Die EU-Städteagenda soll die Finanzierungsmöglichkeiten von Kommunen verbessern. Über das „Smart Cities“-Programm können auch Kommunen, die zu klein für ein reguläres Darlehen der EIB sind, EIB-Mittel in Anspruch nehmen.

Über Jahrhunderte hinweg breitete sich das Städtchen Dinant, gesäumt von steilen Felsen beidseits des Flusses, entlang der Maas aus. Erste Siedlungen gab es dort bereits in der Jungsteinzeit. Die 14 000 Einwohner der französischsprachigen Gemeinde 90 Kilometer südöstlich von Brüssel hatten bisher jedoch keinen direkten Zugang zum Fluss, weil Straßen am Ufer entlang verliefen.

Bürgermeister Richard Fournaux fand schon immer, dass die Bewohner Dinants mehr von ihrem schönen Fluss haben sollten. Mit Mitteln aus dem „Smart Cities“-Programm, das die Belfius gemeinsam mit der EIB entwickelte, schafft Fournaux nun Abhilfe und lässt eine Uferpromenade am rechten Maasufer bauen. Die bislang direkt am Ufer verlaufende Straße wird verlegt und macht Platz für Fußgänger- und Fahrradwege und Spielplätze.

„Wir bringen die Schönheit unserer Stadt wieder zum Vorschein“, schwärmt Fournaux. „Jetzt haben wir die Chance, etwas zu bauen, durch das sich Leben und Arbeiten in unserer Stadt deutlich verändern.“

Die Städteagenda Dinant before la Croisette
Dinant ohne Uferpromenade

Eine Städteagenda – auch für kleine Kommunen

Das „Smart Cities“-Programm wird seit Juni 2015 umgesetzt. Gemeinsam mit der EIB wurden bereits über 30 Projekte in den Bereichen Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität und Stadterneuerung finanziert. Nachdem davon schon fast eine Million Einwohner in belgischen Städten profitierten, werden jetzt weitere 150 Projekte sondiert. Beispiele für die ersten Vorhaben:

  • Solarmodule für die Dorfschule in Silly und Sportanlagen in Genappe,
  • öffentliche Gebäude mit Niedrigstenergiestandard in Schelle, Bierbeek und Gembloux,
  • Pflegeheime in Sambreville, Landen, Stekene und Sint-Truiden,
  • eine Tankstelle in Harelbeke, an der Müllfahrzeuge aus zehn Gemeinden sowie private Fahrzeuge sauberen Kraftstoff tanken können,
  • Sanierung ehemaliger Industriestandorte in Wetteren; auf dem gemischt genutzten Gelände werden neue öffentliche Gebäude gebaut und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept umgesetzt.

Das Darlehen der EIB für das „Smart Cities“-Programm ist ein sogenanntes Durchleitungsdarlehen: Die Bank vergibt ein Darlehen an eine andere Bank, das damit einzelne Vorhaben Dritter finanziert. Durchleitungsdarlehen sind ein nützliches Instrument für die EIB, weil sie über die Banken vor Ort kommunale Kunden erreicht, denen sie sonst keine Kredite anbieten könnte. Eine bessere Finanzierung für Kommunen und Regionen ist ein wesentliches Ziel der Städteagenda für die EU, die am 30. Mai in Amsterdam offiziell vorgestellt wird.

Francis Hayen ist bei der Belfius für das „Smart Cities“-Programm zuständig und glaubt, dass seine Bank bei der Weiterleitung der „Smart Cities“-Mittel einen großen Vorteil hat, weil sie bereits mit fast allen belgischen Kommunen zusammenarbeitet. Durch die Mitwirkung der EIB sind die Darlehenszinsen günstig. Gleichzeitig erhalten kleine Kommunen, die ansonsten keinen Zugang zur EIB hätten, über das Programm Mittel aus europäischen Quellen.

„Bestimmt gibt es auch in anderen europäischen Ländern Banken, die diese Mittlerfunktion für kleine Kommunen übernehmen könnten“, meint Hayen. „Wenn sie sich mit der EIB zusammentun, können sie dasselbe Konzept umsetzen.“

In Dinant ist die Uferpromenade erst der Beginn der Zusammenarbeit von Bürgermeister Fournaux mit der Belfius. Die Promenade wird Anziehungspunkt für Einwohner und Touristen sein, die am Ufer entlangflanieren oder auch das Museum am Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxofons, besuchen. Da sie die Promenade nicht mit dem Auto ansteuern können, ist bereits ein Smart-Cities-Projekt für den Bau von Parkflächen außerhalb des Zentrums in Vorbereitung. Fournaux kommentiert: „Das ist der Beginn eines echten Wandels in unserer Stadt.“