Polen hat ein neues Gesetz über Erneuerbare Energien. Das zieht internationale Investoren an und ebnet den Weg für die grüne Wende

Entlang der polnischen Ostseeküste wachsen derzeit auf 50 Kilometern insgesamt 29 Windräder aus dem Boden. Ihre schlanken, weißen Türme erheben sich über malerische Hügel mit Elchen, Hirschen und Kaninchen. Wenn die Windanlagen fertig sind, liefern sie sauberen Strom für 138 000 polnische Haushalte.

Gebaut werden sie vom litauischen Energiekonzern Ignitis, der an den Börsen in Vilnius und London notiert ist. Diana Kazakevic, bei Ignitis für die Region Polen zuständig: „Ich bin sehr stolz auf unseren Windpark. Er zeigt, dass Natur und Stromerzeugung nebeneinander bestehen können. Bisher ging Strom in Polen allzu oft zulasten der Natur.“

Die Windparks von Ignitis im polnischen Pommern sind Teil der landesweiten Umstellung auf saubere Energie. Noch erzeugt Polen seinen Strom fast ausschließlich mit umweltschädlicher Kohle. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 2020 in Polen drei Kredite für Windparks und einen für Solarstrom unterzeichnet. Roland Schulze, bei der EIB mit CO2-armen Energietechnologien befasst: „In puncto Klimawandel steht Polen unter Druck. Die Europäische Investitionsbank ist ganz vorne mit dabei, um dem Land bei der Umstellung seines Energiesektors zu helfen.“

Als die polnische Regierung vor zwei Jahren die Rechtsvorschriften für Energieverträge änderte, wurden Investitionen in erneuerbare Energien attraktiver. Nach dem neuen Gesetz geben die Unternehmen in ihrem Angebot den Preis an, zu dem sie ihren Strom verkaufen wollen. Sinkt der Marktpreis, haben sie eine Preisgarantie. Steigt er, führen sie die Differenz an den Staat ab.

Neue Erneuerbare-Energien-Projekte in Polen

Das Ignitis-Projekt gehört zu den ersten, die nach dem neuen Gesetz realisiert werden. „Für Investitionen in erneuerbare Energien ist Polen jetzt fast das neue Mekka“, erklärt Kazakevic. Von der Europäischen Investitionsbank bekam das Unternehmen knapp 60 Millionen Euro für das Projekt. „Für uns ein klares Zeichen, dass wir Partner haben, die auf grüne Nachhaltigkeit setzen“, fügt sie hinzu. Das Darlehen ist durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der Finanzierungssäule der Investitionsoffensive für Europa, abgesichert.

2020 unterzeichnete die EIB noch weitere Verträge für Erneuerbare-Energien-Projekte in Polen:

  • Bei Posen in der Kohäsionsregion Großpolen finanziert die Bank den Bau und Betrieb von vier Windparks. Für das Projekt, das Strom für 60 000 Haushalte erzeugen soll und von der Landesbank Baden-Württemberg kofinanziert wird, vergibt die EIB ein Darlehen von 42 Millionen Euro, ebenfalls mit EFSI-Garantie.
  • In Nordpolen finanziert die Bank 66 kleine, unabhängige Fotovoltaikanlagen. Das Darlehen von 18 Millionen Euro mit EFSI-Garantie über die litauische Investmentgesellschaft Lords LB hilft, jährlich 47 000 Tonnen Kohlendioxid einzusparen.
  • Mit einem Darlehen von 64 Millionen Euro an die PGE Polska Grupa Energetyczna finanziert die Bank den Bau von Windparks an der Ostseeküste. Zum Projekt gehört auch eine 30 Kilometer lange Übertragungsleitung für die Netzanbindung der Windräder.
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Klarer Trend zu erneuerbaren Energien

Polen bietet nicht gerade ideale Bedingungen für erneuerbare Energien. Das Land ist weder mit Sonne noch mit Wind besonders gesegnet. Zum Ausgleich bekommen die Windräder größere Rotorblätter, und Solarprojekte werden durch Größenvorteile rentabel. Doch erst durch die Gesetzesnovelle sind erneuerbare Energien in Polen ins Rampenlicht gerückt.

„Es gibt einen klaren Trend“, sagt Giedrius Ruskys, der als Kreditreferent für Projektfinanzierungen bei der Europäischen Investitionsbank am Ignitis-Deal und am Solardarlehen mitgearbeitet hat. „Die neue Gesetzgebung hat Investoren und Kreditgeber überzeugt.“

Polens neuer Trend könnte den europäischen Grünen Deal erheblich voranbringen. Der Plan gegen den Klimawandel, den die Europäische Kommission 2020 auf den Weg gebracht hat, soll Europa bis 2050 klimaneutral machen. Seine Botschaft: Wirtschaftswachstum ist auch ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch möglich. Der Grüne Deal stellt aber auch sicher, dass Regionen, die noch von fossilen Brennstoffen abhängig sind, beim Übergang zu sauberen Technologien nicht auf der Strecke bleiben. Für das Kohleland Polen ist das wichtig.

„Das ist der Grüne Deal auf Polnisch“, meint Vincent Metzler. Der EIB-Experte für Projektfinanzierungen hat ebenfalls an dem Projekt in Großpolen mitgearbeitet. „Die Erneuerbaren haben in Polen wirklich Potenzial, vor allem die Offshore-Windbranche. Da sind wir ein wichtiger Partner. Zudem brauchen Erneuerbare viel Infrastruktur. Das schafft Arbeitsplätze und fördert den gerechten Übergang.“