Der Paneuropäische Garantiefonds hilft kleinen Unternehmen in der Covid-19-Krise. Gleichzeitig knackt ein anderer Garantiefonds sein Investitionsziel von 500 Milliarden Euro

Wenn die Covid-19-Pandemie vorbei ist, wird das Virus bei uns Spuren hinterlassen haben – gesundheitlich ... und auch in der Wirtschaft. So wie wir uns solidarisch durch Abstandhalten schützen, ist eine koordinierte Kampagne mit vielen EU-Ländern der beste Weg, um unserer Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Der Paneuropäische Garantiefonds (EGF) ist das Schwergewicht unter den Pandemiehilfen der Europäischen Investitionsbank-Gruppe. Über Garantien von insgesamt bis zu 25 Milliarden Euro soll er bis Ende 2021 in den teilnehmenden Ländern 200 Milliarden Euro mobilisieren. Das Geld für den Fonds stammt von den EU-Mitgliedstaaten. Unterstützt werden vor allem kleine und mittlere Unternehmen, zum Teil aber auch etwas größere Unternehmen sowie Einrichtungen des Gesundheitswesens. Sie bekommen Hilfe in Form von Fremd-, Risiko- und Wachstumskapital.

Der Garantiefonds ist ein enormes Unterfangen. Doch die EIB-Gruppe wird der Herausforderung gewachsen sein. Schließlich war schon unser vorheriges Krisenprogramm ein Erfolg: Mit dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), einem fünfjährigen Garantieprogramm bis Ende 2020, haben wir die Zielmarke von 500 Milliarden Euro an Investitionen weit übertroffen. „Der Ehrgeiz, die europäische Wirtschaft voranzubringen, ist zweifellos da“, erklärt Wilhelm Molterer, geschäftsführender Direktor des EFSI. „Wenn wir einen echten Beitrag leisten wollen, müssen wir in großem Maßstab denken.“

Genau das tun wir beim EGF. Und dazu noch doppelt so schnell. „Normalerweise dauert es mindestens zwei Jahre, um so ein umfangreiches Mandat vorzubereiten. Aber wir haben es in sechs Monaten geschafft“, freut sich Ioanna-Victoria Kyritsi, die das EGF-Team bei der Europäischen Investitionsbank leitet. „Das ist eine neue und unglaublich ehrgeizige Sache für die Bank. Eben ein Instrument gegen die Krise. Wir versuchen wirklich, den Betroffenen in den Mitgliedstaaten spürbar zu helfen.“

Das meint auch Bernardo Ghilardi vom EGF-Team beim Europäischen Investitionsfonds: „An einem Programm dieser Größe sind viele Parteien beteiligt, und die mussten wir alle unter einen Hut bringen. Das war ein echter Kraftakt für die EIB-Gruppe.“

Wie funktioniert der Paneuropäische Garantiefonds? Ein bisschen wie der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI), bei dem die EIB dank einer Garantie aus dem EU-Haushalt in Projekte investieren konnte, die sonst zu riskant gewesen wären. Nur dass die EIB beim Garantiefonds noch mehr Risiken übernimmt.

Mit EFSI-Darlehen half die EIB-Gruppe kleinen Unternehmen in beispielloser Weise. Dabei schulterte sie das Kreditrisiko gemeinsam mit lokalen Partnern in ganz Europa. Auch beim EGF arbeitet die EIB-Gruppe mit Partnerinstituten vor Ort zusammen, die das Geld an die Endbegünstigen weiterleiten. Mit den Garantien der beteiligten Mitgliedstaaten im Rücken kann sie dabei den Großteil der Risiken übernehmen.

Dank einer öffentlichen Garantie können EFSI und EGF weitaus mehr Mittel mobilisieren, als mit öffentlichen Zuschüssen allein möglich wäre. Doch anders als beim EFSI geht es beim EGF um eine akute Krise.

„Der EGF dreht in einer Krise den Liquiditätshahn auf“, erläutert Marcus Schluechter, Berater des geschäftsführenden Direktors des EFSI. „Er greift Unternehmen unter die Arme, die an sich solide sind, aber unter den wirtschaftlichen Folgen der Gesundheitskrise ächzen. Sie brauchen Liquidität, um ihre Rechnungen zu bezahlen und die aktuellen Turbulenzen zu überstehen. Nur so können sie sich wieder aufrappeln, sobald die Lage stabiler wird. Außerdem legt der EGF den Schwerpunkt noch viel stärker auf kleine und mittlere Unternehmen.“

Garantiefonds hilft kleinen Unternehmen in der Coronakrise

Als sich die Pandemie im Frühjahr ausbreitete, traf der Lockdown viele kleine Unternehmen in ganz Europa. Ihnen soll der Garantiefonds zuallererst helfen. Mindestens 65 Prozent der Investitionen sind für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vorgesehen. Außerdem brachte die EIB-Gruppe mehrere Soforthilfe-Programme auf den Weg:

  • 10 Milliarden Euro zusätzliches Betriebskapital durch Liquiditätslinien an Banken
  • 10 Milliarden Euro für KMU-Kredite über spezielle Kaufprogramme für Asset-Backed Securities
  • 8 Milliarden Euro über Garantieprogramme für Sofortfinanzierungen
  • 6,7 Milliarden Euro für Covid-19-Projekte außerhalb der EU
  • 6 Milliarden Euro für Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur und die Impfstoff- und Medikamentenentwicklung

Alle EU-Länder wurden eingeladen, einen Beitrag entsprechend ihrem Anteil am EIB-Kapital zu dem 25-Milliarden-Euro-Garantiefonds zu leisten.  Der Fonds wird versuchen, die erwarteten Verluste (Net Expected Loss) aus seinen Garantiezusagen auf 20 Prozent zu begrenzen.

„Es geht darum, KMU in allen Branchen zu erreichen“, sagt Piotr Stolowski, der das EGF-Team beim EIF leitet.

Vermächtnis der EFSI-Garantie

Der EGF gehört zu einem gewaltigen Covid-19-Rettungspaket für pandemiegeschädigte Unternehmen, das die Europäische Kommission gleich nach Ausbruch der Krise mit den EU-Ländern und europäischen Einrichtungen zu schnüren begann. Der EFSI war da schon aktiv geworden, mit Hunderten Millionen Euro für Covid-19-Projekte.

Im Mai vergab die EIB einen vom EFSI garantierten Kredit über 50 Millionen Euro an Pluristem. Mit dem Geld finanziert das deutsch-israelische Unternehmen klinische Studien zur Infektionsbehandlung mit Plazentazellen. Im Juni folgten 100 Millionen Euro für das Covid-19-Impfstoffprogramm der deutschen Firma BioNTech, ebenfalls mit EFSI-Garantie.

>@BioNTech
Özlem Türeci, Chefwissenschaftlerin von BioNTech, arbeitet an einem Covid-19-Impfstoff. Finanzielle Unterstützung erhält sie dabei von EIB und EFSI ©BioNTech

EFSI hat seine Ziele erreicht

Der EFSI übertraf seine Zielmarke von 500 Milliarden Euro an Investitionen sechs Monate früher als geplant – und reagierte gleichzeitig auf die Folgen von Covid-19 für die europäische Wirtschaft.

„Ich war begeistert, wie schnell wir unsere Strategie in der Krise anpassen konnten“, freut sich Iliyana Tsanova, stellvertretende geschäftsführende Direktorin des EFSI.

„Wir haben rasch Liquidität für Firmen in Not bereitgestellt und parallel auch für Unternehmen, die an Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19 arbeiten. Flexibilität ist der Schlüssel zum Erfolg.“

In Zeiten knapper Kassen muss die öffentliche Hand aus jedem Euro mehr herausholen. Wie das geht, hat der EFSI eindrucksvoll gezeigt. „Die Erfahrungen daraus werden sich für die Zukunft als hilfreich erweisen“, ist Molterer überzeugt.

Garantiefonds hilft kleinen Unternehmen in der Zukunft

Vor Corona hätte Molterer mit der Zukunft wohl vor allem die Investitionen im Rahmen des europäischen Grünen Deals und von InvestEU gemeint, dem Nachfolger des EFSI. Aber dann kam das Virus, und der EFSI musste zeigen, dass er Europas Wirtschaft im Abwehrkampf helfen kann.

An den Covid-19-Soforthilfen lässt sich erkennen, wie gut durchdacht die Struktur und Governance des EFSI ist und wie passgenau die Finanzierungen mittlerweile sind. Mit am besten können dies die Leute beurteilen, die im Investitionsausschuss sitzen und darauf achten, dass die vorgeschlagenen Projekte den Kriterien für die EFSI-Garantie entsprechen.

Ein Mitglied des Ausschusses, der ehemalige ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai – heute beim Investmentberater Campbell Lutyens für den Bereich Global Infrastructure zuständig – vergleicht die Coronakrise mit einem Tsunami: „Wer die erste Welle überlebt, hat eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen. Wenn aber die Industrie zusammenbricht, kann es Jahrzehnte dauern, die Produktion wiederaufzubauen – oder sie entsteht woanders neu, nicht in Europa.“

Bajnai, der seinerzeit Ungarn durch die Finanzkrise führte, hat gelernt: „In der Krise sind Soforthilfen dreimal so wertvoll wie Gelder, die später fließen.“

Deshalb sind sie so wichtig, die schnelle Hilfe des EFSI in der Pandemie und die rasche Einrichtung des Paneuropäischen Garantiefonds für das kommende Jahr.