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  • Kreditnachfrage von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Großunternehmen könnte auf verschärfte Anforderungen treffen
  • Erstmals seit 2015 könnten die notleidenden Kredite in der Region zunehmen

In ihrem heute veröffentlichten CESEE Bank Lending Survey bietet die Europäische Investitionsbank Einblicke in die Tätigkeit von Bankengruppen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie Details zu ihren Geschäftserwartungen. Der Bericht analysiert Portfolios, untersucht Finanzierungsangebot und Nachfrage und nimmt die Entwicklung der notleidenden Kredite unter die Lupe. Außerdem enthält die neue Ausgabe eine Analyse der Erwartungen der Bankengruppen vor und nach der Erschütterung durch die Coronakrise.

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Aufgrund der Coronapandemie dürfte 2020 für den Bankensektor in Mittel-, Ost- und Südosteuropa zu einem der schwierigsten Jahre seit der weltweiten Finanzkrise 2007–2008 werden, so der neue Bericht. Aus Sicht des Bankensektors war die Region beim Ausbruch der Krise gut aufgestellt: In den vergangenen sechs Monaten bestand eine robuste Kreditnachfrage, und die Anforderungen für die Kreditvergabe wurden gelockert. Jetzt erwarten die Bankengruppen in der Region jedoch einen drastischen Nachfragerückgang, deutlich restriktivere Anforderungen und eine rückläufige Genehmigungsquote. Mit einer sinkenden Qualität der Kreditanträge dürften die notleidenden Kredite erstmals seit 2015 zunehmen.

Zum vollständigen Bericht

„Die Coronapandemie hat zu einer Krise von nie da gewesenem Ausmaß geführt. Aber die konzertierte Antwort und Unterstützung auf europäischer Ebene erreicht ebenfalls ein nie da gewesenes Ausmaß“, so EIB-Vizepräsidentin Lilyana Pavlova. „Angesichts der eingetrübten Erwartungen des Bankensektors der Region und künftig wohl reduzierter Finanzierungsmöglichkeiten freuen wir uns besonders, dass wir den Paneuropäischen Garantiefonds auf den Weg gebracht haben. Der Fonds bietet eine zielgerichtete Antwort auf die großen Schwierigkeiten, mit denen vor allem kleine und mittlere Unternehmen kämpfen, und kommt genau zum rechten Zeitpunkt. Wir werden eng mit nationalen Institutionen zusammenarbeiten, damit Unternehmen, die Geld brauchen, schnell von der Unterstützung der EIB profitieren können.“

„Der Covid-19-Schock hat die Erwartungen der Bankengruppen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa erheblich beeinträchtigt. Auch in den nächsten Monaten ist mit einer erhöhten Unsicherheit zu rechnen. Damit die Aktivitäten des Bankensektors wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren und die Kreditvergabe an kleinere Unternehmen und Großunternehmen gewährleistet bleibt, brauchen wir Instrumente wie den Europäischen Garantiefonds. Sie können zu einer schnelleren, kräftigen Erholung beitragen“, erklärte EIB-Chefvolkswirtin Debora Revoltella.

Der CESEE Bank Lending Survey ist Teil der regelmäßigen Berichterstattung von EIB, IWF, EBWE und Weltbank für die Koordinierungsinitiative europäischer Banken, die Wiener Initiative. Deren Ziel ist es, die Finanzstabilität europäischer Schwellenländer zu wahren. Die Umfrage für die neue Ausgabe des Berichts wurde zu Beginn der Coronapandemie durchgeführt. Frühere Berichte sind hier abrufbar.

Kreditnachfrage

Die in Mittel-, Ost- und Südosteuropa tätigen Bankengruppen berichteten, dass die Kreditnachfrage in den zurückliegenden sechs Monaten stetig stieg. In den nächsten Monaten wird jedoch mit einem drastischen Einbruch gerechnet. Bis zum Beginn der Pandemie gingen die Bankengruppen mit einer weiteren Zunahme aus. Der jetzt erwartete Nachfragerückgang wird vor allem Privataushalten zugeschrieben und weniger Großunternehmen und KMU, die vermutlich auf längere Sicht Kredite benötigen, um ihren kurzfristigen Finanzierungs- und Liquiditätsbedarf zu decken.

Anforderungen an Kreditnehmer

In den Monaten vor der Pandemie haben die Banken in Mittel-, Ost- und Südosteuropa die Anforderungen für die Kreditvergabe leicht gelockert. Jetzt erwartet der Bankensektor eine deutliche Verschärfung – für alle Kunden. Viele Faktoren, die die Lockerung damals unterstützten, verkehren sich vermutlich ins Negative. Neben der lokalen und internationalen Wirtschaftslage dürften auch notleidende Kredite, die Qualität der Kreditanträge und lokale Kapitalmarktbedingungen für erheblichen Druck sorgen.

Notleidende Kredite

Die Kreditqualität verbesserte sich in den vergangenen sechs Monaten stetig. Dieser positive Trend dürfte sich aus Sicht der Banken in der Region jetzt rasant umkehren. Die große Mehrheit (64 Prozent) geht von einem Anstieg der notleidenden Kredite aus.

Hintergrundinformationen

Die Hauptabteilung Volkswirtschaftliche Analysen der EIB

Die Hauptabteilung Volkswirtschaftliche Analysen der EIB befasst sich mit Wirtschaftsforschung und volkwirtschaftlichen Studien. Außerdem untersucht sie die Investitionstätigkeit in der Europäischen Union und anderen Regionen. Sie unterstützt damit die Bank bei ihrer Arbeit und Positionierung und bei der Festlegung ihrer Strategien und Leitlinien. Das 40-köpfige Team wird von Chefvolkswirtin Debora Revoltella geleitet.

Umfrage der EIB zum Kreditgeschäft der Banken in Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Die Umfrage der EIB zum Kreditgeschäft der Banken in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (CESEE Bank Lending Survey) ist eine in dieser Form einmalige halbjährliche Befragung von rund 90 lokalen Banken, Bankengruppen und Finanzinstituten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Sie erhebt Daten zu den Anforderungen bei der Kreditvergabe, Kreditkonditionen, Genehmigungsquoten und den verschiedenen Einflussfaktoren im Inland und auf internationaler Ebene. Bei der Untersuchung der Kreditnachfrage werden auch Kreditanträge und deren Qualität analysiert. Die Umfrage enthält konkrete Fragen zur Kreditqualität und zu den Refinanzierungskonditionen der Banken. Damit kann ein Datenbestand für eine Zeitreihenanalyse aufgebaut werden. Die Gesundheit des Bankensektors in Mittel-, Ost- und Südosteuropa lässt sich so nahezu in Echtzeit beurteilen. Die Umfrage wurde von der Hauptabteilung Volkswirtschaftliche Analysen der EIB entwickelt und ist Teil einer Berichtsreihe der EBWE, des IWF und der Weltbank für die Wiener Initiative.

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