Der Lissabonner Wohnungsmarkt treibt viele Menschen ins Umland. Dort investiert Loures in Klimaanpassung und sozialen Wohnungsbau

Die Wohnungspreise in Lissabon ziehen an. So stark, dass viele Menschen ins günstigere Umland abwandern. Dort steigt der Druck, sich ähnlich attraktiv zu präsentieren wie die Hauptstadt.

Loures, direkt nördlich von Lissabon, mit seinem gleichnamigen Verwaltungssitz, ist mit 201 590 Einwohnern der sechstgrößte Kreis Portugals. Genau dorthin zieht es die meisten Menschen aus der Hauptstadt.

„Die Immobilienkrise ist eines der aktuellen Probleme der portugiesischen Gesellschaft, vor allem in den Städten“, sagt Ricardo Leão, Bürgermeister von Loures. „Sie steht in direktem Bezug zur Armut und der Verschlechterung der Lebensbedingungen in den benachteiligten Gegenden.“

Doch Loures hat seine eigenen Probleme. Rund 850 Haushalte leben in prekären Verhältnissen. Mehr als 120 Menschen sind obdachlos oder leben in Unterkünften für Opfer häuslicher Gewalt. Diese Probleme will Loures lösen – und gleichzeitig ein attraktives Umfeld für die Zuziehenden aus der Hauptstadt schaffen.

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Armensiedlung in Loures

Deshalb hat Loures ein neues Projekt in Angriff genommen. Es soll mehr erschwinglichen Wohnraum schaffen, Hilfe für einkommensschwache Haushalte bieten und Infrastruktur klimafest machen.

„Dies ist ein bedeutendes Projekt. Es legt den Schwerpunkt auf besseren Wohnraum und fördert Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Bildung“, erklärt Leão. „Die verschiedenen kommunalen Sektoren tun sich darin zusammen, um dem Klimawandel die Stirn zu bieten, und das ist dringend nötig.“

Nachhaltig besser leben

Loures hat von der Europäischen Investitionsbank einen Kredit von 100 Millionen Euro erhalten und finanziert damit ausgewählte Projekte seines strategischen mehrjährigen Investitionsplans 2022–2026, darunter die Schaffung und Sanierung von sozialem Wohnraum, neue Bildungseinrichtungen oder eine bessere Abfallbewirtschaftung. Alle neuen und sanierten Gebäude werden nachhaltig und energieeffizient sein.

Loures investiert damit in ein nachhaltigeres Wachstum, bessere Lebensbedingungen und ein attraktiveres städtisches Umfeld.

„Das Projekt zeigt anschaulich, was wir für die portugiesischen Kommunen tun können“, sagt Miguel Korrodi Ritto, der bei der Europäischen Investitionsbank an dem Projekt arbeitet. „Davon profitieren vor allem die Einwohnerinnen und Einwohner von Loures in Form von mehr und besserem Wohnraum. Aber auch dem Klimawandel treten wir damit entgegen.“

Erschwinglicher Wohnraum

Das Problem für Loures bestand darin, eine Lösung für den wachsenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu finden.

„Wer neuen Wohnraum schafft, belebt Städte. Das wertet Stadtviertel, Gemeinden und die ganze Kommune auf und macht sie attraktiver und nachhaltiger“, sagt Leão.

Loures wird seine Wohnanlagen und andere Einrichtungen sanieren, um mehr Häuser und Wohnungen zu schaffen. Weitere Mittel fließen in Neubauprojekte und in Jugendprogramme.

Insgesamt werden 793 neue Sozialwohnungen entstehen und 1 171 Wohnungen saniert. Ziel ist es, die Wohnverhältnisse für die ärmsten Haushalte zu verbessern und ein offeneres Umfeld für alle Einwohnerinnen und Einwohner zu schaffen. Durch die bessere Wohnsituation eröffnen sich den Menschen in den Slums von Loures möglicherweise auch neue Chancen, etwa auf bessere Bildung und Arbeitsplätze.

„Über die Raumentwicklung wirken wir sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit entgegen. Wir sorgen für mehr Lebensqualität und machen das Leben hier lebenswerter und gesünder“, so Leão. „Das verringert die soziale Ungleichheit, fördert gleiche Rechte und Chancen und stärkt diejenigen, die von den Klimarisiken am stärksten betroffen sind, aber nur wenig dagegen tun können.“

Klimaanpassung öffentlicher Flächen

Loures will mit dem Bau und der Neugestaltung öffentlicher Gebäude, Flächen und Abfallsysteme benachteiligte Viertel sozial aufwerten und gegen die zunehmenden Folgen des Klimawandels wappnen.

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Müllentsorgung in den Slums von Loures

Über Sensoren in den Städten will Loures die Luftqualität verbessern. Fahrradwege und Fußgängerzonen sollen die Menschen dazu bewegen, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Zudem kauft Loures Elektrofahrzeuge für die Stadt und macht damit einen zusätzlichen Schritt in Richtung nachhaltiger Stadtverkehr.

„Die grüne Infrastruktur ist ein Kernelement unserer Anpassungsstrategie. Gerade die immer häufigeren Hitzewellen lassen sich so besser ertragen und überstehen“, erklärt Leão.

Auch Wasser ist in Loures ein wichtiges Thema. Im Dezember 2022 kam es zu heftigen Überschwemmungen.

„Neben dem Punkt Klimaanpassung umfasst das Projekt auch Maßnahmen zur Beseitigung von Flutschäden“, erklärt Fabrizio Seminara, Experte für Stadtentwicklung bei der Europäischen Investitionsbank. „Mit einer moderneren öffentlichen Infrastruktur und einem effizienteren Entwässerungssystem kann Loures dem Klimawandel und künftigen Extremwetterereignissen gelassener entgegensehen.“

Loures hat 2021 den Kommunalen Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel auf den Weg gebracht, dessen Umsetzung die EIB in weiten Teilen unterstützt.

Bildung stärken, Abwassermanagement verbessern

Loures geht es bei seinem Nachhaltigkeitsprojekt jedoch nicht nur um neuen Wohnraum. Weitere Maßnahmen sind:

  • Neubau und Erweiterung von Schulen für bessere Bildung und mehr ziviles Engagement
  • Behandlung und Wiederverwendung des Wassers kommunaler Schwimmbäder
  • Wiederverwendung des Wassers aus den Kläranlagen in Frielas und Beirolas zur Bewässerung und Straßenreinigung

 

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Grundschule in Loures