Klimabezogene Projekte und Strategien, an denen Frauen beteiligt sind, sind wirksamer
Von Moa Westman
Wenn es um mehr Klimaschutz geht, sind Frauen in vieler Hinsicht ganz vorn dabei. Sie sind innovativ, engagiert und denken unternehmerisch. Beispiele? Die 17-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden oder die mexikanische Diplomatin Patricia Espinosa, die die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) leitet.
In den Entscheidungsgremien, die Klimamaßnahmen oder Klimastrategien entwickeln, sind Frauen allerdings immer noch weitgehend unterrepräsentiert. Und zwar sowohl bei internationalen Organisationen als auch im öffentlichen und privaten Sektor.
Pariser Abkommen und Geschlechtergleichstellung
Im Pariser Abkommen wird anerkannt, wie wichtig Gender-Aspekte bei der Planung und Umsetzung klimapolitischer Strategien und Projekte sind.
In der Präambel des Abkommens wird die Erkenntnis formuliert, dass „Klimaänderungen die ganze Menschheit mit Sorge erfüllen“. Bei der Bekämpfung des Klimawandels sollten die Regierungen im Rahmen ihres Engagements für die Menschenrechte auf „die Gleichstellung der Geschlechter, die Stärkung der Rolle der Frau und die Gerechtigkeit zwischen den Generationen“ achten. In Artikel 7 heißt es, dass bei der Anpassung „ein von den Ländern ausgehender, geschlechtergerechter, partizipatorischer und vollständig transparenter Ansatz unter Berücksichtigung von besonders schutzbedürftigen Gruppen, Gemeinschaften und Ökosystemen“ verfolgt werden soll.
In ihrem Aktionsplan 2020–2022 fordert die UNFCCC öffentliche und private Einrichtungen auf, bei der Finanzierung von Klimaprojekten die Geschlechtergleichstellung zu berücksichtigen. Insgesamt hat die UNFCCC mehr als 50 Beschlüsse zur Geschlechtergleichstellung und zum Klimawandel erlassen, die sich auf die Anpassung an den Klimawandel, seine Eindämmung, den Kompetenzaufbau und in gewissem Umfang auch auf Technologie und Finanzierung beziehen.
2016 wurden in etwa der Hälfte der Pläne, die die einzelnen Staaten in Bezug auf den Klimawandel verfolgen, Frauen oder Geschlechteraspekte erwähnt. Allerdings wird nur in wenigen davon auf die wichtige Rolle verwiesen, die Frauen bei der Entscheidungsfindung und als Akteure des Wandels spielen (WEDO, 2016).
Frauen sind besonders betroffen
Zweifellos kann der Klimawandel für alle Menschen verheerende Folgen haben – vor allem für die, die ihr Einkommen mit natürliche Ressourcen erwirtschaften. Doch Frauen sind von Umweltschäden anders betroffen als Männer. Denn sie haben nicht den gleichen Zugang zu produktiven, natürlichen und finanziellen Ressourcen. Grund ist die unterschiedliche Geschlechter- und soziale Rolle. Durch die Einschränkungen, die sich daraus ergeben, verstärken sich die Folgen des Klimawandels für Frauen tendenziell.
Kluft in der Landwirtschaft
Von Frauen geführte Familienbetriebe in der Landwirtschaft sind meist kleiner – etwa halb so groß wie die Betriebe von Männern. Manche kommen auf zwei Drittel. Aufgrund der geringeren Betriebsgröße verfügen Frauen im Allgemeinen nicht über die Mittel, um witterungsbedingte Verluste zu decken oder Technologien einzuführen, durch die ihr Unternehmen effizienter und klimaresilienter werden könnte. Das hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) konstatiert.
Hätten Landwirtinnen jedoch bessere Bedingungen, könnten sie ihre Erträge um 20 bis 30 Prozent steigern, die Bodenfruchtbarkeit verbessern und die Ökosysteme schützen. Durch Investitionen in Informationssysteme, Klimarisikoversicherungen, widerstandsfähige Nutzpflanzen und zeitsparende Technik könnten Landwirtinnen die Produktivität erhöhen. Das käme der Geschlechtergerechtigkeit zugute und würde gleichzeitig die landwirtschaftliche Produktion steigern.
Der EcoEnterprises Fund kombiniert die Förderung von Frauen in der Landwirtschaft und von Jobs mit Nachhaltigkeit. Der Fonds mit Sitz in Lateinamerika investiert in Unternehmen, die die biologische Vielfalt pflegen. Dazu gehören Betriebe, die sich für eine nachhaltige Land- oder Forstwirtschaft engagieren oder Nichtholzprodukte herstellen. Der von der EIB unterstützte Fonds arbeitet aktiv mit der Kichwa-Gemeinschaft zusammen, einer der bevölkerungsreichsten indigenen Gruppen im ecuadorianischen Amazonasgebiet. Durch die Investitionen können die Kichwa nun mehr Tee exportieren und gleichzeitig die biologische Vielfalt des Amazonasgebiets erhalten.
Energiearmut
Nach Angaben von Oxfam erbringen Frauen in ländlichen Gemeinden täglich bis zu 14 Stunden unbezahlte Care-Arbeit. Vor allem müssen sie Brennholz sammeln und Wasser holen. Immer knappere Waldbestände und Wasserressourcen führen dazu, dass sie dafür noch mehr Zeit aufwenden müssen. Und die fehlt ihnen dann für Bildung, Ausbildung und andere produktive Tätigkeiten. Dadurch verschärfen sich die Ungleichheiten.
Investitionen in netzunabhängige Erneuerbare-Energien-Systeme und saubere Lösungen für die Essenszubereitung können Frauen das Leben erleichtern und wertvolle Zeit sparen. In Ostafrika investierte die EIB in einen Fonds, der ärmeren Familien und Frauen hilft, Solarlampen und Solarsysteme für den Haushalt zu kaufen. Den Kaufpreis zahlen sie dann über mehrere Monate ab. Durch das Projekt d.light hat sich der Zugang zu sauberer Energie verbessert, und Ladeninhaberinnen müssen nicht mehr bei Einbruch der Dunkelheit schließen.
Die Unterstützung von Unternehmerinnen ist eine weitere Möglichkeit, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu bekämpfen und gleichzeitig Klimalösungen zu fördern. In Afrika und Asien werden viele Unternehmen im Bereich erneuerbaren Energien von Frauen geführt, die aber oft nicht expandieren können, weil ihnen die Mittel dafür fehlen.
Frontier Markets, ein Anbieter netzunabhängiger Solarenergielösungen für ländliche Regionen in Indien, hat seinen Umsatz um 30 Prozent gesteigert‚ seit das Unternehmen im Bereich Lieferung und Vertrieb Frauen beschäftigt. Sie erweiterten den Kundenkreis und brachten saubere Energie in Wohnungen, die bis dahin keinen Strom hatten.
Folgeschäden
Der Klimawandel trifft Frauen nicht nur stärker, sondern ist für sie auch tödlicher und destruktiver.
Bei extremen Wetterereignissen haben Frauen eine höhere Sterberate als Männer. Beispielsweise waren bei dem Tsunami, der 2004 die indonesische Provinz Aceh an der Nordwestküste Sumatras verwüstete, 77 Prozent der etwa 170 000 Todesopfer Frauen (Oxfam).
Insgesamt verschlechtern Naturkatastrophen die Lage von Frauen. Untersuchungen zeigen, dass der Sexhandel nach Wetterkatastrophen um 20 bis 30 Prozent zugenommen hat und schätzungsweise zwölf Millionen mehr junge Mädchen verheiratet wurden (IUCN). Die Gewalt gegen Frauen steigt nach Naturkatastrophen häufig, weil der wirtschaftliche Druck stärker wird und sich das soziale Gefüge der Gemeinschaften verschlechtert.
Gender-Aspekte – ein Muss
Der Klimawandel trifft Männer und Frauen unterschiedlich stark. Klimainvestitionen, bei denen die Geschlechtergleichstellung nicht berücksichtigt wird, verschärfen die Ungleichheiten unter Umständen. Hingegen könnten Programme und Strategien, die diesen Aspekt einbeziehen, das Leben von Frauen verbessern und gleichzeitig die Erde schützen.
Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass diejenigen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, Teil der Lösung sein müssen. Sozial- und gendergerechte Klimainvestitionen sind wirksamer und führen laut UNFCCC sowohl ökologisch als auch finanziell und wirtschaftlich zu besseren Ergebnissen.
Deshalb sollten Investoren nach Klimainvestitionen suchen, die der Gesellschaft insgesamt zugutekommen und die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechte indigener Völker, die wirtschaftliche Resilienz sowie Frieden und Stabilität fördern.