Home-Sharing für Ältere – in der Coronakrise so wichtig wie danach

Von Chris Welsch

Raus aus der Einsamkeit! Das ist das Hauptanliegen von 1Toit2Ages. Und nicht erst seit Corona.

„Wir sind soziale Wesen und brauchen den Kontakt zu anderen“, so Regis de Kerautem, der 1Toit2Ages zusammen mit seiner Frau gegründet hat. „Also tun wir alles, um Situationen wie im Lockdown zu vermeiden, als viele ganz alleine zu Hause festsaßen.“

Als Regis de Kerautem und seine Frau Claire 2009 ihr gemeinnütziges Unternehmen gründeten, wollten sie Studierende mit älteren Menschen zusammenbringen – die einen auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft, die anderen mit der Hoffnung auf Gesellschaft und ein paar Euro Mieteinnahmen. 1Toit2Ages heißt: ein Dach, zwei Generationen.

„Jung und Alt haben sich entfremdet. Das wollten wir ändern“, erklärt Claire. „Home-Sharing hat viele Vorteile: Die Älteren haben ein geringeres Risiko von Stürzen, sie sind gesünder und ausgeglichener, und sie können länger in den eigenen vier Wänden bleiben – das haben Studien belegt.“

Auch in der Krise aktiv

Das Unternehmen hatte schon etwa 500 Wohnpaare zusammengebracht, als die Coronakrise alles änderte. Von heute auf morgen blieben die Hörsäle in Brüssel und den acht anderen belgischen Universitätsstädten zu, rund 80 Prozent der Studierenden kehrten ihrem Studienort den Rücken. Das Team von 1Toit2Ages reagierte schnell, um seine Kunden jetzt nicht im Stich zu lassen.

„Wir haben eine Plattform eingerichtet, über die Freiwillige ältere Menschen anrufen konnten, die plötzlich isoliert waren. Ein voller Erfolg – es gab Hunderte von Anrufen“, freut sich Claire. „Außerdem stellten wir fest, dass viele Studierende, die dageblieben sind, nun keine Arbeit mehr hatten und das Geld für Miete und Essen knapp wurde.“

Deshalb sammelte 1Toit2Ages Spenden für Essenspakete.

Seit 2012 unterstützt die belgische Königin Mathilde das Programm. Im Lockdown wandte sie sich an Claire und Regis, weil sie gerne einmal mit einem Wohnpaar sprechen wollte. Der Anruf kam sehr gut an, und die Königin zeigte sich beeindruckt.

„Viele Wohnpaare haben im Lockdown eine sehr enge Beziehung aufgebaut“, versichert Claire. „Sie haben sich wirklich umeinander gekümmert.“

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Claire de Kerautem. Ihr Home-Sharing-Unternehmen bringt Studierende auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft mit älteren Menschen zusammen, die Gesellschaft und ein paar Euro Mieteinnahmen brauchen. ©EIB

Kreative Ideen

Derzeit bietet das Unternehmen zwei Optionen an: Entweder die Studierenden mieten bei einem älteren Menschen ein Zimmer für 300 Euro im Monat zuzüglich einer Jahresgebühr. Oder sie packen im Haushalt mit an und zahlen dann nur 180 Euro.

1Toit2Ages stand in der Endrunde des Wettbewerbs für Soziale Innovation, mit dem das EIB-Institut alljährlich Unternehmerinnen und Unternehmer für ihr soziales, ethisches oder ökologisches Engagement auszeichnet.

Nun wollen Regis und Claire ihr Konzept weiter ausbauen. In Brüssel haben sie fünf Gebäude zu Mehrgenerationen-WGs umgestaltet: Die Menschen leben unabhängig in ihren Wohnungen, unternehmen aber viel gemeinsam. Bei diesem Modell müssen die Jüngeren nicht unbedingt studieren.

Es geht darum, die Isolation aufzubrechen, so Regis, mit welchen Mitteln auch immer.

„Ich denke, die Leute schätzen wirklich, was wir tun. Denn sie fühlen sich nicht mehr allein. Und genau darum geht es uns.“