Ein italienisches Start-up hilft armen Ländern bei der Akutversorgung von Brandopfern

Eine offene Feuerstelle im Haus zum Kochen und Heizen – in armen Ländern ist das Alltag.

Die tragischen Folgen sahen Caterina Giuliani, Franco Pradelli und Barbara Tommassini mit eigenen Augen. Das gab ihnen den Anstoß, nach einer Lösung zu suchen, und mündete schließlich in die Gründung von BioVerse.

Rund elf Millionen Menschen erleiden jedes Jahr Verbrennungen, mehr als 200 000 Brandopfer erliegen ihren Verletzungen. Über 95 Prozent der Unfälle passieren in ärmeren Ländern, und am häufigsten trifft es Kinder. Meist fällt jemand in die Feuerstelle oder verbrüht sich an heißer Flüssigkeit.

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©EIB Institute

„Bis ich nach Tansania und Uganda ging, hatte ich nur davon gelesen“, sagt Franco Pradelli. „Aber dann sah ich es mit eigenen Augen. Ein großes Krankenhaus in Italien hat vielleicht 15 Patienten mit Verbrennungen im Jahr. In Afrika ist das völlig anders. Da haben sie 30 Fälle pro Monat.“

Mit ihrem Fachwissen in der Biomedizintechnik entwickelten die drei jungen Leute eine Art Inkubator, der ein Krankenhausbett in ein Spezialbett für Brandopfer verwandelt. Darin herrscht eine sterile Umgebung mit geregelter Temperatur – die Grundvoraussetzung, damit Brandopfer überleben können. BioVerse gehörte 2020 zu den Finalisten des Wettbewerbs für Soziale Innovation. Mit der Initiative fördert das EIB-Institut soziale Unternehmen, die an Lösungen für globale Probleme arbeiten.

„Sie sahen keine Hoffnung“

Caterina Giuliani war schon als Schülerin in Tansania, als freiwillige Helferin in Krankenhäusern. Bei einem ihrer ersten Einsätze versorgte sie zwei Kinder mit Verbrennungen. Ein Erlebnis, das sie nicht mehr losließ.

„Das Leiden der beiden Kinder erschütterte mich. Und mehr noch die Worte des Arztes“, erzählt sie. „Er sagte, sie sähen keine Hoffnung. Und er fragte mich, ob ich irgendeine Idee hätte, was man tun könnte.“

Die häufigsten Todesursachen bei Brandopfern sind Infektionen und Unterkühlung. In wohlhabenden Ländern gibt es Spezialstationen in separaten Gebäuden oder Krankenhaustrakten, wo diese Patienten geschützt behandelt werden. Die Kosten dafür können in die Millionen gehen.

Für ihre Masterarbeit an der Universität Bologna entwickelte Giuliani 2019 das Konzept für die Corax Lifebox: eine Art Inkubator mit einem durchsichtigen Deckel, der auf ein Krankenhausbett passt. An einem Ende sind ein HEPA-Luftfilter und ein Heizgerät angebracht – und eine Batterie für den Fall, dass der Strom ausfällt.  Im Zentrum für Brandverletzte des Bufalini-Krankenhauses in Cesena (Italien) fand man ihre Erfindung super. „Viele Ärztinnen und Ärzte dort hatten als Freiwillige in afrikanischen Krankenhäusern gearbeitet und waren mit dem Problem vertraut“, sagt Pradelli. „Sie meinten, das könnte viel verändern.“

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Die Corax Lifebox schafft eine sterile Umgebung mit geregelter Temperatur – die Grundvoraussetzung, damit Brandopfer überleben können ©BioVerse

Giuliani war damals schon mit Pradelli und Tommassini befreundet. Die drei kannten sich aus dem Studium. Gemeinsam beschlossen sie, ihren Traum zu verwirklichen, und gründeten für das Projekt ein soziales Unternehmen.

Im Oktober 2019 besuchten sie Krankenhäuser in Tansania und Uganda. Die Begeisterung, auf die sie stießen, und mehrere Preise für ihr Start-up machten sie zuversichtlich: Die Idee könnte funktionieren!

Ende 2020 schloss BioVerse eine Partnerschaft mit der großen italienischen Organisation Medici con L‘Africa (CUAMM). CUAMM kooperiert Seite an Seite mit Einheimischen mit Dutzenden von Krankenhäusern, kleinen Gesundheitszentren, Dörfern und Universitäten in Ländern südlich der Sahara, darunter Tansania.

Im Februar oder März dieses Jahres will BioVerse in Zusammenarbeit mit CUAMM seinen Prototypen im Krankenhaus Tosamaganga in der tansanischen Region Iringa an Patienten testen.

Das Konzept bekannt machen

Das Team von BioVerse geht sein Geschäft mit einem ethischen Anspruch an: Die Corax Lifebox soll so weit wie möglich in den Ländern gefertigt werden, in denen sie genutzt wird. Das schafft Arbeitsplätze und hilft der lokalen Wirtschaft.

Erste Gespräche laufen bereits mit Herstellern in Tansania und Uganda. Für die Krankenhäuser rechnet BioVerse mit Kosten von 2 500 Euro pro Inkubator. Wenn mehr Geräte gebaut werden, könnte es billiger werden, so die Hoffnung. Das Unternehmen möchte die Corax Lifebox zu einem Open-Source-Projekt machen, damit sich das Konzept herumspricht und weiterentwickelt werden kann.

„Über Open Source haben wir die Möglichkeit, unseren Inkubator öffentlich bekannt zu machen“, erklärt Pradelli. „Wir geben anderen die Chance, ihn ebenfalls herzustellen. Dafür bekommen wir eine Provision oder ein Beratungshonorar. Letztendlich wird das Gerät damit günstiger, und es soll ja allen zugänglich sein.“