„Cleantech ist keine Nische mehr, sondern steht für einen tiefgreifenden industriellen Wandel.“
Invested by Europe ist ein Podcast über die europäische Wirtschaft. Von Wohnraum, Energie und Innovation bis hin zu Infrastruktur, Sicherheit und Verteidigung: Fachleute verraten in jeder Folge, wo die großen Herausforderungen liegen. Wir wollen wissen, was sich ändert, welche Lösungen es gibt und wie Europa in seine Zukunft investiert.
Darum geht es in dieser Folge
Cleantech-Technologien schonen die Umwelt und helfen uns, uns an den Klimawandel anzupassen. Ursprünglich ging es darum, mit sauberen Alternativen wie Solar-, Wind- und Bioenergie unabhängiger von Öl, Gas und Kohle zu werden. Inzwischen umfasst Cleantech alle Aspekte der Dekarbonisierung – von Mobilität und Energiespeicherung bis hin zu grüner Infrastruktur.
In dieser Folge von Invested by Europe erklärt Sofia Viola, die als Cleantech-Expertin bei der Europäischen Investitionsbank den Fonds des Europäischen Innovationrats berät, wie sich Cleantech entwickelt hat. Sie verrät, wo die größten Herausforderungen liegen und warum die Skalierung dieser Technologien für Europas Energiewende entscheidend ist.
Kurzfassung
Ganz zu Beginn ging es bei Cleantech um die Entwicklung erneuerbarer Technologien, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Heute steht ein breites Spektrum von Lösungen im Mittelpunkt, die die gesamte Wirtschaft dekarbonisieren, darunter Mobilität, Energiespeicher und grüne Infrastruktur.
Erneuerbare wurden in den letzten Jahren rasant ausgebaut. Kapazität ist heute nicht mehr das Hauptproblem. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, diese Energie ins Netz zu integrieren und Angebot und Nachfrage in Echtzeit auszugleichen. Energiespeicher, vor allem Batterien, spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie ermöglichen es, Strom zu speichern und später zu nutzen. Das stabilisiert das System und erhöht den Anteil Erneuerbarer im Netz.
Besonders wichtig ist auch die Dekarbonisierung der Industrie. Schwerindustrien wie Stahl, Zement und Chemie verursachen einen erheblichen Teil der weltweiten Emissionen. Und die müssen gesenkt werden – fürs Klima wie auch für Europas Wettbewerbsfähigkeit.
Der von der Europäischen Kommissionfinanzierte Fonds des Europäischen Innovationsrats investiert in Deeptech-Unternehmen mit Schwerpunkt Digitalisierung, grüne Technologien und Life Sciences. Er analysiert Investitionsmöglichkeiten für das EIC-Accelerator-Programm und hilft Firmen nach der Beteiligung, weiteres Kapital einzuwerben und Kontakte zu spezialisierten Investoren zu knüpfen.
Damit will der EIC-Fonds die Lücke zwischen Innovation und Skalierung schließen. Im Fokus steht die Wirkung, nicht die maximale Rendite. So sollen Risiken reduziert und Investitionen in transformative Technologien angestoßen werden.
Für Investoren ist Cleantech längst keine Nische mehr. Es steht für einen tiefgreifenden industriellen Wandel und erhebliche wirtschaftliche Chancen. Zugleich nimmt der Wettbewerb zu, da sich Länder und Branchen in diesem globalen Rennen positionieren. Die Skalierung dieser Technologien erfordert enorm viel Kapital.
Viele Cleantech-Firmen haben Schwierigkeiten, Geld zu beschaffen, weil die Entwicklung länger dauert, als manche Investoren akzeptieren. Hier kommt die EIB-Gruppe ins Spiel: Sie unterstützt Start-ups und Deeptech-Durchbrüche und versorgt reifere Unternehmen mit Venture Debt.
Sofia Viola unterstreicht die Qualität der Gründerteams von Cleantech-Firmen. Sie verbinden wissenschaftliche Expertise mit großem Engagement für den Aufbau tragfähiger Unternehmen. Diese Kombination aus Kompetenz und Überzeugung stärkt das Vertrauen in die Zukunft – vor allem in einer Branche, die konkrete Probleme lösen muss.
Fazit
- Cleantech deckt heute alle Bereiche der Dekarbonisierung ab, nicht nur saubere Energie
- Energiespeicher sind unverzichtbar, um Angebot und Nachfrage bei Erneuerbaren auszugleichen; die Dekarbonisierung der Industrie ist entscheidend für Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit
- Lange Entwicklungszeiten erschweren den Kapitalzugang; die EIB-Gruppe unterstützt die Skalierung und schließt Finanzierungslücken
Unser Gast
Sofia Viola ist Finanzexpertin mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im Investment-Banking und in der Beratung, unter anderem bei JPMorgan in New York. Sie hat zahlreiche Transaktionen in verschiedenen Sektoren begleitet. Heute konzentriert sie sich auf Risikokapital-Investitionen in Deeptech- und Cleantech-Firmen –damit innovative Unternehmen wachsen und so den Übergang zu einer nachhaltigeren und resilienteren Wirtschaft vorantreiben.
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