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  • Der senegalesische Präsident Macky Sall begrüßt die Unterstützung von Team Europe und anderer Partner wie den Vereinigten Staaten und der Weltbankgruppe beim Bau einer inländischen Fabrik für Impfstoffe gegen Covid-19 und andere endemische Krankheiten
  • Der senegalesische Präsident, der EU-Binnenmarktkommissar, der Präsident der Europäischen Investitionsbank und die Vereinigten Staaten unterzeichnen Zuschussvereinbarungen für ein großes Impfstoffprojekt
  • Dies ist Teil der Initiative von Team Europe für die Herstellung und Verfügbarkeit von Medikamenten, Impfstoffen und Gesundheitstechnologien in Afrika; der Kontinent will seine 99%ige Abhängigkeit von importierten Impfstoffen verringern und mehr selbst produzieren
  • Das Projekt wird die Produktionskapazitäten für Medikamente und Impfstoffe in Afrika deutlich erhöhen und die Abhängigkeit von Importen verringern
  • Das regionale Produktionszentrum wird beim Institut Pasteur in Dakar angesiedelt sein
  • Die senegalesische Regierung und internationale Finanzierungspartner unterstützen das Vorhaben

Die Produktion von Covid-19-Impfstoffen in Afrika rückt näher: Team Europe wird sich am Bau einer großen Fabrik beim Institut Pasteur in Dakar beteiligen und weitere Maßnahmen finanzieren. Damit wird der zu 99 Prozent auf Impfstoffimporte angewiesene Kontinent unabhängiger und ist besser für künftige Pandemien gerüstet.

Die Vereinbarung ist Teil eines großen Investitionspakets für die Impfstoff- und Medikamentenproduktion in Afrika, das Team Europe im Mai auf den Weg brachte. Die Europäische Kommission, EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank und andere Finanzierungsinstitute ziehen dabei an einem Strang, in Einklang mit der EU-Afrika-Strategie und der Strategie der Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) und der Partnerships for African Vaccine Manufacturing (PAVM).

Team Europe hat mit anderen internationalen Partnern ein großes Hilfspaket zugesagt, damit das Projekt mittel- bis langfristig nachhaltig bleibt. Dieses setzt sich wie folgt zusammen:

Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Impfstofffabrik im Senegal mit einem Zuschuss von 20 Millionen Euro über die staatliche Förderbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Frankreich hat über die Agence française de développement (AFD) bereits zwei Finanzierungspakete von insgesamt 1,8 Millionen Euro für das MADIBA-Projekt (Manufacturing in Africa for Disease Immunization and Building Autonomy) am Institut Pasteur in Dakar vergeben. Die Mittel fließen in Machbarkeitsstudien und Anfangsinvestitionen. Die AFD-Gruppe und ihre private Tochtergesellschaft Proparco wirken auch in der Gruppe der technischen und finanziellen Partner an der Strukturierung des Projekts mit, um möglichst viel finanzielle Unterstützung zu gewinnen.

Belgien wird den Senegal bei der Strukturierung von Initiativen zur Produktion von Impfstoffen und Medikamenten unterstützen, wie etwa dem Pharmapolis-Pharmazentrum. Belgien begrüßt außerdem, dass ein belgisches Biotechunternehmen aus dem Bereich Bioproduktionsplattformen mit Unterstützung der Wallonie eine Partnerschaft mit dem Institut Pasteur in Dakar – einem wichtigen Partner für Kompetenzaufbau und Technologietransfer – schmiedet.

Die Europäische Kommission erörtert mit den senegalesischen Behörden die Möglichkeit, bis Ende 2021 im Rahmen des neuen Instruments NDICI/Europa in der Welt weitere Finanzierungsmittel für das Projekt zu mobilisieren. Dies ist Teil der Initiative von einer Milliarde Euro, mit der Team Europe die Herstellung und Verfügbarkeit von Impfstoffen, Medikamenten und Gesundheitstechnologien in Afrika verbessern will. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Initiative im Mai 2021 angekündigt.

Bei einer Veranstaltung im Präsidentenpalast in Dakar gaben Macky Sall, der Präsident der Republik Senegal, EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sowie Vertreterinnen und Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, der Europäischen Investitionsbank und anderer Entwicklungsfinanzierungsinstitute wie der International Finance Corporation (IFC), heute Einzelheiten darüber bekannt, was Team Europe tun will, um die Projektvorbereitung zu beschleunigen, Produktionskapazitäten auszubauen und Fragen der technischen Machbarkeit zu untersuchen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um umfangreiche Investitionen in das neue Werk zu mobilisieren. Die in den nächsten 18 Monaten entstehende Impfstofffabrik dient dem afrikanischen Kontinent als hochmoderne Anlage für die Produktion zugelassener Coronaimpfstoffe.

Heute stellt Team Europe 6,75 Millionen Euro an Zuschüssen zur Verfügung, die in technische Machbarkeitsstudien und die Projektvorbereitung für die neue Anlage am Institut Pasteur in Dakar fließen. Der Betrag setzt sich zusammen aus 4,75 Millionen Euro von der Europäischen Kommission und der Europäischen Investitionsbank, 200 000 Euro von Deutschland und 1,8 Millionen Euro von Frankreich. Damit können auch die Gesamtprojektkosten und die Finanzierungsstrukturen definiert und mit senegalesischen und internationalen Partnern vereinbart werden. Der Bau der neuen Anlage soll noch in diesem Jahr beginnen, ab Ende 2022 sollen 25 Millionen Impfstoffdosen pro Monat produziert werden.

Der senegalesische Wirtschaftsminister Amadou Hott sagte anlässlich der Bekanntgabe der heute abgeschlossenen Verträge: „Die senegalesische Regierung will die Produktion von Impfstoffen gegen Covid-19 am Institut Pasteur in Dakar ermöglichen und damit den Kampf gegen Pandemien in Afrika verstärken. Dieses Projekt wird die Grundlagen für die pharmazeutische und medizinische Souveränität des Landes und des ganzen Kontinents schaffen – dies ist das erklärte Ziel unseres Präsidenten Macky Sall. Auch der Finanz- und Gesundheitsminister unterstützen das Projekt nachdrücklich, weil sie darin ein weiteres wirksames Mittel gegen die Coronapandemie sehen. Die Anfangsfinanzierung und das Know-how von Team Europe und anderen Partnern wie den USA, der Weltbankgruppe und regionalen Gebern werden den Bau der neuen Produktionsanlage beschleunigen, den Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen in Afrika verbessern und dafür sorgen, dass die Impfstoffproduktion sich schnell auf neue Pandemien einstellen kann.“

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „Afrika importiert derzeit 99 Prozent seiner Impfstoffe. Mit der heutigen Vereinbarung bringt Team Europe Senegal jedoch einen entscheidenden Schritt näher an sein Ziel, eigene Impfstoffe zu produzieren und die Afrikanerinnen und Afrikaner vor Covid-19 und anderen Krankheiten zu schützen. Und damit noch nicht genug. Dies ist nur der erste Teil einer viel umfassenderen Team-Europe-Initiative zur Unterstützung der Produktion von Medikamenten und Impfstoffen in ganz Afrika.“

Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank: „Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, muss die lokale Produktion von Coronaimpfstoffen ausgebaut werden. Als Teil des Team Europe begrüßt die Europäische Investitionsbank die heutige Vereinbarung. Diese ermöglicht umfangreiche Investitionen im Institut Pasteur in Dakar, um Impfstoffe im Senegal herzustellen und die Gesundheit in ganz Afrika zu verbessern. Die Europäische Investitionsbank freut sich auf eine noch engere technische und finanzielle Zusammenarbeit mit senegalesischen und internationalen Partnern bei der Durchführung dieses visionären Projekts. Dies ist ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der globalen Bemühungen der EIB, die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor die uns Covid-19 stellt, zu bewältigen und eine bessere Zukunft zu schaffen.“

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton, der die Taskforce der Europäischen Kommission für den Ausbau der Impfstoffproduktion im industriellen Maßstab leitet: „Team Europe unterstützt Senegal gerne bei seinem visionären Vorhaben, zugelassene Coronaimpfstoffe am Institut Pasteur in Dakar zu produzieren. Die Initiative wird Afrika nicht nur autonomer bei der Produktion lebensrettender Impfstoffe machen, sondern ist auch ein wichtiger Baustein für die aufstrebende senegalesische Gesundheitsindustrie.“

Jutta Urpilainen, EU-Kommissarin für internationale Partnerschaften: „Team Europe unterstützt afrikanische Partner in der Coronakrise, in Einklang mit unserer EU-Afrika-Strategie. Die lokale Produktion von Impfstoffen, Medizin und Gesundheitstechnologien muss verstärkt werden, das hat uns die Pandemie gezeigt. Heute nutzen wir unsere gemeinsame finanzielle Schlagkraft und Expertise, um Senegal und das Institut Pasteur in Dakar bei der Produktion von Impfstoffen zu begleiten, damit die Pandemie ein Ende nimmt. Wir müssen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, indem wir gemeinsam mit unseren afrikanischen Partnern weiter in Bereiche wie einen stabilen regulatorischen Rahmen, Anreize für den Privatsektor, Forschung und Entwicklung, Bildung und Ausbildung sowie innovative Arbeitsplätze investieren.“

Ambroise Fayolle, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank: „Als Teil von Team Europe freut sich die Europäische Investitionsbank, die Technische-Machbarkeits- und die Projektvorbereitungsstudie für Afrikas erste Coronaimpfstofffabrik beim Institut Pasteur in Dakar zu unterstützen. In den kommenden Monaten werden wir durch eine noch intensivere Zusammenarbeit mit dem senegalesischen Staat und internationalen Finanzierungs-, technischen und pharmazeutischen Partnern Gelder in großem Maßstab mobilisieren, damit Impfstoffe in Afrika produziert werden und Afrika nicht mehr so stark von importierten Impfstoffen abhängt.“

Gerd Müller, deutscher Bundesminister für Entwicklung: „Corona wird in Afrika zunehmend zur Bedrohung. Deshalb braucht Afrika eine Impfstoffkampagne, mit eigenproduzierten Impfstoffen. Der Kontinent hat zum ersten Mal wirklich die Chance, eigene Impfstofffabriken aufzubauen. Das senegalesische Institut Pasteur hat eine realistische Strategie vorgestellt, um mit der Produktion zugelassener Coronaimpfstoffe in Afrika zu starten. Mit dem Anfangskapital von 20 Millionen Euro tragen wir entscheidend dazu bei, dass das Projekt anlaufen kann. Deutschland unterstützt das gemeinsame Ziel Senegals und der internationalen Gemeinschaft, aus der Pandemie hervorzugehen.“

Jean-Yves le Drian, französischer Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten: „Bessere Impfstoffproduktionskapazitäten sind ein wichtiges Element unserer Pandemiebekämpfungsstrategie, wie Präsident Sall bereits betonte. Indem wir die Impfstoffproduktion in Afrika mit einem europäischen Plan unterstützen, helfen wir unseren Partnern, eigenständig Impfstoffe für die Menschen in ihrem Land zu produzieren. Deshalb freue ich mich, dass die Impfstofffabrik Gestalt annimmt. Sie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Institut Pasteur in Dakar, Senegal und Team Europe.“

Meryame Kitir, Ministerin der Entwicklungszusammenarbeit, beauftragt mit den Großstädten: „Wir stehen voll hinter Team Europe. Impfstoffgerechtigkeit ist ein wichtiges Element meiner Politik und eine große globale Herausforderung. Afrika braucht Zugang zu erschwinglichen hochwertigen Gesundheitsprodukten. Eine Erhöhung der Produktionskapazitäten für Impfstoffe ist aus belgischer Sicht aber nicht genug. Belgien wird der öffentlichen Gesundheit Priorität einräumen und die Epidemiebereitschaft und die lokalen Gesundheitssysteme stärken. Wir unterstützen unsere senegalesischen Partner bei der Strukturierung ihrer Pharmaindustrie und dem Aufbau eines Produktionszentrums.“

Hintergrundinformationen

Als einer der führenden Geber der COVAX-Fazilität, der globalen Initiative für einen gerechten Zugang zu Coronaimpfstoffen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, ist Team Europe ein Vorreiter bei der Bekämpfung von Covid-19 in Afrika.

Das Institut Pasteur in Dakar als Schlüsselpartner für die afrikanische Impfstoffproduktion

Das Institut Pasteur in Dakar produziert bereits von der Weltgesundheitsorganisation zugelassene Impfstoffe und wurde von Senegal und den Africa Centres for Disease Control and Protection als potenzieller Standort für die neue Impfstofffabrik ermittelt. Das Gelände der neuen Anlage wird voraussichtlich an bestehende Forschungseinrichtungen angrenzen.

Nach der heutigen Unterzeichnung im Präsidentenpalast besuchte eine Delegation das Institut Pasteur in Dakar und sprach dort mit dem Leiter Amadou Sall über Pläne für die Impfstoffproduktion. Die Europäische Investitionsbank und die deutsche KfW Entwicklungsbank arbeiten bereits mit dem Institut Pasteur in Dakar zusammen, um die Produktion von Schnelltestkits für medizinische Fachkräfte auszuweiten.

Frankreich ist ein langjähriger Partner der Pasteur-Institute, besonders der Pasteur-Stiftung in Dakar, die es bei seinen Bemühungen um größere Impfstoffproduktionskapazitäten unterstützt. Die Agence française de développement (AFD) kofinanziert seit über fünf Jahren das Africamaril-Projekt für den Bau einer neuen Gelbfieberimpfstofffabrik in der jungen Stadt Diamniadio. Diese Fabrik ergänzt die bestehenden Anlagen der Pasteur-Stiftung in Dakar, in denen diese Impfstoffe seit 1937 hergestellt werden. Mit umfangreichem Know-how und basierend auf dieser langjährigen Beziehung unterstützt Frankreich nun das Institut Pasteur in Dakar in dieser neuen Phase im Kampf gegen Corona. Die Erfahrung des Instituts wird dringend benötigt, um die aktuelle Herausforderung – lokale Produktionskapazitäten in Afrika zu erhöhen – zu meistern.

Afrika soll weniger abhängig von Impfstoffimporten werden

Afrika, ein Kontinent mit 54 Ländern, auf dem 1,2 Milliarden Menschen leben, produziert derzeit nur ein Prozent der Impfstoffe, die dort verabreicht werden. Die übrigen 99 Prozent werden importiert.

Die Coronapandemie hat noch deutlicher gezeigt, wo die Schwachstellen Afrikas bei einem erschwinglichen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, Impfstoffen und Gesundheitstechnologien liegen. Die lokale Produktion anzukurbeln rettet Leben, verbessert die öffentliche Gesundheit und die Gesundheitssysteme und stärkt die afrikanische Wirtschaft, unter anderem indem einheimische Arbeitsplätze entstehen und wichtige Technologien geteilt werden.

Afrikanische, europäische und internationale Partner unterstützen die neue Fabrik

Die erste Phase der neuen Impfstoffproduktionsanlage wird voraussichtlich vom senegalesischen Staat und internationalen Partnern finanziert, darunter die Europäische Kommission über die Europäische Investitionsbank, die Agence française de développement, das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die International Finance Corporation (IFC) und die US Development Finance Corporation (DFC). Führende pharmazeutische und technische Partner arbeiten bereits gemeinsam mit dem Institut Pasteur in Dakar daran, die bestehende Impfstoffproduktion sowie spezielle Verpackungs- und Vertriebstechnologien in der neuen Anlage übernehmen zu können. Die Europäische Kommission fördert das Institut Pasteur in Dakar derzeit mit zwei Finanzierungsprojekten.

Stärkere Unterstützung von Team Europe für resiliente Gesundheitswesen in Afrika

Als Team Europe reagieren die Europäische Kommission, die Europäische Investitionsbank und die europäischen Entwicklungsfinanzierungspartner auf die Notwendigkeit, die lokalen Produktionskapazitäten für die Impfstoffherstellung zu erhöhen, um die Gesundheitssicherheit in Afrika zu stärken.

Im Rahmen des neuen Programms „Nachhaltige Gesundheitsindustrie für Resilienz in Afrika“ (Sustainable Health Industry for Resilience in Africa, SHIRA) stellt die EIB Finanzierungsmittel und technische Unterstützung bereit, um Hindernisse für die regionale Produktion zu beseitigen.