Ein Beratungsprogramm hilft dem Land, die EU-Mittel für die Finanzierung seiner Infrastruktur optimal zu nutzen. Damit die rumänischen Züge bald schneller fahren als 40 Stundenkilometer.

Rumänien ist das achtgrößte Land der Europäischen Union. Doch trotz seiner Größe ist sein Autobahnnetz mit 900 Kilometern eines der kürzesten. Und auch die Züge verkehren nur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern für Güterzüge und 40 Stundenkilometern für Personenzüge. 

Rumänien baut im Jahr nicht mehr als 45 neue Autobahnkilometer, und manche Züge fahren heute langsamer als noch vor 100 Jahren. Grund hierfür sind die Schwierigkeiten, die die rumänischen Behörden bei der komplexen Planung und Durchführung großer Infrastrukturprojekte mit den erheblichen EU-Mitteln haben. Bis 2027 sind immerhin 17 Milliarden Euro aus dem Haushalt der Europäischen Union für Verkehrsinfrastruktur vorgesehen. Dieses Geld gilt es richtig einzusetzen.

Hier kommen Alexis Gressier und sein Team in der Europäischen Investitionsbank ins Spiel. Seit 2014 sind Gressier und sein siebenköpfiges Team vor Ort in Bukarest tätig. Im Rahmen eines Projektberatungsvertrags (PASSA) mit der EIB arbeiten sie im Ministerium für Investitionen und EU-Fonds mit den rumänischen Behörden zusammen, um Projekte nach den anspruchsvollen EU-Standards vorzubereiten, zu bewerten und durchzuführen.  „Wir sprechen gern davon, dass wir EU-finanzierte Projekte mit unserer Unterstützung vorantreiben“, so Gressier.

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Mihai Frumosu, Referat Projektberatung der EIB. Rechts: Alexis Gressier, Teamleiter, Referat Projektberatung der EIB ©EIB

Beratungshilfe für Rumäniens Infrastrukturfinanzierung

Die Arbeit ist vielfältig, betrifft aber hauptsächlich Großprojekte in den Bereichen Verkehr, Abfall, Wasser und Energie. „Wir sind an verschiedenen Phasen des Projektzyklus beteiligt, von der Vorbereitung, wenn ein Konzept zu klären ist, über die Planung und Ausschreibung bis hin zum Vertragsmanagement und zur Projektdurchführung“, erklärt Gressier.

Das Team spielte auch eine wichtige Rolle, als es darum ging, den Behörden bei Vertragsänderungen und Forderungen der Auftragnehmer zu helfen. Es ging um Kostenüberschreitungen, weil im Bausektor Arbeitskräfte fehlen.

Gressier und sein Team analysierten die Forderungen der vergangenen Jahre und prüften eine große Anzahl von Belegen, darunter den vertraglichen Schriftverkehr, technische und finanzielle Berichte, detaillierte Zeitpläne, Bauprotokolle und Tausende von Rechnungen. Das Ergebnis: Die rumänischen Behörden konnten die finanziellen Forderungen der Auftragnehmer um durchschnittlich 39 Prozent senken.

Zusatznutzen für die Finanzierung rumänischer Infrastruktur

Als Außenstehende brauchten die Experten der Bank Zeit, um das Vertrauen und die Anerkennung ihrer rumänischen Gegenüber zu gewinnen. Doch ihr Erfolg brachte ihnen letztlich viel Lob ein.

„Der größte Zusatznutzen für uns liegt vermutlich in der unterschiedlichen Expertise der EIB-Teams, die Erfahrung mit Betreibern und Verkehrsbehörden haben“, so Stefan Roseanu, Präsident der rumänischen Eisenbahnreformbehörde. „Das hat uns geholfen, gute Machbarkeitsstudien durchzuführen und andere Dokumente zu erstellen. Die mit EIB-Hilfe erstellte Machbarkeitsstudie dient dem Verkehrsministerium und dem Ministerium für EU-Fonds jetzt als Vorlage für weitere mögliche Neuinvestitionen in Rollmaterial.“

Die Eisenbahnreformbehörde war auch vom technischen Know-how des Teams beeindruckt. Roseanu: „Einige der geplanten Investitionen erfordern Reformen, neue Technologien und Marktkonzepte. Ohne die Hilfe der EIB hätten unsere Fachleute diese neuen Ideen erst erschließen und in ihre Arbeit integrieren müssen. Das hätte den Prozess erheblich verzögert.“

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Stefan Roseanu, Präsident der Eisenbahnreformbehörde ©EIB

Finanzierung rumänischer Infrastruktur – auf dem Weg nach Dresden

Eines der größten Projekte, an dem das EIB-Team 2021 gearbeitet hat, ist die Modernisierung einer 144 Kilometer langen Eisenbahnstrecke. Der Abschnitt ist Teil eines EU-Verkehrskorridors, der von Athen über Sofia, Budapest, Wien, Prag und Nürnberg bis nach Dresden verläuft. Dieses mehr als zwei Milliarden Euro teure Vorhaben ist das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt der letzten 30 Jahre in Rumänien. Die Europäische Kommission und die EIB beteiligen sich an der Finanzierung.

Nach Abschluss der Modernisierung sind für Personenzüge Höchstgeschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern möglich, für Güterzüge bis zu 120 Stundenkilometer. Das bedeutet kürzere Fahrzeiten und ein geringeres Unfallrisiko. Und auch die CO2-Emissionen werden während der 30-jährigen Nutzungsdauer der Strecke um schätzungsweise 1,5 Millionen Tonnen reduziert.

Das Beratungsteam der EIB half außerdem bei der Beschaffung neuer Züge, die auf verschiedenen nationalen Schienennetzen eingesetzt werden können. Die rumänischen Behörden hatten 20 Jahre lang kein neues Rollmaterial gekauft und keine Erfahrung mit dem Erwerb von Zügen, die auf verschiedenen Gleissystemen betrieben werden.

„Uns fehlte diese Art von Erfahrung und analytische Expertise“, sagte Roseanu. „Aber die EIB war in der Lage, das erste funktionale Lastenheft für die öffentliche Ausschreibung zu erstellen und die Vorlagen und Informationen an das Beschaffungsverfahren für Rollmaterial anzupassen.“