3,3 Milliarden Bäume und die Hälfte der Fläche Griechenlands – so viel bräuchte es, um in zehn Jahren rund 66 Millionen Tonnen CO2 zu binden. Ein Projekt zur CO₂-Abscheidung im Nordosten Griechenlands will die gleiche Menge wegschaffen.
EnEarth, eine Tochter des griechischen Öl- und Erdgasunternehmens Energean, baut dafür eine der größten CO₂-Speicheranlagen Europas im Golf von Kavala. Dort liegt das Ölfeld Prinos, das künftig als Speicher für Kohlendioxid dient.
„Technologien zum Abscheiden und Speichern von CO2-Emissionen sind nichts Neues“, sagt Katerina Sardi, Geschäftsführerin von Energean und EnEarth in Griechenland. „Das war schon vor fast 25 Jahren mal im Gespräch. Anfang der 2000er-Jahre habe ich selbst an Projekten rund um CO₂ gearbeitet. Heute macht es mich stolz, dass diese Lösungen endlich in die Praxis umgesetzt werden.“
Wie CO2-Abscheidung und -Speicherung funktionieren
CO2 wird in Industrieanlagen in Griechenland und Nachbarländern aufgefangen, bevor es in die Luft gelangt. Danach geht es, zum Teil in verflüssigter Form, nach Prinos. Dort wird das CO2 in Tanks zwischengespeichert und dann draußen auf dem Meer über eine Offshore-Plattform in die Tiefe befördert.
„Das CO₂ wird weit unter den Meeresboden gepresst“, erklärt Zoran Stanic, Leiter des Innovationsfonds-Beratungsteams der EIB. „Die Plattformen wurden vor fast 50 Jahren für die Erdölförderung installiert. Jetzt dienen sie dazu, CO₂ sicher in den Reservoirs vier Kilometer unter der Meeresoberfläche zu speichern.“
Der Standort eignet sich sehr gut als CO₂-Speicher. Die geologischen Formationen rund um die Bohrlöcher sind seit den 1970er-Jahren intensiv untersucht worden. „Daten aus mehreren Jahrzehnten belegen ihre Eignung“, sagt Sardi. „Seismische Messungen, Bohrungen und Kernproben zeigen eindeutig, dass eine langfristige Lagerung möglich ist.“
Ab 2027 könnte das erste CO₂ in Prinos ankommen. Im Vollbetrieb soll die jährliche Speicherkapazität im Jahr 2030 bei 2,8 Millionen Tonnen liegen. Insgesamt können 66 Millionen Tonnen eingelagert werden. Neben Griechenland werden voraussichtlich auch Italien, Slowenien und Kroatien den Speicher nutzen – vor allem für Unternehmen aus schwer zu dekarbonisierenden Branchen wie Chemie, Zement und Stahl.
Mehr CO₂-Speicher für Europa
Bisher gibt es in der Europäischen Union nur wenige CO₂-Speicherprojekte. Die meisten befinden sich noch in der frühen Planungs- oder Aufbauphase. Nach Angaben der Zero Emissions Platform gingen im Jahr 2025 drei Projekte in Betrieb (Sleipner, Snøhvit und Northern Lights in Norwegen). Ein weiteres Projekt soll 2026 starten (Porthos in den Niederlanden).
Damit Prinos ein Erfolg wird, fördert die EU das Projekt mit 270 Millionen Euro an Zuschüssen aus der Connecting-Europe-Fazilität und aus einem griechischen Aufbaufonds. Darüber hinaus steuerte die EIB umfangreiche Beratungsleistungen bei.
„Das Projekt ist nicht nur für Griechenland wichtig, sondern für die Klimaziele von ganz Südosteuropa“, meint Stanic. „Es beschleunigt die Entwicklung und dient als Vorbild für ähnliche Vorhaben im Mittelmeerraum.“
Die Finanzprofis und technischen Experten der EIB haben das Projekt gemeinsam mit dem Prinos-Team strukturiert, das Geschäftsmodell weiterentwickelt und so die Finanzierungschancen verbessert. „Der Business Case ist angesichts der großen Nachfrage nach CO₂-Speicherung in der Region sehr überzeugend“, sagt Matthieu Banal, ein Finanzberater der EIB. „Auch wenn es nicht einfach ist, genügend Unternehmen zu gewinnen, die ihr CO₂ speichern wollen.“
Außerdem half das EIB-Beratungsteam Prinos dabei, sich im komplexen Regelwerk für CO₂-Abscheidung und -Speicherung zurechtzufinden. Und es prüfte, wie sich das aus dem Speicher geförderte Wasser wiederverwenden lässt.
CO₂-Speicherung ist entscheidend, um das Ziel der EU zu erreichen, die Nettoemissionen bis 2050 auf null zu senken. Europa will die CO₂-Speicherkapazität bis 2030 auf 50 Millionen Tonnen pro Jahr steigern.
„Dieses Projekt ist Teil des übergeordneten Ziels, die europäische Industrie und Arbeitsplätze zu sichern, europäische Technologien voranzubringen, den Klimawandel zu bremsen und die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen“, sagt Sardi. „Ohne wirksame CO₂-Speicherung wird es deutlich schwerer, wenn nicht gar unmöglich, klimaneutral zu werden.“
Die EIB unterstützt auch ein CO₂-Abscheidungsprojekt in Stockholm in Schweden. Es ist die erste große Bioenergie-Anlage des Landes, die mit CO₂-Abscheidung kombiniert wird. Der Betreiber Stockholm Exergi erhielt im April 2025 von der EIB 260 Millionen Euro für den Bau. Die Anlage soll 2028 in Betrieb gehen und dann jährlich 800 000 Tonnen CO₂ abscheiden – mehr, als der Straßenverkehr in Stockholm in einem Jahr ausstößt.
EnEarth
Speicher schützen Industrie vor steigenden CO₂-Kosten
Zement-, Stahl- und Chemieunternehmen kämpfen in der EU mit steigenden Kosten durch strengere CO₂-Regeln. Prinos bietet einen Ausweg.
„Es ist eine Win-win-Situation“, sagt Sardi. „Unternehmen können CO₂-Emissionen speichern, statt sie auszustoßen. So bleiben sie wettbewerbsfähig, ohne die Umwelt zu belasten.“ Gleichzeitig kurbelt das Projekt die Wirtschaft am Golf von Kavala an, und es entstehen neue und andere Arbeitsplätze. „Junge Menschen haben einen Grund, zu bleiben und sich hier eine Zukunft aufzubauen.“
Sardi betont, CO₂-Abscheidung und -Speicherung seien unverzichtbar für die europäische Energiewende. „Ohne diese Technologie muss die europäische Industrie buchstäblich ums Überleben kämpfen.“