Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika kochen im Haus über offenem Feuer. Auch Mercy Njoki – bis sie den Kocher „ECOA“ von BURN entdeckte.
Heute wohnt Njoki in Ruiru bei Nairobi. Mit dem ECOA spart sie Zeit und Geld. Er verbraucht weniger Energie, verursacht keinen Rauch und ist gesünder für ihre Familie. Hergestellt wird das Gerät von BURN, einer Firma für hocheffiziente Elektro-, Holz- und Gasherde.
„Früher hatte ich einen traditionellen Kocher. Aber der machte enorm viel Rauch“, erzählt sie. „Meine Familie und vor allem meine Kinder waren ständig krank. Allergien, chronischer Husten – wir mussten oft ins Krankenhaus. Manchmal bekamen wir vom Kohlenmonoxid sogar Kopfschmerzen.“
Mehr als drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr vorzeitig durch Luftverschmutzung in Innenräumen. Besonders betroffen sind Kinder und Frauen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
„Mit dem neuen Kocher gibt es keinen Rauch mehr. Und er hat sogar eine Kindersicherung“, sagt Njoki.
Vom Rauch zur Nachhaltigkeit
Der Geräte-Hersteller BURN wurde von Peter Scott gegründet. Als der kanadische Unternehmer 1990 durch das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo reiste und sah, wie viele Bäume für Holzkohle zum Kochen gefällt wurden, war er entsetzt. Scott beschloss, Kocher zu bauen, die besser sind – für die Wälder und für die Gesundheit der Menschen in Subsahara-Afrika.
2010 gründete er bei Seattle im US-Bundesstaat Washington die Firma BURN Manufacturing, die saubere Kocher für Afrika produziert. Vier Jahre später eröffnete er ein Werk in Kenia. Heute ist BURN auch in Ost-, West- und Zentralafrika vertreten – mit Montagewerken in Nigeria, Mosambik, Ghana, Tansania und Malawi.
„Als BURN an den Start ging, glaubten nicht viele daran, dass Clean Cooking wirklich eine Perspektive hat“, meint Ted Miller, Leiter Corporate Finance bei BURN. „Inzwischen haben wir mehr als 6 Millionen Geräte in über 30 Ländern in Afrika und Südostasien verkauft – für mehr als 32 Millionen Menschen.“
Als Hendrik Engelmann-Pilger, Energieexperte bei der Europäischen Investitionsbank, erstmals von BURN hörte, war er zunächst skeptisch.
„Die Clean-Cooking-Branche ist extrem schwer zu finanzieren“, erklärt er. „Der Markt ist fragmentiert, und es gibt nur wenige Unternehmen, die so groß und professionell sind, dass Entwicklungsbanken oder Social-Impact-Investoren einsteigen. BURN ist da eine Ausnahme.“
Für Charlotte Rault, Kreditreferentin bei der EIB, lag die Entscheidung auf der Hand. „Ich wollte bei diesem Projekt unbedingt dabei sein“, sagt sie. „Denn es erfüllt alle Kriterien der EIB: 100 Prozent Klimaschutz und maximaler Impact für Frauen.“
2024 vergab die Europäische Investitionsbank einen Kredit über 15 Millionen US-Dollar an BURN – für den Vertrieb elektrischer Induktionskocher in Ostafrika. Sie werden mit Strom betrieben, der zu 80 bis 95 Prozent aus Erneuerbaren stammt.
Kochen und in Raten zahlen
Wenn die Welt bis 2050 klimaneutral werden soll, müssen jedes Jahr fast 300 Millionen Menschen auf sauberes Kochen umstellen. Der Preis für die Geräte ist dabei ein großes Problem. „Bisher kochen die Leute mit Holz oder Holzkohle. Das kostet nichts oder fast nichts. Elektrokocher sind dagegen ziemlich teuer“, erklärt Miller.
Um die Geräte bezahlbar zu machen, können die Kundinnen und Kunden den Kaufpreis in monatlichen Raten über ein Jahr abzahlen. Parallel dazu setzt BURN auf CO₂‑Zertifikate: Unternehmen oder Institutionen, die in den Klimaschutz investieren wollen, kaufen CO₂-Gutschriften, und mit dem Geld kann BURN seine Kocher bis zu 80 Prozent billiger verkaufen.
Viele kenianische Familien geben monatlich im Schnitt 50 US-Dollar für Brennmaterial aus. Mit den neuen Kochern holen sie den Kaufpreis meist in zwei bis drei Monaten wieder rein – und danach sind ihre Ausgaben deutlich niedriger.
„Ich zahle die Raten, die ich mir leisten kann“, sagt Njoki. „Mit dem restlichen Geld koche ich für meine Familie – Frühstück, Mittagessen und sogar Abendessen. Früher hat das alles immer ziemlich lange gedauert. Jetzt habe ich mehr Zeit für meine Kinder und für andere Dinge.“
BURN Manufacturing USA
Mehr Selbstbestimmung für Frauen
In vielen afrikanischen Familien ist Kochen Frauensache: Sie sammeln Holz und kümmern sich ums Feuer. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch körperlich anstrengend. Die neuen Kocher machen ihren Alltag leichter – und das Leben ein bisschen gerechter.
Tania Colantone, Expertin für soziale Entwicklung bei der EIB, sieht darin eindeutig Vorteile.
„Der Gender-Aspekt liegt klar auf der Hand“, sagt sie. „Jetzt stehen Frauen und kleine Kinder nicht mehr im Rauch, und das Kochen nimmt bis zu 70 Prozent weniger Zeit in Anspruch. Dadurch haben Frauen mehr Freiraum, um sich weiterzubilden oder um unternehmerisch aktiv zu werden.“
Das Projekt ist Teil der 2X Challenge, die 2018 auf dem G7-Gipfel lanciert wurde, um Investitionen zu fördern, die Frauen stärken. Die Europäische Investitionsbank gehört zu den zentralen Mitgliedern der weltweiten Initiative, die privates Kapital für Frauen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen mobilisiert.
BURN Manufacturing USA
Fast die Hälfte der rund 3 500 Beschäftigten von BURN sind Frauen. Das Unternehmen wirbt sie aktiv an, bildet sie aus und beschäftigt sie in der Produktion, im Vertrieb und im Kundendienst. So werden sich finanziell unabhängig und gleichzeitig fit für eine Branche, die bisher männerdominiert war. Im Kreditvertrag mit der EIB verpflichtete sich BURN, den Anteil seiner weiblichen Vollzeitkräfte weiter zu erhöhen.
„Bei BURN ist das Gender-Thema keine Pflichtübung. Das Unternehmen steht wirklich dahinter“, sagt EIB-Kreditreferentin Rault. „Das 2X-Siegel ist für genderorientierte Projekte enorm wichtig. Es zeigt, dass sie die 2X-Kriterien erfüllen – und das zieht neue Investoren an.“
Transparente CO₂‑Gutschriften
Mehr als 400 Millionen Menschen in Afrika haben einen Stromanschluss. Trotzdem kochen viele immer noch mit Holzkohle. Genau diese Familien will BURN erreichen. Die Sensoren seiner Kocher liefern in Echtzeit Daten zu Stromverbrauch und Kochverhalten. So lassen sich die Emissionseinsparungen exakt berechnen und die CO₂-Gutschriften transparent belegen.
Auf seiner Website verweist BURN auf Studien, nach denen Familien mit BURN-Kochern 39 Prozent weniger Brennmaterial verbrauchen, jährlich 119 US-Dollar sparen und 3,5 Tonnen weniger CO₂ ausstoßen.
„Das Projekt ist ein Game Changer für Ostafrika“, freut sich EIB-Energieexperte Engelmann-Pilger. „Die moderne Technologie von BURN verbessert die Lebensqualität und mobilisiert über CO₂-Gutschriften Geld von Akteuren aus aller Welt.“
EAST AFRICA CLEAN COOKING EXPANSION
Financing the expansion of clean cooking activity of the company Burn Manufacturing in Kenya, Tanzania and potentially other African countries.