Zur Rettung von Arbeitsplätzen und Bekämpfung von Corona – nachhaltiges italienisches Modelabel stellt in nur zehn Tagen auf Schutzmasken um

Von Chris Welsch

In Europa traf die Coronakrise als Erstes Norditalien – und zwar mit voller Wucht. Um das Virus einzudämmen, ließ die Regierung Fabriken, Büros und Läden schließen.

Auch Anna Fiscale, Gründerin des nachhaltigen Modeunternehmens Quid, musste ihre Fabrik in Verona und neun Boutiquen zumachen. Der Erhalt ihres Unternehmens und der 140 Arbeitsplätze bereiteten ihr große Sorge.

Doch Annas Motto war es schon immer, Krisen in Chancen zu verwandeln. So auch während der Pandemie. „Ich musste mal wieder aus der Not eine Tugend machen“, sagt sie.

In nur zehn Tagen bauten Anna und ihr Team die Fabrik so um, dass darin nun wiederverwendbare Masken produziert werden. Mehr als zehn Mal wurden die Masken in einem Labor in Modena getestet, bis sie Mitte April von der obersten Gesundheitsbehörde des Landes als „medizinisches Produkt“ oder persönliche Schutzausrüstung zertifiziert wurden. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fertigen nun pro Tag mehr als 10 000 Masken zum Schutz vor Covid-19. Die Masken können bis zu 15 Mal gewaschen und wiederverwendet werden, ohne ihre Schutzwirkung zu verlieren.

Noch nicht über den Berg

Quids Vizepräsidentin Valeria Valotto sieht das Unternehmen noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Viele Angestellte können es unterdessen kaum erwarten, wieder zur Arbeit zu kommen. „Unsere neun Boutiquen sind seit Ende März zu“, erzählt sie. Das wirkt sich empfindlich auf den Cashflow aus und macht 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitweise arbeitslos. „Zwar ist es toll, dass die Maschinen nicht komplett stillstehen, aber einfach ist es nicht.“

Quid vertreibt über einen Online-Shop sein eigenes Modelabel Progetto Quid. Laut Anna können die Online-Verkäufe die fehlenden Einnahmen der Läden, etwa in Verona, Mailand, Genua, Mestre und Bassano, aber nicht wettmachen.

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©Quid

Quid zählte zu den Finalisten des Wettbewerbs für Soziale Innovation des EIB-Instituts. Mit diesem Wettbewerb zeichnet das EIB-Institut Unternehmerinnen und Unternehmer aus, die etwas für die Gesellschaft bewirken.

Von drei Beschäftigten im Jahr 2013 machte Quid einen Sprung auf heute über 140. 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 3,2 Millionen Euro. Quid sammelt hochwertige Stoffreste von Textilherstellern und Modehäusern, die sonst im Abfall landen würden. Eigene Designer entwerfen daraus Kollektionen mit limitierter Stückzahl. Über 80 Prozent der Angestellten sind Frauen, die meist aus schwierigen Verhältnissen kommen. Einige sind Flüchtlinge, andere sind ältere, von der Textilindustrie entlassene Frauen, wieder andere sind gerade auf dem Weg aus der Drogenabhängigkeit.

Anna blickt schon jetzt auf die Zeit nach dem Lockdown. Dann wird Quid seine Geschäfte in Italien wieder öffnen und Kleidung produzieren. 30 Prozent seiner Kapazitäten bleiben aber der Produktion von Masken vorbehalten – und zwar so lange wie nötig.