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    Worum geht es

    Die EU hilft der Ukraine bei Investitionen, die die Grundversorgung trotz Krieg aufrechterhalten – von Gesundheits- und Verkehrsdiensten bis hin zum Fernwärmenetz.

    Warum das wichtig ist

    Auch bei Luftalarm geht es überall im Land weiter – ob im OP-Saal oder beim Rettungseinsatz. Nach den Angriffen müssen die Städte ihr Fernwärmenetz wieder in Gang bringen. Und die Bahn bleibt eine Lebensader für Reisen im Land und in Richtung Europa.

    Die Story in Zahlen

    1,5 Mrd. €: 2025 unterstützte die EIB-Gruppe Projekte im Umfang von 1,5 Milliarden Euro, damit Familien ihre Wohnungen heizen, Kinder wieder zur Schule gehen und Menschen medizinisch versorgt werden können.

    Bessere medizinische Versorgung – trotz Krieg

    An einem kalten Abend in einem Krankenhaus im Norden der Ukraine. Im OP der chirurgischen Abteilung in Schytomyr herrscht reger Betrieb, während draußen Feuer und Explosionen neue Verletzte in die Aufnahme treiben. Jeder Handgriff im OP muss sitzen.

    „Für Panik ist hier kein Platz“, sagt Viktor Pomyrlianu. Er ist der medizinische Direktor des Pavlusenko-Krankenhauses Nr. 2, westlich von Kyjiw. „Das Leben unserer Patienten hängt davon ab, dass wir konzentriert arbeiten.“

    Die neue chirurgische Abteilung wurde im Mai 2025 eröffnet. Seither verfügt das Krankenhaus nicht nur über die doppelte Behandlungskapazität, sondern auch über modernste Geräte und Infrastruktur. Das Projekt war Teil des Wiederaufbauprogramms der EIB für die Ukraine und wurde durch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen unterstützt.

    Das St.-Lukas-Krankenhaus in Lwiw versorgt jährlich 50 000 Patienten. Es wurde für 940 000 Euro saniert

    „In der Ukraine kann man aktuell keine großen Krankenhäuser bauen, sie würden sofort angegriffen“, sagt Violaine Silvestro von Kameke, die bei der EIB die Abteilung Finanzierungen für den öffentlichen Sektor in der Ukraine, in Moldau und im Südkaukasus leitet. „Wir müssen klein bauen. Das kostet mehr, ist aber sicherer.“

    Vor dem Wiederaufbau waren die Bedingungen im Krankenhaus „gerade noch ausreichend“. Beengte, schlecht belüftete OPs mit veralteten Geräten gehörten zur Realität.

    Mit dem Projekt wurden die Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen erneuert, Wasser- und Abwasserleitungen ausgetauscht, die Elektroinstallation und der Brandschutz modernisiert. Neue Kompressor- und Kühlanlagen regeln die Temperatur und sorgen für sterile Bedingungen.

    Für das Krankenhaus war das ein Quantensprung. Die chirurgische Abteilung arbeitet heute nach europäischen Standards. Jedes Jahr erhalten hier mehr als 6 000 Menschen wohnortnah eine hochwertige medizinische Versorgung.

    In der Region laufen noch andere Projekte, die den Alltag verbessern. In dem kleinen Dorf Wyssoke wurde im Oktober 2025 eine Vorschule eröffnet. Trotz Krieg stand das Gebäude nach nur elf Monaten – mit Platz für 40 Kinder und einem Schutzraum, der nach Schulschluss allen Einwohnerinnen und Einwohnern des Dorfes offensteht.

    Die erste Vorschule in Wyssoke bietet Platz für 40 Kinder und einen Schutzraum bei Luftangriffen

    Projekte für den langfristigen Wiederaufbau

    Für den Wiederaufbau braucht die Ukraine in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise 524 Milliarden US-Dollar. Deshalb setzt die EIB bewusst auf kleinere Projekte mit schneller Wirkung – auch mitten im Krieg.

    2025 unterstützte die EIB-Gruppe Projekte im Umfang von 1,5 Milliarden Euro. Im Fokus: Wärmeversorgung, Gesundheit, Wasser und Bildung.

    Energiesicherheit bleibt weiterhin Schwerpunkt. Deshalb ging ein Kredit über 300 Millionen Euro an Naftogaz. Damit lieferte der Versorger Gas für den Winter, um Wohnungen warm und Betriebe am Laufen zu halten.

    Weitere Vereinbarungen über insgesamt 400 Millionen Euro wurden für Wassernetze, Fernwärme und den städtischen Wiederaufbau unterzeichnet.

    Landesweit werden mehr als 500 öffentliche Gebäude in rund 150 Gemeinden instand gesetzt oder modernisiert. Das macht sie resilienter und sichert die Grundversorgung.

    Die EIB hilft, über 500 öffentliche Gebäude in rund 150 Gemeinden instand zu setzen oder zu modernisieren
    ©pop_jop/Getty Images

    Was die Expertin sagt

    Violaine Silvestro von Kameke leitet bei der EIB die Abteilung Finanzierungen für den öffentlichen Sektor in der Ukraine, in Moldau und im Südkaukasus.

    F: Warum müssen in der Ukraine so viele Gebäude saniert werden?
    A: Mit guter Dämmung und moderner Technik bringt jede weitere Investition mehr Wirkung. Das gilt für erneuerbare Energien und auch für den Bau von Schutzräumen.


    F: Was bringen die Gelder der Europäischen Investitionsbank für den Alltag der Menschen in der Ukraine?
    A: Die Ukraine braucht im Krieg praktische, skalierbare Lösungen. Wir kombinieren Kredite und Zuschüsse, damit die Kommunen Basisdienste aufrechterhalten können. Zusammen mit Städten und Gemeinden setzen wir beschädigte öffentliche Gebäude und Infrastruktur instand, damit Millionen Menschen Trinkwasser, eine warme Wohnung und Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung haben.

    Sicherheit, Wärme und Bahnverbindungen

    In der kleinen Gemeinde Awanhard in der Oblast Odessa ist das örtliche Rettungszentrum für die Sicherheit der 36 000 Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Das Rettungsteam unter Leitung von Jurii Halchynskyi rückt bei Bränden und Unfällen ebenso aus wie bei feindlichem Beschuss oder Überschwemmungen.

    „Mut heißt, das Richtige zu tun, selbst wenn niemand dafür klatscht“, sagt Halchynskyi. „Einfach, weil man gar nicht anders kann.“

    Sein Team wird aber nicht nur in Notfällen aktiv. Es bereitet die Menschen auch in Kursen darauf vor, was bei Gefahr zu tun ist.

    Im April 2025 bezog das Zentrum ein neues Gebäude – mit ganz anderen Möglichkeiten für die Einsatzorganisation. Dort gibt es eine Fahrzeughalle, Schulungsräume und Schutzräume, sodass der Betrieb auch bei Luftangriffen weitergehen kann.

    Das erweiterte Rettungszentrum ist für über 36 000 Menschen in Awanhard und Umgebung zuständig, darunter Teile von Odessa und Tairowska.

    Eine weitere Herausforderung ist die Energieinfrastruktur. Die russischen Angriffe setzen den Wärmesystemen des Landes schwer zu. Allein die Schäden am Fernwärmenetz werden auf über 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Sein Wiederaufbau dürfte sechs bis zehn Milliarden Euro kosten.

    Für eine resiliente Versorgung setzt die Europäische Investitionsbank nun auf dezentrale Lösungen. Die Gelder dafür stellt sie über lokale Partnerbanken bereit. So kommen sie zügig bei den Kommunen an.

    Insgesamt 200 Millionen Euro vergibt die EIB über ukrainische Banken. Davon wurden bereits 30 Millionen Euro ausgezahlt – damit Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser im Winter beheizt werden können.

    Nach der Vertragsunterzeichnung im Juli 2025 konnten mithilfe des lokalen Know-hows des UNDP schon 30 Millionen Euro für Fernwärme ausgezahlt werden – damit Krankenhäuser, Schulen und Wohnungen im Winter warm bleiben

    Auch auf Verkehrsinfrastruktur kommt es an. Weil Flughäfen geschlossen und viele Straßen beschädigt sind, ist nun die Bahn das wichtigste Verkehrsmittel, um von A nach B zu gelangen oder das Kriegsgebiet zu verlassen.

    Im September 2025 wurde eine 22 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen den westukrainischen Städten Uschhorod und Tschop eröffnet. Mit der europäischen Normalspur sind jetzt Direktverbindungen nach Österreich, Ungarn und in die Slowakei möglich.

    Kürzere Fahrzeiten und zuverlässigere Verbindungen ließen die Nachfrage rasch steigen. Die Strecke bindet die Ukraine auch besser an das Bahnnetz der EU an.

    Mit einem EIB-Kredit von 50 Millionen Euro werden die Bahn-Grenzübergänge zu Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien modernisiert. Auch das fördert eine bessere Anbindung.

    Über 70 Prozent aller Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Richtung Europa unterwegs sind, starten ihre Reise heute in Lwiw. Deshalb soll die Stadt nun zu einem Bahnknotenpunkt ausgebaut werden.

    „Das Leben in der Ukraine ist unvorhersehbar, aber auf die Bahn ist Verlass“, sagt Jakowenko. „Die Menschen können ihre Reise immer noch planen, denn die Züge fahren.“

    Die wichtigsten Fakten

    • Die EIB vergab 2025 insgesamt 1,5 Mrd. Euro
    • In rund 150 Kommunen wurden mehr als 500 öffentliche Gebäude modernisiert
    • Rettungszentrum bietet Schutz für 36 000 Menschen

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