Der Freebird Club bringt ältere Reisende und private Gastgeber mit ähnlichen Interessen zusammen

Von Chris Welsch

Peter Mangan vermietet ein Cottage in der südwestirischen Grafschaft Kerry über Airbnb. Als er seinen Vater bat, ihm dabei zu helfen, wusste er noch nicht, dass dies sein Leben verändern würde – und das seines Vaters Owen.

Der Witwer in seinen Siebzigern arrangierte sich gerade mit seinem Leben allein. Die neue Aufgabe war ihm alles andere als eine Last. „Er schloss neue Bekanntschaften und machte das richtig gern“, erzählt Mangan, der in Dublin lebt. Owen fand Freude daran, den Gastgeber zu spielen, vor allem für ältere Gäste. Er zeigte ihnen die Umgebung, nahm sie mit ins nächste Pub und spielte bisweilen sogar eine Runde Golf mit ihnen.

„Das eröffnete ihm ein neues soziales Leben – eine Chance, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, so Mangan. „Mir wurde schlagartig klar, dass das eine echte Nische ist: die Vermietung privater Unterkünfte an Ältere – eine völlig neue Idee. Sie sollte die Menschen miteinander in Kontakt bringen und sie zu Neuem animieren.“

Mangan war damals, 2014, in leitender Stellung am University College Dublin tätig. Die Erfahrung mit seinem Vater brachte seine Gedanken auf Trab: Ließ sich das nicht auf die breitere Bevölkerung übertragen? „Zurzeit haben wir 900 Millionen Menschen, die über 60 Jahre alt sind“, sagt Mangan. „Bis 2050 werden es zwei Milliarden sein. Die Gesellschaft wird immer älter, und die Probleme, die damit einhergehen, werden zunehmen.

Eines davon ist Einsamkeit, die vielen im Alter zu schaffen macht. Gleichzeitig haben ältere Menschen oft das ein oder andere Zimmer frei und können einen Zuverdienst gut gebrauchen, um ihre Rente aufzubessern. Mangan fragte sich: Gibt es nicht eine Möglichkeit, Menschen ähnlichen Alters mit gemeinsamen Interessen zusammenzubringen? Eine Möglichkeit, die ihnen das Reisen erleichtert, mehr Lebensfreude bringt und hilft, im Alter besser über die Runden zu kommen. „Binnen weniger Minuten sah ich alles vor mir: den klaren Bedarf ebenso wie meine Antwort darauf“, so Mangan.

>@Chris Welsch
Peter Mangan, Gründer des Freebird Club, in seinem Büro an der Technological University Dublin. ©Chris Welsch

Eine preisgekrönte Idee

Sein Plan war ein soziales Netzwerk, das Elemente von Airbnb mit einer „platonischen“ Kontaktbörse verbindet, bei der es nicht um romantische Beziehungen geht, sondern um Freundschaft. Das Netzwerk würde soziale Isolation abbauen und böte die Chance, sich im Alter etwas dazuzuverdienen. Der Freebird Club war geboren.

2017 stellte Mangan seine Idee mit Erfolg beim Wettbewerb für Soziale Innovation des EIB-Instituts vor und gewann danach noch weitere renommierte Auszeichnungen für soziales Unternehmertum.

Mithilfe von Fokusgruppen feilte Mangan sein Konzept weiter aus. Er führte eine einmalige Mitgliedsgebühr von 25 Euro ein, rückte die soziale Interaktion auf der Website in den Vordergrund und ließ die Gastgeber selbst festlegen, wie viel persönlichen Anschluss sie ihren Gästen anbieten wollten. Das Ziel des Freebird Club ist soziale Bereicherung, aber das Geschäftsmodell ähnelt dem von Airbnb. Den Mietpreis legen die Gastgeber selbst fest (üblicherweise zwischen 40 und 80 Euro). Zwölf Prozent schlägt der Freebird Club den Gästen auf den Mietpreis auf, drei Prozent verlangt er als Verwaltungsgebühr von den Gastgebern.

Im April 2017 startete die Website mit ein paar Hundert Mitgliedern. Heute hat der Freebird Club fast 5 000 Mitglieder in 73 Ländern – und das ohne professionelles Marketing oder Werbung. Der Club ist durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Medienberichte gewachsen. Allein ein Artikel in der Zeitschrift Forbes brachte Hunderte neue Mitglieder in den Vereinigten Staaten.

Neue Kontakte knüpfen

Zita Murphy war eine der Ersten im Freebird Club, ihr gefiel die Idee sofort. Die pensionierte Zeichnerin lebt im Bayside Housing Estate, einer Wohnanlage in Sutton, im Norden Dublins. Ihr Haus, nur einen Katzensprung von der Bucht entfernt, teilt sie gern mit Gästen aus anderen Teilen Europas.

„Seit vielen Jahren habe ich im Sommer Studentinnen im Haus, aber die hängen meistens am Handy oder sind unterwegs“, erzählt sie. „Ich fand es eine gute Idee, Gäste in meinem Alter aufzunehmen, da habe ich mehr davon. Wir kommen schnell ins Gespräch, weil uns ähnliche Dinge interessieren und wir Ähnliches erlebt haben.“

>@Chris Welsch
Zita Murphy, Mitglied im Freebird Club und Gastgeberin, vor ihrem Haus im Bayside Housing Estate. ©Chris Welsch

Ihren ersten Gast, eine Deutsche in ihren Sechzigern, lud die 80-Jährige zu einem traditionellen irischen Essen in ein nahegelegenes Restaurant ein. „Sie trank ein Guinness und fand es einfach toll. Sie mochte, dass alles so irisch war – ich habe die Zeit mir ihr sehr genossen.“

Murphy freut sich auch schon darauf, demnächst selbst als Freebird-Gast auf Reisen zu gehen, und zwar nach Italien.

Sie hofft, dass ihre Gastgeber ihr zeigen wollen, wo sie leben und was sie gerne unternehmen. „Es sind diese kleinen Dinge, die beide Seiten bereichern“, sagt sie.

Mangan hat seine eigenen Hoffnungen, was den Freebird Club betrifft. Er sieht den Club vor großen Veränderungen und rechnet mit einem rasanten Wachstum.

Die Verhandlungen mit mehreren Großinvestoren stehen kurz vor dem Abschluss, und eine neue Website ist gerade in Arbeit. Sie wird mit komplexen Algorithmen arbeiten, damit die reisenden Clubmitglieder noch leichter passende Gastgeber finden. Das soll den sozialen Wert des Angebots weiter erhöhen. Als Ziel nennt Mangan fünf Millionen Mitglieder in den nächsten fünf Jahren. Bei all den positiven Rückmeldungen der heutigen Mitglieder hält er das für realistisch – wenn die Investitionen stimmen.