Hoch über Ústí nad Labem thront sie, die Burg Střekov. Ihre alten Mauern erinnern an die frühen Jahre einer Stadt und Region mit reicher Geschichte, deren Einfluss und Wohlstand im Industriezeitalter ihren Höhepunkt erreichte.
„Der Blick von der Burg ist zu jeder Jahreszeit schön“, schwärmt Bürgermeister Petr Nedvědický, „aber mir gefällt er im Herbst am besten, wegen der Farben.“
Heute steht Ústí nad Labem vor neuen Aufgaben. Die Stadt ist Hochschulstandort, mit knapp 9 000 Studierenden an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität. Sie liegt geografisch günstig und will zu einem nachhaltigen, lebenswerten Ort mit einer starken Wirtschaft werden. Zu einem Ort, der alles bietet, was Menschen jeden Alters brauchen. Dazu muss sie die Energiewende anpacken.
Genau dabei helfen die Europäische Investitionsbank und ihre Beratungsteams. 2024 unterzeichneten Ústí nad Labem und die Bank einen Kredit über rund 43 Millionen Euro – für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien in kommunalen Gebäuden.
Wertvolle Erfahrungen
Ústí nad Labem nutzte ein Technische-Hilfe-Programm der EIB, inklusive eines ELENA-Zuschusses für Energieeffizienz und Erneuerbare. Hinzu kommt Beratung zur Projektvorbereitung über die InvestEU-Beratungsplattform. Für ihre Energieeffizienz-Projekte hat die Stadt Verwaltungsgebäude, Bildungseinrichtungen, Seniorenheime und den städtischen Zoo ausgewählt.
„Wir bauen keine neuen öffentlichen Gebäude, sondern investieren in den Bestand – so, wie es diese Gebäude verdienen. Das reicht von Effizienzmaßnahmen bis Barrierefreiheit für alle“, erklärt der Bürgermeister.
Das ELENA-Programm stellte der Stadt ein Team zur Seite, das sie beratend begleitete und sein Wissen einbrachte. „Wir hatten eine gewisse Erfahrung in der Projektleitung, aber nicht unbedingt in den Bereichen, die jetzt gefragt waren“, sagt Nedvědický.
Petr Krause ist der Projektleiter der Stadt. Er weiß, wie wichtig es ist, aus den Erfahrungen anderer Städte zu schöpfen. „Dieses Programm ist für uns ganz neu“, erklärt er. „Die EIB hilft uns, die richtigen Teams und Fachleute aufzustellen. Expertise ist vorhanden – jetzt kommt es darauf an, gut zu kommunizieren und komplexe Themen verständlich zu erklären.“
Die technische Unterstützung der EIB half bei der Auswahl geeigneter Technologien, beim Aufbau von Monitoring-Systemen sowie bei Planung und Ausschreibung, sagt Krause.
Ein Symbol der Stadt
Eines der sichtbarsten Investitionsprojekte ist sicherlich der Zoo. Er zieht jedes Jahr 160 000 Besucherinnen und Besucher an.
„Tschechische Städte sind meist sehr stolz auf ihren Zoo“, sagt Kamil Dörfler, Stadtentwicklungsspezialist bei der EIB. „Er gehört zum historischen Erbe.“
In Ústí nad Labem hatte der Zoo Priorität, weil sich hier viel Energie und Betriebskosten einsparen lassen. Zum Teil heizt der Zoo jetzt mit Geothermie.
Alle Maßnahmen im Zoo „beginnen mit den Tieren“, betont Zoodirektorin Ilona Pšenková. „Ihre Lebensbedingungen zu verbessern, ist für uns Herzenssache.“ Deshalb wurden die Bereiche für Fingertiere, Loris und andere bedrohte Primaten erneuert. Außerdem gibt es neue Areale, in denen Besucherinnen und Besucher mehr über die Artenvielfalt im Regenwald des Kongo erfahren.
Mit der technischen Hilfe der EIB erlernten unsere Beschäftigten neue Kompetenzen, und wir können jetzt praktische Nachhaltigkeitslösungen umsetzen, die uns vorher verschlossen waren, so Pšenková.
In allen Bereichen des Zoos stehen Artenschutz und Wissensvermittlung im Mittelpunkt. Die Installation „Slow Loris Ark“ ist zum Beispiel Teil eines größeren Zuchtprogramms für Loris. Gleichzeitig wird hier Kaffee von Kaffeebauern aus Indonesien ausgeschenkt, die keine bedrohten Arten jagen. „Madagascar at Night“ macht die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht, damit Besucherinnen und Besucher die nachtaktiven Tiere der Insel in Aktion erleben können.
Attraktiver für Jung und Alt
All diese Projekte verbessern das Leben in der Stadt – und eröffnen Chancen. Moderne Gebäude und erneuerbare Energien bedeuten weniger Strom- und Gasverbrauch, weniger Emissionen und mehr Ersparnis. Und sie heben die Stimmung: Wer in sanierten Gebäuden lebt und arbeitet, ist zufriedener, sagt Krause. Gerade die Erwartungen von jungen Menschen dürften die Projekte erfüllen, bieten sie doch gute, bezahlbare Wohnungen, die nicht zu weit von größeren Zentren wie Dresden oder Prag entfernt sind, so Bürgermeister Nedvědický.
Auch der Zoo trägt dazu bei, dass die Menschen gerne in Ústí nad Labem leben.
„Wir sind vielleicht nur ein Zoo, aber wir haben für alle etwas im Angebot“, weiß die Zoodirektorin. „Die einen kommen am Sonntagnachmittag gerne auf einen Kaffee zu uns, die anderen, um mehr über Natur und Umwelt zu lernen. Und wenn wir dann noch 160 000 Besucherinnen und Besuchern zeigen können, dass mehr Nachhaltigkeit klappt, dann haben wir unser Ziel erreicht.“
USTI NAD LABEM MUNICIPAL INFRA
Improvement of municipal infrastructure in the City of Usti nad Labem.
USTI NAD LABEM MUNICIPAL INFRASTRUCTURE II
Modernisation of municipal infrastructure of the City of Usti nad Labem.