Der Onlineshop Farmidable, der eine nachhaltige Alternative zum Supermarkt bietet, erlebt in der Coronakrise einen Bestellansturm

Von Chris Welsch

Farmidable bringt Bauern und andere Anbieter rund um Madrid mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zusammen, die nachhaltig einkaufen und essen wollen. In den vergangenen Jahren wuchs Pablo Stürzers Geschäft stetig – bis Corona kam!

„Seit der Ausgangssperre schießen die Bestellungen mit plus 450 Prozent durch die Decke“, so Stürzer. „Dank Corona boomt der Online-Handel überall. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass es für unsere Gesundheit nicht gleichgültig ist, was und wie wir essen – unabhängig von der aktuellen Krise.“

Vor Farmidable führten Pablo Stürzer und sein Geschäftspartner viele Jahre eine Marketing-Agentur, die sie inzwischen verkauft haben.

„Unsere Agentur hat viele Kunden aus der Lebensmittelindustrie betreut, wo sich alles um Zahlen und Profit dreht. Irgendwann hatten wir es satt. Wir wollten nicht mehr so leben, und wir wollten vor allem nicht, dass unsere Kinder so aufwachsen. Wir sehnten uns nach Zeit zum Kochen, am besten mit frischen Produkten“, erklärt er die Geschichte von Farmidable.

Nach der Registrierung auf der Website brauchen die Kundinnen und Kunden von Farmidable ihre Produkte nur noch in den Warenkorb zu legen. Die Einkäufe warten kurz darauf in der Schule ihrer Kinder, am Arbeitsplatz oder einer anderen Farmidable-Abholstelle auf sie. Seit Spanien im Lockdown ist, liefert Farmidable viele Einkäufe auch direkt nach Hause.

Im Vergleich zu Obst und Gemüse aus der industriellen Landwirtschaft, wie es in großen Supermärkten angeboten wird, zahlen die Kunden bei Farmidable mehr. Meist bewegen sich die Preise des Online-Händlers aber immer noch unter denen anderer Bioanbieter, weil zwischen Acker und Verbraucher weniger Zwischenschritte liegen. Farmidable erhält für jeden Kauf eine kleine Provision.

Für ein gesünderes, erfüllteres Leben

Farmidable beschäftigt sieben Frauen und Männer, die sich um rund 4 000 registrierte Kundinnen und Kunden kümmern. Derzeit ist die Nachfrage so hoch, dass es jeden Nachmittag zu einem Bestellstopp kommt, weil das Unternehmen an seine Grenzen stößt. Da das Geschäftsmodell durchaus erweiterbar ist, will Pablo Stürzer die Kapazität künftig erhöhen – er rechnet auch nach der Krise mit einer wachsenden Nachfrage.

„Viele Madrider haben vor Corona nie Lebensmittel online bestellt“, erklärt der Gründer. „Jetzt merken sie plötzlich, wie praktisch das ist. Und dass sie eine 1A-Qualität erhalten. Warum sollten sie also nach der Krise wieder abspringen?“

>@Farmidable
Flan de queso auf der Website von Farmidable ©Farmidable

Die Menschen besinnen sich in der Coronakrise darauf, was ihnen wirklich wichtig ist, glaubt Pablo Stürzer. Dass gesunde, gute Lebensmittel zu einem erfüllten, glücklichen Leben beitragen, liegt auf der Hand.

„Uns wird klar, dass wir gar nicht viel brauchen“, weiß er, „aber gutes Essen zu Hause gehört dazu – das erkennen viele Menschen in der aktuellen Situation.“

Farmidable gehört dem Alumni-Netzwerk des Wettbewerbs für Soziale Innovation des EIB-Instituts an. Das Alumni-Netzwerk besteht aus Finalisten des Wettbewerbs sowie aus Unternehmerinnen und Unternehmern, die für Führungskräftetrainings der Katholischen Universität Portugal in Lissabon ausgewählt wurden.