Das Corona-Webtool von Bayes Impact bremst die Ausbreitung des Virus

Von Chris Welsch

Für Bayes Impact war Covid-19 ein weiterer triftiger Grund, seine Kräfte für die Gesellschaft zu mobilisieren.

Die Non-Profit-Organisation verfolgt einen hohen Anspruch: Sie will Data Science und künstliche Intelligenz in den Dienst möglichst vieler Menschen stellen. In der aktuellen Coronapandemie zeigt sie, was sie damit meint.

Gleich zu Beginn des Lockdowns in Frankreich fiel dem Team von Bayes Impact auf, dass Covid-19-Infizierte ihre Kontaktpersonen nicht immer informierten. Das Virus konnte sich so ungehindert verbreiten.

„Wir haben die Menschen gefragt, warum sie sich so verhalten. Im Wesentlichen war es eine Kombination von Gründen: Sie wussten nicht, wann genau sie ansteckend waren, sie konnten sich nicht mehr erinnern, wen sie in dieser Zeit getroffen hatten, und manchmal wollten sie auch nicht, dass andere von ihrer Infektion erfahren“, erklärt Paul Duan, Mitgründer und Chef von Bayes Impact.

Sein Team entwickelte daraufhin ein Webtool, mit dem Infizierte ihre Kontaktpersonen ganz einfach identifizieren und benachrichtigen können. Die Nutzung von Briser la Chaîne („Die Kette durchbrechen“) ist freiwillig. Da die Anwendung ohne Bluetooth- und GPS-Technologie auskommt, greift sie nicht in die Privatsphäre ein.

Bürgerengagement für öffentliche Aufgaben

Bayes Impact ergänzt die Bluetooth-basierte Kontaktverfolgungs-App, die die französische Regierung derzeit entwickeln lässt, erklärt Paul. Mehr als 5 000 Menschen haben Briser la Chaîne seit dem Start Mitte Mai benutzt. Ärztinnen und Ärzte und Kliniken empfehlen das Webtool nach einem positiven Covid-19-Test.

Briser la Chaîne ist nur ein Beispiel für die Ideen von Bayes Impact. „Wir nennen das Bürgerengagement für öffentliche Aufgaben“, so Paul. „Der Gedanke dahinter: Mit der Technologie können wir heute Dienste für alle schaffen – so, wie wir sie haben wollen. Und wenn wir etwas für das Gemeinwohl tun können, dann sollten wir es auch tun.“

>@Bayes Impact
Mit künstlicher Intelligenz hilft „Bob“ von Bayes Impact bei der Jobsuche. ©Bayes Impact

Mit künstlicher Intelligenz aus der Arbeitslosigkeit

In den letzten zwei Jahren hat sich Bayes Impact auf das Thema Arbeitslosigkeit konzentriert und Bob entwickelt. Das Tool hilft Arbeitslosen mit künstlicher Intelligenz dabei, einen passenden Job zu finden. Mehr als 200 000 Arbeitsuchende in Frankreich waren damit schon erfolgreich.

>@Bayes Impact
Die Technologie seines Unternehmens ist umso wichtiger, je enger der Arbeitsmarkt wird, glaubt Paul Duan, Chef von Bayes Impact. ©Bayes Impact

Bayes Impact wurde 2014 in Kalifornien gegründet und ist heute hauptsächlich in Frankreich tätig. Seine zehn Beschäftigten arbeiten überwiegend in Paris und Lyon. Das Unternehmen ist Teil des Alumni-Netzes des Wettbewerbs für soziale Innovation des EIB-Instituts. Das Alumni-Netz besteht aus Finalisten des Wettbewerbs sowie aus Unternehmerinnen und Unternehmern, die für Führungskräftetrainings der Katholischen Universität Portugal in Lissabon ausgewählt wurden.

Bob verwendet Echtzeit-Daten des Arbeitsmarkts und hilft den Arbeitslosen so, gezielt zu suchen. In den kommenden Monaten wird dieses Wissen noch wichtiger sein.

„Im Moment sind wir dabei, Bob um ‚Upskilling‘ zu erweitern. Angesichts des schwierigen Arbeitsmarkts, der uns in den nächsten Monaten erwartet, müssen die Menschen zusätzliche Kompetenzen erwerben“, meint Nicolas. „Nicht einmal die Fachleute wissen, was auf uns zukommt. Deshalb versuchen wir gerade, die künftigen Anforderungen des Arbeitsmarkts vorherzusehen.“

Paul ergänzt: „Briser la Chaîne und Bob: Das ist Bürgerengagement für öffentliche Aufgaben, die wir mit staatlicher Hilfe erweitern. Wir wollen mehr Zusammenarbeit, denn das bringt mehr für alle.“