Bei Unternehmensinnovation denken Sie vermutlich an originelle Apps, die neuesten technischen Spielereien von Start-up-Unternehmen oder bahnbrechende Arzneimittel. All das ist natürlich sehr wichtig. Und bisweilen ganz schön spannend.

Denken Sie jetzt mal an leckere Würstchen. Nun – das ist richtig spannend!

Creta Farms, der größte Wurstwarenhersteller Griechenlands, investiert fünfmal so viel wie vergleichbare Unternehmen dieser Branche in innovative Methoden zur Herstellung gesünderer Fleischwaren. Das Unternehmen setzt dabei in erster Linie auf eine komplexe firmeneigene Technologie, durch die es dem Fleisch die gesättigten tierischen Fette entzieht und ihm stattdessen natives Olivenöl – und somit ungesättigte Fette – zusetzt. Das Fleisch wird durch diesen Prozess gesünder, da das „schlechte“ Cholesterin reduziert wird. Gleichzeitig bleibt der gute Geschmack erhalten.

Mit dieser „Oliving“-Technologie, wie der Prozess im Unternehmen genannt wird, wurde Creta Farms zum größten Akteur auf dem griechischen Wurstwarenmarkt, auch wenn seine Produkte preislich im Premiumsegment angesiedelt sind. Das Unternehmen hat sich mit seinen Produkten bereits erfolgreich auf dem australischen Markt sowie in einigen anderen Ländern etabliert. Doch nun will Creta Farms verstärkt in internationale Märkte expandieren und seine „Oliving“-Technologie weltweit im Snack-Food-Bereich einführen.

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Mediterrane Ernährung: noch gesünder durch innovative Technologie

Creta Farms kann auf die Unterstützung der EU zählen: Es erhält als erstes griechisches Unternehmen ein größeres Darlehen, das durch den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) – eine der drei Säulen des Investitionsplans für Europa – besichert wird.

Die Europäische Investitionsbank, die Bank der EU, hat im Juni ein Darlehen von 15 Millionen Euro an Creta Farms vergeben. Das Darlehen wird durch den EFSI besichert, der auf Basis einer Garantie aus dem EU-Haushalt und Mitteln der EIB bis 2018 Investitionen von 315 Milliarden Euro in Europa anstoßen soll. Creta Farms brauchte dieses Darlehen, weil griechische Banken nach jahrelangen wirtschaftlichen Turbulenzen nur noch zögerlich Kredite vergeben. Mit dem EIB-Darlehen kann das Unternehmen die hohen Vorlaufkosten für seine „Oliving“-Technologie und seine internationale Expansion finanzieren.

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Gesunde Basis für Ernährung und Wirtschaft

Die mediterrane Küche, die u. a. auf Gemüse, Vollkornprodukte und Fisch setzt, ist vor allem deshalb so lecker, weil viel mit Olivenöl zubereitet wird. Eine solche Ernährung senkt nachweislich das „schlechte“ Cholesterin und damit auch das Herzinfarktrisiko. Creta Farms ist davon überzeugt, dass diese Tatsache dem Unternehmen die Tür zum internationalen Snack-Markt öffnen wird, der viel größer ist als der Markt für Feinkost. Um seine Möglichkeiten optimal zu nutzen, will Creta Farms „Oliving“-Methoden für Pizza und Käse entwickeln, um auch die schlechten Fette in diesen Lebensmitteln ohne Geschmackseinbußen zu reduzieren. Das Darlehen der EIB wird den internationalen Vorstoß von Creta Farms beschleunigen und seine FuE voranbringen.

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Schweinefleisch innovativ verfeinert

Creta Farms wurde 1970 von Stilianos Domazakis in Rethymno im Norden Kretas als Schweinemast- und Fleischereibetrieb gegründet. In den 1990er Jahren änderten Domazakis Söhne Emmanouil und Konstantinos, die nach wie vor 82 Prozent des Kapitals halten, die Ausrichtung des Unternehmens und begannen, Methoden zur Herstellung fettarmer Wurstwaren zu erforschen. Nach sechsjähriger Entwicklungsarbeit ließen sie sich schließlich eine Technologie patentieren, die den Fettgehalt weit unter den Anteil von 30 Prozent in herkömmlichen Fleischdelikatessen reduziert. Das Unternehmen stellt jährlich 30 000 Tonnen Fleischfeinkost her.

Creta Farms widmete sich in der Folge weiterhin verstärkt der Entwicklung neuer Technologien und konnte so in den vergangenen 15 Jahren 20 Patente anmelden. Allein in den letzten fünf Jahren investierte das Unternehmen 35 Millionen Euro in Forschung, Entwicklung und Innovation. Das entspricht 5 Prozent seines Umsatzes und ist fünfmal mehr, als die meisten Lebensmittelhersteller aufgewendet haben. Erwähnenswert ist, dass griechische Unternehmen nicht einmal die Hälfte des EU-weiten Durchschnitts für Forschung, Entwicklung und Innovation ausgeben.