„Für Sektoren wie Luft- und Schifffahrt ist das die Lösung für die nächsten Jahrzehnte.“
Invested by Europe ist ein Podcast über die europäische Wirtschaft. Von Wohnraum, Energie und Innovation bis hin zu Infrastruktur, Sicherheit und Verteidigung: Fachleute verraten in jeder Folge, wo die großen Herausforderungen liegen. Wir wollen wissen, was sich ändert, welche Lösungen es gibt und wie Europa in seine Zukunft investiert.
Darum geht es in dieser Folge
Die Benzinpreise steigen. Und während viele auf E-Autos umsteigen, haben andere Branchen weniger Alternativen. Luft- und Schifffahrt sowie Schwerverkehr sind weiterhin auf flüssige Kraftstoffe angewiesen. Für viele dieser Flotten ist die Elektrifizierung derzeit keine realistische Option.
In dieser Folge von Invested by Europe, erklärt Tiago Lopes, Senior Engineer bei der Europäischen Investitionsbank,
- was nachhaltige Flüssigkraftstoffe sind
- warum sie für Luft- und Schifffahrt unverzichtbar sind
- was ihre Skalierung in Europa bremst
- warum sie für Europas Energiesicherheit und strategische Autonomie entscheidend sind
Kurzfassung
Nachhaltige Flüssigkraftstoffe eignen sich für Verbrennungsmotoren und bestehende Infrastruktur. Ihre Herstellung verursacht aber weniger CO2. Für Flugzeuge, Schiffe und Lkws, wo die Elektrifizierung noch in den Kinderschuhen steckt, bieten sie damit in den kommenden Jahrzehnten eine gute Alternative.
Eine großskalige Produktion in Europa könnte die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten verringern und die strategische Autonomie stärken. Kraftstoffmärkte reagieren heute sehr empfindlich auf externe Schocks. Europa bleibt anfällig für die geopolitische Instabilität in Regionen, die konventionelle Kraftstoffe liefern. Preissprünge infolge des Kriegs in der Ukraine oder der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten haben Europas Abhängigkeit von externen Energiequellen stärker ins Bewusstsein gerückt.
Trotz ihres Potenzials stehen nachhaltige Flüssigkraftstoffe vor drei zentralen Hürden:
- Kosten: Sie sind derzeit teurer als herkömmliche Kraftstoffe, vor allem in Sektoren mit hohem Verbrauch wie Luft- und Schifffahrt
- Technologie: Die Branche ist noch jung, die Produktion hat noch nicht den Umfang und die Reife der Öl- und Gasmärkte erreicht
- Sicherheit: Ohne langfristige Technologie- und Liefergarantien scheuen große Unternehmen langfristige Kraftstoffverträge
Hier kommen öffentliche Geldgeber ins Spiel. Sie können größere und kostengünstigere Produktionsanlagen fördern und gemeinsam mit Unternehmen privates Kapital mobilisieren. So werden nachhaltige Flüssigkraftstoffe wettbewerbsfähiger. Nichts zu tun, ist zu riskant. Wenn Europa sich zu viel Zeit lässt, investieren andere Regionen zuerst, und Europa bleibt von externen Anbietern abhängig. Geht Europa dagegen technologisch und regulatorisch voran, kann es eine vollständige Wertschöpfungskette aufbauen – von Rohstoffen über Produktion bis Vertrieb. Dadurch bleibt mehr Wertschöpfung im eigenen Wirtschaftsraum.
Für Luft- und Schifffahrt steht viel auf dem Spiel. Beide Branchen arbeiten mit dünnen Margen und geben steigende Kraftstoffkosten direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. In beiden Sektoren ist Europa weltweit führend. Daher ist eine sichere, nachhaltige Kraftstoffversorgung unverzichtbar.
Fazit
- Nachhaltige Flüssigkraftstoffe eignen sich für Verbrennungsmotoren und bestehende Infrastruktur
- Sie ermöglichen die Dekarbonisierung von Luft- und Schifffahrt sowie Schwerverkehr
- Ihre Produktion in Europa stärkt unsere Energiesicherheit und Autonomie
Unser Gast
Tiago Lopes ist Senior Engineer bei der Europäischen Investitionsbank. Er arbeitet an Projekten, die Flugzeuge, Drohnen und Schiffe innovativer und nachhaltiger machen. Mit seiner Erfahrung im Engineering und in der Projektentwicklung setzt er sich leidenschaftlich für neue Technologien und mehr Zusammenarbeit ein, um branchenweit etwas zu bewirken. Bevor er zur EIB kam, arbeitete er 20 Jahre in der Luftfahrt – unter anderem in der Beratung, im Airline- und Flughafenmanagement sowie in den Bereichen Fusionen und Übernahmen (M&A) und Finanzierung. Dabei war er an Projekten im Umfang von über zehn Milliarden Euro in Europa, Lateinamerika, Afrika und im Nahen Osten beteiligt.
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