to-Business-Anbieter, der bezahlbare Biopharmaka in größerem Umfang verfügbar machen will, um Gefahren für die Weltgesundheit zu verringern. Das Unternehmen entwickelt schlüsselfertige Lösungen für verschiedene Impfstoffe und Biopharmaka, die zu erschwinglichen Preisen bereitgestellt werden sollen. Dabei stützt es sich auf selbst entwickelte Kerntechnologien und laufende Methoden zur Prozessintensivierung. So sind die Herstellung umweltfreundlicher und die Gesamtkosten für Kapital und den Betrieb deutlich niedriger.

Univercells ist weltweit tätig und hat seinen Sitz im belgischen Gosseliers. Das Unternehmen erhält auch Unterstützung auf regionaler und nationaler Ebene sowie von der Bill & Melinda Gates Foundation, dem Global Health Investment Fund und anderen internationalen Akteuren aus der Gesundheits- und Pharmabranche.

InnovFin – Infektionskrankheiten (IDFF) ist ein Finanzierungsinstrument aus der Produktfamilie „InnovFin – EU-Mittel für Innovationen“. InnovFin ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission und der EIB-Gruppe für Horizont 2020, das Forschungs- und Innovationsprogramm der EU für den Zeitraum 2014–2020. Es bietet Finanzierungsprodukte, die von Standarddarlehen bis hin zu eigenkapitalähnlichen Finanzierungen reichen. Über diese Produkte werden in der Regel zwischen 7,5 Millionen Euro und 75 Millionen Euro an innovative Unternehmen vergeben, die neue Impfstoffe, Arzneimittel sowie medizinische und diagnostische Geräte entwickeln oder neue Infrastrukturen zur Erforschung von Infektionskrankheiten aufbauen. Finanziert werden die Kosten für die klinische Prüfung und die Vorbereitung der Markteinführung sowie für die Entwicklung von Prototypen oder die Aufnahme der industriellen Produktion neuer Geräte, außerdem die präklinischen Forschungs- und Entwicklungskosten und der Betriebskapitalbedarf. Die Mittel werden direkt von der EIB vergeben.