Nach den verheerenden Schäden 2014 verstärkt Bosnien und Herzegowina den Hochwasserschutz.

Im Mai 2014 wurde Südosteuropa von den schwersten Regenfällen seit Beginn der Aufzeichnungen heimgesucht. Serbien sowie Bosnien und Herzegowina traf es am schlimmsten. „Mein Elternhaus stand unter Wasser“, erzählt Saša Mirić. „Drinnen stieg das Wasser fast einen Meter hoch.“

Mirić gehörte zu den 1,6 Millionen Menschen, die von den Überschwemmungen in den beiden Ländern betroffen waren. Nach 2010 war das schon das zweite starke Hochwasser in seiner Heimat. Über 100 000 Menschen waren in Bosnien und Herzegowina betroffen – 33 000 mussten ihre Häuser verlassen. 35 000 Wohnhäuser und Gebäude und fast 90 000 Hektar Acker- und Bauland wurden überflutet. Gesamtschaden: fast eine Milliarde Euro.

„Es war schrecklich. Die Menschen haben ihre Häuser und ihr Vieh verloren, und die Ernte war dahin“, erinnert sich Mirić, der auch heute noch in der Nähe von Bijeljina in der Republika Srpska lebt.

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„Wir tun alles dafür, dass sich das nicht wiederholt“, versichert Slaviša Savić, stellvertretender Direktor von Vode Srpske, einer öffentlichen Einrichtung, die für die Wasserversorgung und öffentlichen Wasservorkommen in der Republika Srpska zuständig ist. „Die Deiche entlang der Save entstanden vor dem Zweiten Weltkrieg und wurden nur in den 1980er-Jahren etwas verstärkt. Aber jetzt werden wir die Schäden beheben und unseren Hochwasserschutz ausbauen.“

Investition in die Sicherheit

Die Europäische Investitionsbank hilft der Republika Srpska mit 55 Millionen Euro beim dringenden Wiederaufbau des Hochwasserschutzes entlang der Save und ihrer Nebenflüsse. Es geht darum, Felder, Industriegelände und Wohngebiete vor den Fluten zu schützen und eine stabile Entwicklung in der Zukunft zu sichern. Die Finanzierung ist auch Teil der Resilienzinitiative, mit der die EIB die Wirtschaft im Westbalkan besser gegen künftige Schocks wappnen will.

Das Projekt umfasst die Sanierung von Deichen auf einer Länge von 78 Kilometern, die Ausbesserung von Kanälen mit einer Gesamtlänge von 163 Kilometern und den Bau weiterer Hochwasserschutzanlagen. „Von 93 geplanten Maßnahmen sind 75 bereits abgeschlossen“, sagt Savić. Dadurch sind jetzt 53 Gemeinden, die 2014 vom Hochwasser betroffen waren, verlässlicher geschützt.

Weitere Hilfe kam aus dem Investitionsrahmen für den Westbalkan. Mit einem Zuschuss von 7,38 Millionen Euro konnten die Kommunen in der Republika Srpska Sofortmaßnahmen zum Schutz vor Hochwasser ergreifen, wie etwa:

  • Sanierung von Flussdeichen, Kanälen, Böschungen und kleinen Brücken
  • Austausch und Modernisierung von Pumpstationen
  • Vorbeugende Maßnahmen wie Erosionsschutz, Hochwasserrisikokarten und Pläne für das Management von Hochwasserrisiken sowie Hochwasserschutz- und Frühwarnsysteme

Der Beitrag aus dem Investitionsrahmen umfasste auch technische Hilfe in Form von Machbarkeitsstudien, Detailplanungen, Hilfe bei Ausschreibungen, Projektmanagement und Bauüberwachung sowie Unterstützung bei der Erstellung von Hochwasserrisiko- und ­gefahrenkarten für das gesamte Bosnien und Herzegowina.

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Damit sich Geschichte nicht mehr wiederholt

Mirić arbeitet in der Pressestelle von Vode Srpske und machte 2014 viele Aufnahmen von den überschwemmten Gebieten. Er hofft, dass sich solche apokalyptischen Szenen wie damals nie mehr wiederholen.

„Das Projekt schreitet gut voran und bringt wirklich viel. Das ist sehr ermutigend!“, sagt er. „Erst vor Kurzem habe ich mir angesehen, wie sie mit der Verbreiterung des Flussbetts der Drinjača vorankommen. Ich war beeindruckt. Wenn das fertig ist, wird das Flussbett 20 Mal so viel Wasser wie bisher aufnehmen können.“

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Die Regierung plant noch weitere Maßnahmen, damit Überschwemmungen in der Größenordnung von 2014 nie wieder vorkommen. „Wir sind unter anderem dabei, Hochwasserrisiko- und -gefahrenkarten für das Land zu erstellen“, erklärt Savić. „Geplant ist auch ein Frühwarnsystem für das Flussgebiet des Vrbas, in dem es immer wieder zu Überschwemmungen kommt.“

Auch Mirić bestätigt: „Die Leute sehen, dass sich etwas tut – dass die Regierung nicht die Hände in den Schoß legt, sondern sich wirklich bemüht, sie zu schützen.“

Aber das geht nur mit langfristiger Planung, weiß Savić. „Wir müssen der jetzigen und den künftigen Regierungen klarmachen, wie wichtig es ist, in die Instandhaltung der Anlagen zu investieren, damit wir beim nächsten Mal vorbereitet sind – denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt.“

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